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Die Welt · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Südafrika Die kurze Anwesenheit des Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees, Herrn David Wolffsohn, in Südafrika gab den dortigen Gesinnungsgenossen Anlaß zu einer Reihe großangelegter Festlichkeiten, die in der Öffentlichkeit außerordentliches Aufsehen machten und von der südafrikanischen Presse in ausführlichen Berichten behandelt wurden. Sowohl in Capetown als in Port Elizabeth und in andern Städten der Capkolonie hatten sich Empfangskomitees gebildet, die zu Ehren des Gastes Versammlungen und Bankette veranstalteten, an denen viele Delegierte der südafrikanischen Föderation und auch zahlreiche Nichtjuden, darunter die Spitzen der städtischen Behörden, teilnahmen. In Capetown begrüßten etwa 150 Delegierte aus der Kapkolonie den Gast, dem dann im City House ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Tags darauf fand ein offizielles Bankett statt, das der Mayor im Namen der Stadt gab und dem die Konsuln Deutschlands, Österreichs, Hollands usw. beiwohnten. Es wurden begeisterte Ansprachen gehalten, von denen besonders die Rede des Mayors und die des Herrn Wolffsohn mit stürmischen Beifallsbezeugungen aufgenommen wurden. Am nächsten Tag würden die Erziehungs- und Kultusanstalten der blühenden jüdischen Gemeinde von Capetown unter Leitung des Vorsitzenden der dortigen zionistischen Vereinigung, des Advokaten Alexander, besichtigt. Besondere Aufmerksamkeit widmete man dem zionistischen Heim, der Zions Hall, die mit einer prächtigen Bibliothek ausgestattet ist. In Port Elizabeth, wo Herr und Frau Wolffsohn am 21. v. M. eintrafen, fand gleichfalls ein Empfang durch Delegierte und Vereine statt. An der Spitze der Deputation stand der Rabbiner von Port Elizabeth Dr. Philippson. Es wurde eine Galafahrt nach dem Town House veranstaltet, wo der Mayor und Gemeinderat von Port Elizabeth — größtenteils Nichtjuden — Herrn Wolffsohn mit herzlichen Ansprachen willkommen hießen. Abends fand in der Town Hall, gleichfalls in Anwesenheit der repräsentativen Bürger der Stadt, eine überaus zahlreich besuchte Feier unter Vorsitz des Mr. J. Philipps statt, bei der Adressen verschiedener zionistischer Körperschaften an den Präsidenten des Aktions-Komitees und herzliche Ansprachen vom Chairman, dem Mayor der Stadt u. a. gehalten wurden, auf die Herr Wolffsohn in einer sehr beifällig aufgenommenen Rede erwiderte, in der er besonders warm die christlichen philozionistischen Kundgebungen hervorhob, deren er sich als Präsident der zionistischen Bewegung in Südafrika erfreuen konnte. Oberschlesischer Zionistentag in Beuthen O.-Schl. am 30. Dezember 1906 Am 30. Dezember 1906 findet in Beuthen O.-Schl. ein Oberschlesischer Zionistentag statt. Das ursprüngliche Programm mußte wegen der wichtigen Fragen, die in interner Sitzung zu erledigen sind, etwas geändert werden. AlleGesinnungsgenossen sind zurTeilnahme herzlichst eingeladen. Programm I. 113M Uhr: Begrüßung und gemeinschaftliche Mittagstafel. (Kouvert 2 Mark; Anmeldungen bis zum 27. Dezember 1906 an Herrn Oberkantor de Beer-Beuthen a. S.) fHotel Deutsches Haus am Ring.) IL 2V4 Uhr: Interne Sitzung. 1. Berichte; 2. Referat Dr. Elias Auerbach: Über den Stand der zionistischen Bewegung. Anschließend Diskussion. 3. Referat und Korreferat (Dr. E. Auerbach-Dr. Stahl.) Innenarbeit. Anschließend Diskussion. 4. Diverses. (Hotel Deutsches Haus am Ring.) III. 8i* Uhr: Öffentlicher Vortrag: Dr. Heinrich Loewe-Berlin: „Judenfrage und Judenschicksal." Freie Diskussion. (Großer Saal des Theaters und Konzerthauses.) Ortsgruppenverband Oberschlesien I. A. Dr. Hermann Stahl, Tarnowitz a. S. Deutschland Königsberg. Die Makkabäerfeier beging die hiesige Zionistische Vereinigung am Sonntag Abend im „Alten Schützenhause". Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Herr Rechtsanwalt Dr. Jacobi II den Abend mit einigen Worten der Begrüßung eröffnete. Dann folgte das Anzünden der Chanukkah- Lichter durch Herrn H. Behr und im Anschluß daran ein allegorisches lebendes Bild „Die Menorah". Ein Festspiel-Prolog, darstellend die Vergangenheit (Fräulein Martha Masie), Gegenwart (Fräulein Feising vom hiesigen Stadttheater) und Zukunft (Herr Artur A. Cohn) des jüdischen Volkes, fand wohlverdienten reichen Beifall. Die Festrede hatte Herr Dr. Kassel-Posen übernommen. Da er aber im letzten Augenblick erkrankt war, so sprang das Ehrenmitglied der Zionistischen Vereinigung, Herr Dr. Hoppe, für ihn ein und wies in längerer Rede auf die Bedeutung des Chanukkahfestes (Fest der Befreiung) als Erinnerung an die Befreiung der Juden von der Herrschaft der Syrer durch die Makkabäer hin, zugleich die Gegenwart heranziehend, die ähnliche Männer erfordere und auch hervorbringe. Der zweite Teil brachte dann zunächst Violinvorträge des Fräulein Lisbet Caspary und einen Gesangsvortrag des "Herrn Behr („Der Pogrom"). Herr Bruno Dessa und Fräulein Martha Hofacker vom Stadttheater fanden für ihre Vorträge stürmischen Beifall. Ein Trio der Herren Martin Aschkanasy (Klavier», Mark Pinette (Violine) und Sakolowski (Cello) und jüdisch-deutsche Gesänge des Herrn Behr — beides sehr schöne Leistungen — bildeten den Schluß des zweiten Teils. Der dritte Teil brachte zwei lebende Bilder: „Zurück!", eine Szene vom Einwanderungsamt in Newyork, und „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen", die Begrüßung einwandernder Juden in Jaffa, dem Hafen Palästinas, wobei das Nationallied, das „Hatikwah", von der Versammlung gesungen wurde. Österreich Wien. Verein jüdischer Hochschüler aus Rumänien „Erez Israel". Chargenwahlen für das laufende Wintersemester: Präses: cand. phil. K. Wolfshaut; Vizepräses: cand. med. L. Goldhamer; Schriftführer: cand. med. K. Grünberg; Kassier: cand. med. Alex. Salomon. Troppau. Zionistischer Verein „Jeschurun". Die diesjährige Makkabäerfeier fand am 16. Dezember statt und erfreute sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches. Die Festrede hielt Gz. Herr Dr. Julius Reach aus Gaya, dzt. Obmann des rnähr.:schles. Distrikskomitee. Die studierende Jugend brachte einen Chor nationalen Inhaltes zum Vortrag, dessen Musik von einem Studenten aus ihrer Mitte komponiert wurde. Deklamatorische und Gesangsvorträge fanden viel Beifall und eine Palästina-Weinkosthalle vervollständigte das Ensemble in der würdigsten Weise. Verein zur Förderung jüdischer Kunst Berlin, 11. Dezember. Verein zur Förderung Jüdischer Kunst, Mit seinem ersten Vortragsabend „Das Jüdische Volkslied" hat sich gestern der neu entstandene „V. z. F. Jüd. Kunst" vorzüglich eingeführt. Der große Saal der „Gesellschaft der Freunde" war mit jüdischem Publikum gefüllt, das dem Berliner Westen angehört und wohl zum erstenmal die Klänge jüdischer Volksmusik und die ergreifenden Worte des jüdischen Volksdichters vernahm. Die Wirkung der Vorträge, die unter der künstlerischen Leitung des bekannten Komponisten Bogumil Zepler von Vera Goldberg, Bella Zlotnicka, Stefanie Schwarz, Michael Magidsohn, Max Modern, James Rothstein ausgeführt wurden, war eine ersichtliche und tiefe. Zweifellos ist durch die Gründung des neuen Vereins ein bedeutender Schritt auf dem Wege der Organisierung der jüdischen Kulturbestrebungen und der Wiedergewinnung unserer dem Judentum entfremdeten Stammesgenossen durch indirekte, künstlerische Propaganda erfolgt. Ein Versuch der „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", die neue Schöpfung als „gefährlich" hinzustellen, schlug durch die in der darauffolgenden Nummer veröffentlichten Stimmen aus dem Publikum in eine glänzende Rechtfertigung des jüdischen Kunstvereins um. Letzterer hat übrigens dank dem vollen Erfolge der ersten Veranstaltung mit einem Schlage eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern gewonnen. Personalien Wien. (Verlobung.) Herr Remy Friedmann, Sohn des bekannten Gelehrten Lektor M. Friedmann, hat sich mit Fräulein Elsa Engel verlobt. Zahlreiche Einsendungen, insbesondere Berichte über Makkabäerfeiern und Schekeltags-Veranstaltungen mußten für die nächste Nummer zurückgelegt werden.

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