Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Bezirken mit kompakter jüdischer Bevölkerung eigene Kandidaten aufzustellen. In einer Zuschrift an den „Wiek Nowy" erklär! Minister Graf Dzieduszycki, daß die Nachricht, er habe der zionistischen Partei in Galizien fünf Reichsratsmandate für den Fall des Eintrittes ihrer Abgeordneten in den Polenklub angeboten, unbegründet sei. Wohl habe er aber in privaten Unterredungen mit Zionisten betont, es müsse als Bedingung was immer für einer Verständigung der zionistischen Partei mit der polnischen Wahlorganisation als Verpflichtung der Zionisten angesehen werden, daß die aus ihren Reihen etwa zu wählenden Abgeordneten dem Polenklub beitreten und daselbst allen Bestimmungen der Klubstatuten sich unterordnen. Die Mandate haben die Wähler und nicht die Regierung zu verteilen. Wer sich um die Unterstützung irgendwelcher Reichsratskandidaturen durch die Polen bewirbt, habe sich an den Nationalrat zu wenden. Wieder eine Versammlung zugunsten der Judenemanzipation in Finnland In Wyborg fand eine zahlreich besuchte Veisammlung statt, welche der Judenfrage in Finnland gewidmet war. Die Mehrheit sprach sich dafür aus, daß man den Juden in Finnland die volle Gleichberechtigung erteilen solle. Es wurde beschlossen, an den Senat ein Telegramm zu senden mit der Bitte um schnelle und endgültige Lösung der Judenfrage. NOTIZEN Sch. J. Abramowitschs 70. Geburtstag Der gefeierte Nestor der jüdischen Literatur Sch. J. Abramowitsch hat in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag gefeiert. Auf die vielen Festgrüße in der Presse und die schriftlichen Glückwünsche, die ihm aus diesem Anlasse zugegangen sind, hat Abramowitsch folgende Danksagung veröffentlicht: „Herzinnig geliebte jüdische Kinder! Doppelten Dank bin ich Euch schuldig dafür, daß Ihr mir soviel Hhre erwiesen und dafür, daß Ihr meinen Festtag nicht vergessen habt in einer so schweren, bewegten Zeit. Gott mag uns allen Gesundheit schenken und mich erleben lassen, Freuden bei Euch zu sehen! Amen.44 Vom. Heilserum Marmorek Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Paris, 15. Jan. Professor Charles M 0110 d hielt in der heutigen Sitzung der Akademie der Medizin einen Vortrag über das Anti- Tuberkuloseserum des Bakteriologen Alexander Marmorek, in welchem er einen Überblick über die mit diesem Serum gewonnenen Erfahrungen gab. Monod zitierte insbesondere die diesbezüglichen Arbeiten Hoffas, Sonneburgs und van Hüllens in Deutschland, Lewins in Schweden, Ullmanns in Österreich, Freys und Stephanis in der Schweiz, Habershons in England und Martignys in Kanada und konstatierte, daß nach den bisherigen Versuchen nur 39 ungünstige, dagegen 590 günstige Beobachtungen vorliegen. xMonod hob die erfahrungsgemäß festgestellte vollständige Unschädlichkeit des Mormorekschen Serums hervor, erinnerte sodann an die ablehnende Haltung, welche die Akademie der Medizin vor drei Jahren diesem Serum gegenüber an den Tag gelegt habe und erklärte, er halte gleich Professor Hoffa daran, daß dem Anti- Tuberkuloseserum Marmoreks der ihm gebührende Platz im Kampfe gegen die Tuberkulose nicht mehr verweigert werden könne. „Bezalel" Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern. Berlin W. 15, Uhlandstr. 175, Dezember 1906. Der Verein „Bezalel", der soeben einen reich illustrierten Bericht über seine bisherige Tätigkeit versendet, erläßt bei dieser Gelegenheit folgende Einladung: Sehr geehrter Herr! Nicht Almosen, sondern Arbeit! hat sich der Verein „Bezalel" zum Prinzip seiner Tätigkeit gemacht. Durch Einführung von aussichtsreichen kunstgewerblichen und anderen Hausindustrien, die sich seit vielen Jahren im ganzen Orient bewährt haben, soll der armen jüdischen Bevölkerung in Palästina Arbeit und Erwerb geboten werden. Die zu diesem Zwecke begründete Kunstgewerbeschule : 2 „Bezalel" in Jerusalem hat unter Leitung des aufopferungsvollen, unermüdlichen Prof. Boris Schatz in den ersten 6 Monaten ihres | Bestehens die erfreulichsten Erfolge, erzielt und berechtigt zur i Hoffnung, daß sie eine neue Ära in der Geschichte der' palästinensischen Juden anbahnen wird. Sie wird die in unsäglicher Not lebenden Jerusalemer Juden zu produktiven Berufen hinleiten. Sie wird den jüdischen Kolonisten lohnende Nebenbeschäftigung verschaffen, sie wirtschaftlich kräftigen und gegen unvorhergesehene Elementarereignisse widerstandsfähiger machen. Sie wird das geistige und moralische Niveau der jüdischen Bevölkerung heben, indem sie ihr Sinn für Ordnung, Schönheit und Kunst beibringen und sie durch die neu eingeführten genossenschaftlichen Arbeitsformen ein friedliches, brüderliches Zusammenarbeiten lehren wird. Von dieser Einsicht geleitet, begrüßte die arme Bevölkerung in Jerusalem die Begründung des „Bezalel" mit größter Freude und Begeisterung, und die besten und intelligentesten Elemente des Landes ^scharen sich um ihn und fördern seine Bestrebungen. Ohne Übertreibung darf man wohl sagen, daß das Unternehmen des „Bezalel", wie wenig andere, in eine aussichtsreiche Zukunft sieht und daher die tatkräftigste allseitige Unterstützung unserer jüdischen Brüder beanspruchen kann. Wir hoffen, daß auch Sie, sehr geehrter Herr, die Bestrebungen unseres Vereines durch Ihren Beitritt fördern werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand des „Bezalel": Prof. O. Warburg, Vorsitzender. Dr. Paul Nathan, stellv. Vorsitzender. Berthold Israel, Schatzmeister. Fabrikbesitzer S. Hepner. Dr. Hirsch Hildesheimer. Direktor Paul Lewy. Dr. E. Mittwoch. Dr. Franz Oppenheimer. Professor M. Philippson. Dr. Paul Schottländer. James Simon. Dr. S. Soskin. Künstlerischer Beirat: Maler Julius Bodenstein. Prof. Max Liebermann. Maler Hermann Struck. 0' An unsere p. t. Abonnenten! Alle unsere Abonnenten, die mit der Einzahlung des Abonnementsbetrages noch immer im Rückstände sind, werden wiederholt dringendst ersucht, den fälligen Abonnementsbetrag unverzüglich einzusenden, damit in der Zustellung des Blatteskeine Unterbrechung eintrete. DIE EXPEDITION. W\ l£L 13 Die glückliche Geburt eines prächtigen touaua Jungen zeigen hocherfreut an Julius Berger und Frau Ella geb. Salomon. KÖLN, 23. Januar 1907.