Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Kronländer ausgedehnt werden, und zwar sind die Vorarbeiten für eine lebhafte Agitation in Böhmen, Mähren und Schlesien bereits durchgeführt. Dem interessanten Berichte liegt eine Broschüre: „Die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst" vom Universitätsprofessor Dr. O. Warburg, Berlin, bei, welche neu eintretenden Mitgliedern gratis zugesandt wird. Dieselbe behandelt in ausführlicher Weise die jüdische Kolonisationsbewegung im allgemeinen und die Palästinakolonisation im besondern und weist an der Hand von statistischen und vergleichenden Daten nach, daß die letztere nicht nur als momentane Hilfsaktion, sondern auch für planmäßige Ansiedlung von Juden das geeignetste und fruchtbarste Arbeitsfeld bietet. Die Anmeldung der Mitgliedschaft für den „Jüdischen Kolcnisationsverein" erfolgt beim Sekretariate, 113 Grodlerstraße 9, in Wien. Ein ordentliches Mitglied zahlt jährlich mindestens Kr. 5, ein immerwährendes Mitglied einmal für immer mindestens Kr. 250 und ein Stifter einmal für immer mindestens Kr. 2000. Informationsbureau für Auswanderer in Krakau Der Verein „Solidarnosc B. B." in Krakau verlautbart hiermit, daß er ein Informationsbureau für jüdische Auswanderer eröffnet hat. Dieses Bureau wird schriftlich und mündlich (im Lokale des Vereins „Solidarnosc Zielona 10, II.) Auskünfte und Ratschläge erteilen in allen Fragen, die die Auswanderung betreffen. So in bezug. auf Reiseroute und Kosten, in bezug auf die ökonomischen Verhältnisse, die in den einzelnen Immigrationsländern herrschen, sowie in bezug auf die in diesen Ländern bestehenden sanitären Vorschriften usw. Es wird jedoch mit allem Nachdruck hervorgehoben, daß Geldunterstützungen in keinem Falle erteilt werden. „Zidowska Smotra" „Zidowska Smotra" benennt sich eine neue jüdische Monatsschrift in kroatischer Sprache, deren erste Nummer soeben erschienen ist. Das Blatt präsentiert sich äußerlich sehr gut, die Ausstattung ist geschmackvoll, Druck und Blattschmuck lassen nichts zu wünschen übrig. Aber auch inhaltlich hat das neue Blatt sofort eine schöne Höhe erreicht. Ein informativer, mit Sachkenntnis geschriebener Artikel über „Jüdische Kultur" von Alexander Licht, dem verdienstvollen kroatischen Obersetzer von Morris Rosenfelds Ghettoliedern, leitet das Blatt ein. Jochanan Thau schreibt eine gehaltvolle Studie über „Spaniolische Juden", D. H. E. Kaufmann den ersten Teil einer gründlichen und geistreichen Abhandlung über „Chassidismus und Mystizismus". Besonders erwähnenswert ist der Beitrag des Dr. Marcus Ehrenpreis, der einen jüngst gehaltenen Vortrag über „10 Jahre Zionismus" hier veröffentlicht. (Dieser Vortrag, der mit der beim Verfasser selbstverständlichen Sachkenntnis in stilistisch-feiner Form einen Abriß der Geschichte der letzten 10 Jahre Zionismus gibt und zugleich in gewandter Polemik die üblichen Einwendungen gegen den Zionismus zurückweist, ist seither auch in deutscher Sprache erschienen und zum Preise von 30 Hellern durch den Verein „Theodor Herzl" in Essek zu beziehen.) Ein Artikel über E. M. Lilien, Übersetzungen aus dem Jüdischen und Deutschen, eine Revue der zionistischen Bewegung u. a. m. vervollständigen in passender Weise den sehr ansprechenden Inhalt dieser ersten Nummer. Wir wünschen dem neuen Blatte, das auf fast unbebautem Boden seine Saat zu bestellen hat, viel Glück! Die erste Nummer des „Ha'OIam" Die erste Nummer des „Ha'Olam", die soeben erscheint, hat folgenden Inhalt: Geleitwort der Redaktion. S. J. Abramo witsch (Mendele Mocher S'forim): Fragment. J. L. Perez: Eine chassidische Geschichte. N. Sokolow: Salomon Buber. Dr. Josef Klausner: Worin besteht unsere Kraft? David Frischmann: Meine Kandidatur. A. B. Birnbaum: Chassidische Musik (mit Noten). J. Kogan: Gedicht. — Federstriche. — Aus der zionistischen Bewegung. Abonnementsbedingungen: Für Abonnenten der „Welt" 4 Mk. jährlich, für alle anderen 8 Mk. jährlich. Briefkasten der Redaktion Dr. S., London. Dr. Kahn, Wien VII, Lindengasse 11. — F. Dr. Herzl Dz., Wiesbaden, Elisabethstraße 8.—. Ob „Palästina" in russischer Sprache, ist uns noch unbekannt. NACHRICHTEN Russische Chronik Die Heldentaten der Hooligans in Odessa Wie bekannt, existiert schon seit längerer Zeit in Odessa ein Duumvirat, bestehend aus dem militärischen Hauptkommandanten Baron Kaulbars und dem Grafen Konownicyn. Sein Ziel besteht in der „Bekämpfung des Aufruhrs", die Mittel zur Verwirklichung dieses Ideals sind Gewalttaten aller Art. Der Odessaer „Verband des russischen Volkes" verfügt über eine Kampfesorganisation der Hooligans, genannt die Weiß e Garde. Diese Weiße Garde übernahm die heilige Aufgabe der Verfolgung und Bestrafung des Aufruhrs. Schon seit einigen Monaten bringen die Zeitungen die Nachrichten über die Gewaltakte der Weißen Garde. Zuerst machte man sich an die Studenten, dann an die Lehrerinnen der Sonntagsschulen, dann an die Gymnasialschüler und vor allem an die Juden. Vor zwei Tagen kamen wieder schaudererregende Mitteilungen aus Odessa. Die Hooligans haben einen gewissen Perelmann einer zwölfstündigen Folter unterzogen, eine Menge Menschen geprügelt und verwundet, ein Restaurant zerstört, unter das Publikum geschossen etc. Die Polizei verhielt sich dabei ganz neutral und konnte sich nicht entschließen, die Hooligans zu verhaften. Die Universitätsprofessoren fuhren nach Petersburg und baten Stolypin um Maßregel gegen die Ausschreitungen der Weißen Garde. Stolypin versprach alles mögliche zu unternehmen, aber die Ausschreitungen der Hooligans wurden daraufhin noch dreister und grausamer. Und dabei haben die Monarchisten den Mut, zu behaupten, daß sie gegen jede Gewalttaten seien. Und Herr Gringmut erklärte während einer Vorlesung in Smolensk kategorisch: „Gringmut und alle Monarchisten haben bei der Zusammenstellung des Parteiprogramms alle Gewalttaten ausgeschlossen und sind diesem Programme treu geblieben. Aber die Juden wollen unser Programm nicht lesen und ziehen es vor, zu glauben, daß die Monarchisten Judenpogrome einrichten wollen." Eine weitere Meldung besagt: In allen Odessaer Zeitungen wurde eine Erklärung des General-Gouverneurs veröffentlicht, daß alle Mißbräuche aufs strengste bestraft werden. Diese Erklärung hat aber keinen großen Eindruck gemacht, weil schon früher erschienene analoge Erklärungen absolut keinen Erfolg hatten. Es kommt noch dazu, daß die „Weiße Garde" ganz offen darüber spricht, daß sie während der Wahlen einen Pogrom veranstalten wird. Zu diesem Zwecke seien schon 500 Revolver und 50 Flinten vorbereitet, auch werde die „Weiße Garde" von Kosaken unterstützt werden. Diese Gerüchte haben unter der jüdischen Bevölkerung eine große Panik hervorgerufen. Zur jüdischen Wahlbewegung in Galizien Die „Neue Freie Presse" meldet: Die Meldung des „Glos Robotniczy", daß die Polenführer den Zionisten in Galizien vier Reichsratsmandate unter der Bedingung des solidarischen Zusammengehens mit den Polen angeboten haben, wird von kompetenter Seite als unrichtig bezeichnet. Die Zionisten werden in sechs galizischen Wahlbezirken eigene Kandidaten aufstellen, die sich verpflichten sollen, dem Polenklub nicht beizutreten. Für den 6. Januar wurde nach Lemberg eine Versammlung der Vertreter der Judenschaft von ganz Galizien einberufen, um zur Wahlbewegung überhaupt und zu der Aktion der Zionisten Stellung zu nehmen. Zur Wahlbewegung in Rußland Im Grodn'oer Gouverment stellen die Zionisten für die Duma die Herren N. Sokolow, D. J. Bruzkus (aus Petersburg) und Redakteur Syrkin (aus Warschau) als Kandidaten auf. Infolge Raummangels mußten eine Reihe von Vereinsberichten zurückbleiben.