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Die Welt · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIE LT No. 3 rg=m ooooooooooooooo /?= ^=L NOTIZEN Vom „Verein zur Förderung; jüdischer Kunst4' Beinahe seltsam erscheint es heute, daß es eine Zeit gab, wo in der nationaljüdischen Bewegung heiße Debatten über die Frage geführt wurden, ob die Belebung und Pflege der jüdischen Literatur und Kunst, die Organisierung des Kulturzionismus",-wie das Schlagwort lautete, zu den wünschenswerten Betätigungsarten unserer Vorkämpfer gehöre oder nicht. Es war die Zeit, wo man von der Möglichkeit der baldigen Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina überzeugt war und alle Kräfte auf dieses Werk konzentrieren zu müssen glaubte. Erst in Palästina sollte man sich jüdischkulturellen Bestrebungen widmen dürfen. Die Erfahrung hat uns belehrt, daß die nationale Kunst und die nationale Kultur als Parallelerscheitiungen der politischen National - bewegung schon heute in den Ländern der Diaspora entstehen; die Erfahrung hat erwiesen, daß der „Kulturzionismus", weit entfernt, eine Kräftezersplitterung zu bedeuten, im Gegenteil eines der allerwirksamsten Instrumente unserer Bewegung repräsentiert. Die Pflege der nationalen Kunst, die Organisierung der nationalen Kultur bedeuten nichts anderes als indirekte Propaganda, für die die Gemüter der neutralen jüdischen Kreise am zugänglichsten sind, als Erziehung zum nationalen Empfinden. Von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir alle Veranstaltungen, die der Förderung jüdischer Literatur und Kunst dienen, ob sie nun aus unseren oder aus anderen Kreisen hervorgehen, mit Freude begrüßen. Die Bedeutung der jüdischen Kunstausstellung in London ist an dieser Stelle gewürdigt worden. Ein dauernder, organisatorischer Stützpunkt für alle Bestrebungen auf diesem Gebiete ist nun jüngst in dem „Verein zur Förderung Jüdischer Kunst" zu Berlin geschaffen worden. Nach dem Erfolge, den die bisherigen Veranstaltungen nicht nur beim Publikum sondern auch in der Tagespresse gefunden haben, scheint der neue Verein dazu berufen zu sein, zwischen dem Wollen und Empfinden der nationaljüdischen Dichter und Künstler und den großen, ihnen noch fern stehenden jüdischen Kreisen eine Brücke zu schlagen. Der erste Vortragsabend „Das jüdische Volkslied" mußte wiederholt werden. Vor kurzem fand ein zweiter Vortragsabend statt, der der „Modernen jüdischen Dichtung" gewidmet war. Rudolf Schildkraut, der gefeierte Künstler des „deutschen Theaters" trat im Oberlichtsaal der Philharmonie vor dem vornehmen Publikum Berlins als Meisterinterpret der Schöpfungen von Asch, Bialik, Frug, Perez, Rosenfeld und einzelner westeuropäischer Dichtungen auf. Die Stimmung des Publikums gab sich nicht nur in stets wiederholtem Beifall, sondern auch darin kund, daß während der Veranstaltung dem Vereine zahlreiche neue Mitglieder beitraten, so daß das Bestehen desselben in vornehmem Rahmen dauernd gesichert ist. Den Rezitationen ging ein Vortrag von Dr. Alfred Nossig voran, den wir an anderer Stelle bringen. Eine Abteilung des Zentralbureaus für jüdische Auswanderung in Hamburg Der Hilfsverein der deutschen Juden hat gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland in Hamburg eine besondere Abteilung seines „Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten" errichtet. Mit der Erweiterung der Fürsorgetätigkeit für die jüdischen Emigranten, die infolge der traurigen Verhältnisse in Rußland erforderlich geworden war, und mit den neuen Aufgaben, die der Plan einer zweckmäßigen Verteilung der Auswanderer in den Vereinigten Staaten an den Hilfsverein stellt, war die Etablierung eines solchen Bureaus im Haupthafen der jüdischen Auswanderung notwendig geworden. Die Adresse des neuen Bureaus ist: „Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten (Hilfsverein der deutschen Juden, Großloge für Deutschland), Abteilung Hamburg, Kleine Bäckerstraße 21." Das Bureau untersteht dem Hamburger Lokalkomitee des Hilfsvereins, das sich aus folgenden Herren zusammensetzt: A. Lewandowski I. Vors., Moritz Warburg II. Vors., D. Frischmann, Dr. R. Hinrichsen, Oberrabbiner M. Hirsch, Dr. E. Kalmus, Paul Laskar. Dr. H. C. Plaut, Dr. Hermann Samson. Mit der ehrenamtlichen Geschäftsführung wurde Herr Paul Laskar betraut, der 4n segensreicher Weisen auchbisher die Arbeiten; in Hamburg geleitet hat. Die Tätigkeit des Bureaus hat bereits am 1. Januar begonnen. Gelegentlich der Versammlung des Hilfsvereins in Hamburg haben die Herren Generalkonsul Landau und Dr. Nathan zusammen mit den Hamburger Herren das Bureau besichtigt und die Zweckmäßigkeit seiner Einrichtungen anerkannt. In Verbindung mit dem Hauptbureau in Berlin und mit den zahlreichen Schutzkomitees des Hilfsvereins an der Grenze und im Innern Deutschlands wird das Hamburger Bureau es als seine Aufgabe betrachten, die mit der Auswanderung verbundenen Härten und Beschwerlichkeiten für die Emigranten zu mildern und allen Auswanderern helfend und ratend zur Seite zu stehen. Gründung eines j iidischen Schulvereins für Böhmen Einer Einladung des Komitees zur Gründung eines jüdischen Schillvereins für Böhmen folgend, fanden sich Sonntag den 6. Januar um 2 Uhr nachmittags an 90 Delegierte von Kultusgemeinden in Böhmen und verschiedener Korporationen in Prag in den Räumen der Toynbey-Halle ein, um die Gründung eines jüdischen Schulvereins zu beschließen. Nachdem der Obmann des genannten Komitees, Herr Dr. Gustav Kuh, Advokat in Prag, die Versammlung in beiden Landessprachen aufs herzlichste begrüßt hatte und aus der Mitte der Versammlung Herr Dr. M. Kohn zum Präsidenten, Herr Gemeindevorsteher Löwner aus Kladno zum zweiten Präsidenten und Herr Brandeis zum Schriftführer gewählt worden, erstattete Herr Mautner das Referat, in welchem er nachwies, wie notwendig es ist, den allgemeinen Volksschulunterricht für jüdische Kinder auf ein höheres Niveau, als die allgemeine Simultanschule bietet, zu bringen, und wie es insbesondere nottut, den Religionsunterricht in den Volks- und Bürgerschulen zu regeln. Der Schwerpunkt für die Lösung dieser Probleme liegt in der Lehrerfrage. Der Schulverein wird es sich nun zur Aufgabe machen, jüdische Studenten durch Stipendien zu veranlassen, daß sie sich dem Lehrfache widmen. Der Schulverein wird ferner die Pensionen der Lehrer nach Möglichkeit verbessern, notleidende Gemeinden unterstützen und in den reichen Gemeinden Anregung und Beisteuer zur Errichtung jüdischer Schulen geben. Der Schulverein wird aber auch ängstlich darüber wachen, daß die bestehenden Gesetze betreffs des Religionsunterrichts genau beachtet werden und wird seine Stimme unentwegt erheben, um Abschaffung von Mängeln des Gesetzes zu verlangen. Der Schulverein wird auf der breitesten Basis der allgemeinen Beteiligung des jüdischen Volkes in Böhmen angelegt sein, indem er nur K. 1.— Jahresbeitrag fordern wird. Das Referat wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und hat eine lebhafte Debatte hervorgerufen, an der sich die Herren Dozent Mahler aus Prag, Dr.. Altmann aus Neustadtl, ferner die Prager Herren Lieben. Lebonhardt, Löwy, Dr. Deutsch, Winternitz, Dr. Kuh, Rab. Abeles und Frau Sophie Roubitschek beteiligten. Sämtliche Redner begrüßten den zu gründenden Schulverein aufs herzlichste. Nach dem Schlußworte des Referenten wurde einstimmig die Gründung eines jüdischen Schulvereins beschlossen und zu diesem Behufe ein großes Exekutivkomitee bestellt, das nunmehr alle weitern Schritte einleiten wird. Wir begrüßen auch unsererseits diesen mannhaften Schritt der böhmischen Judenschaft aufs herzlichste und wünschen ihrem Unternehmen bestes Gelingen. Inhalt von Nummer 2 des „Ha' Ol am": S. J. Abramowitsch: Gasthaus, Dr. M. J. Berdyczewski: Zwei Einsiedler (ein Bild), Prof. G. Deutsch: Gabriel Riesser, N. Sokolow: Ein neues Emigrationsprojekt, Ch. D. Naumberg: Die Verstoßenen (Notizen vom Auslande), A. N. Birnbaum: Der Gesang den bei Zadikim Polens, N. S.: Federstric he, Zionistische Chronik, Notizen. Inhalt von Nummer 3 des „Ha' Olam": S. J. Abramowitsch: Gasthaus (Schluß), A. S. Herschberg: Vom Hebron nach Beth Gubrin und Gaza (Reisebilder aus Palästina), J. Lubetzki: Über Kunst und Belletristik, Dr. N. Sloustsch: Malta, Kalew ben Jephuneh: Briefe aus einem Lande der Konstitution, N. S.: Federstriche (Organisationsfragen der deutschen Juden). Das neue hebräische Gymnasium in Palästina, Notizen. Bezugspreise für Ha' Olam: jährlich 8 Mk.: — 4 Rubel, für Abonnenten der „Weit14: jährlich 4 Mk. 2 Rubel: ' Personalnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Herr Ludwig Propper in Prag hat sich mit Fräulein Steffi Pan, Tochter des Möbelfabrikanten G. Pan in Prag, verlobt.

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