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Die Welt · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XL JAHRO. KÖLN, 15. Februar 1907 ]minb nWtt TIN \x No. 7. □I Dl REVUE DER WOCHE □1 in Programmatische Einheit Nach den Federationen der Vereinigten Staaten, Kanadas, Rußlands und Südafrikas hat nunmehr die English Zionist Federation eine Resolution angenommen, worin in Übereinstimmung mit den Resolutionen der eben genannten Federationen die Forderung zum Ausdruck gebracht wird, daß die Schaffung einer realen Einflußsphäre in Palästina eine wesentliche Grundlage der Politik des Zionismus oilden müsse. Und fast gleichzeitig haben auch die Zionisten Palästinas die Anwesenheit des Präsidenten des Aktionskomitees zum Anlaß genommen, um ihm ihre Wünsche vorzutragen, die prinzipiell gleichfalls eine Stärkung der jüdischen Position in Palästina zum Inhalt haben. Damit hat, wenn wir noch die Gleichdenkenden in anderen Ländern hinzuzählen, die bei weitem überwiegende Mehrheit der Zionisten ihre programmatische Anschauung in Hinsicht auf die Palästinaarbeit gleichartig manifestiert, und man kann heute getrost von einer programmatischen Einheit in unserem Lager sprechen, auch wenn man keinen Augenblick daran denkt, die kleine Minderheit in der Äußerung ihrer Bedenken oder Meinungsdifferenzen beschränken zu wollen. 3m Grunde haben alle diese Resolutionen nur das sanktioniert, was bereits der siebente Kongreß als authentische Interpretation des Baseler Programms erklärt hat. Und darum könnte auch für den ersten Augenblick die nachträgliche Sanktionierung von Kongreßbeschlüssen durch die Landsmannschaften als etwas Merkwürdiges, Anormales, — weil scheinbar Überflüssiges, — erscheinen. Allein das scheinbar Überflüssige war in diesem Falle eine Notwendigkeit. Fürs erste waren die die praktische Arbeit in Palästina betreffenden Kongreßbeschlüsse nach bisher unerhörten Sturmszenen, in leidenschaftlicher Erregung und unter dem hartnäckigen Widerstande der Minderheit gefaßt worden. Und da war nichts natürlicher, als der Wunsch der Landsmannschaften, in den 'eiten der Ruhe, die allmählich folgten, noch einmal gründlich zu berprüfen, ob sich in die Beschlüsse des Kongresses, die nur von er Vernunft diktiert sein dürfen, nicht etwa Elemente extremer Parteilichkeit eingeschlichen haben. Dazu kam dann das andere: Sofort nach dem Kongreß bemühten sich Einflüsse, die von außen ''amen, innerhalb unserer Organisation von neuem einen Kampf!er Geister zu entfesseln. Es waren in theoretischer Hinsicht gegnerische, in panteitak tischer Hinsicht leider oft genug geradezu feindselige Einwirkungen, ausgehend von jenem kleinen Bruchteil •ier Kongreßminderheit, der sich vom Zionismus loslöste und andern i-andplänen zuwandte. Es lag nur Logik darin, wenn diejenigen, die ein anderes Territorium ins Auge faßten, die Tauglichkeit Palästinas und die Zweckmäßigkeit der Mittel und Methoden des politischen Zionismus in jeder Weise zu bestreiten suchten. Aber die absoluten Verneiner des palästinensischen Zionismus waren die kleinere Gefahr gegenüber den andern, die für ein anderes Land eintraten und dabei doch Palästina nicht ganz aufzugeben erklärten. Sie bemühten sich, das politische Element des Zionismus ins Schemenhafte sich verflüchtigen zu lassen, indem sie die Öffentlichkeit, uns und wohl auch sich glauben machen wollten, daß politischer Zionismus und reindiplomatische Politik identisch seien und, indem sie, ohne es beweisen zu können, behaupteten, daß die politischen Aussichten auf ein jüdisches Palästina in nebelhaften Fernen lägen. Das politische Prinzip aber, das der siebente Kongreß sanktioniert hatte, das Prinzip einer sich auf eine Machtbasis in Palästina stützenden Politik, glaubten sie dadurch diskreditieren zu können, daß sie einmaL die rechtlichen und ökonomischen Schwierigkeiten der Palästinaarbeiten in einer jedem Minimum von nationalem Heroismus und nationaler Opferwilligkeit hohnsprechenden Weise übertrieben und zum andern diese Arbeiten, indem sie sie in tendenziöser Darstellung ihres politischen Zweckes entkleideten, als Rückfall in Kleinkolonisation, als „Chowewe-Zionismus" verhöhnten. Die zionistische Organisation hat, wie man rückblickend feststellen kann, sich nicht beirren lassen. Wenn die Einwirkungen von außen einen Effekt erzielten, so war es höchstens der, daß die zionistische Leitung, in der Besorgnis, das politische Prestige des Zionismus könne durch Mißverständnisse, die von außen hereingetragen und genährt wurden, Schaden erfahren, zurückhaltender war als die Organisation selbst. Die Jahreskonferenz und seither die Konferenzen der Landsmannschaften, die die Palästinaarbeit in höchstpolitischem Sinne fordern, haben die Leitung von solchen Besorgnissen befreit, haben auch zur Genüge darüber belehrt, daß jede Furcht vor einem Herabsinken des Zionismus in Kleines und Kleinliches unbegründet ist. Der nächste Kongreß wird uns also in programmatischer Einigkeit finden, — das ist ein hocherfreuliches Prognostikern. Damit aber wird der Kongreß befähigt sein zu weiteren bedeutsamen Aufgaben, die seiner harren: Er wird das Prinzip durch ein praktisches System in Leben umzusetzen haben. Er wird zu untersuchen haben, welche rechtlichen Schwierigkeiten in Palästina schon jetzt zu beseitigen sind, und was anderseits trotz obwaltender und zunächst nicht zu beseitigender Schwierigkeiten zu tun möglich ist. Er wird, zwischen allzuängstlicher Besorgtheit und allzuwagemutigem

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