Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. KÖLN, 30. November 1906 pnir6 r6nn"« )büD ".V No. 48, DAS PALÄSTINA-INDUSTRIESYNDIKAT An anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichen wir den Prospekt des von einem Komitee unter Vorsitz des Prof. O. Warburg geplanten Palästina-Iildustriesyndikates. Der Prospekt bezeichnet klar die Aufgaben des Syndikats und deutet in knappen Worten, ohne sich Iii großsprecherische Verheißungen einzulassen, die iinanziellen Aussichten des Unternehmens an. Soweit spricht der Prospekt selbst für sich. Von unserem zionistischen Standpunkte aus aber möchten wir noch einige Worte anschließen. Man mag über das Maß der Mittel, das die zionistische Organisation zur Stärkung der jüdisch-wirtschaftlichen und politischen Position in Palästina aufwenden will, streiten, auch verschiedener Meinung sein über die Art der Unternehmungen, und darüber, ob sie sich gegebenenfalls mit dem Sinn und Wortlaut unseres Programms vereinbaren lassen. In einem Punkte jedoch ireffen sich die Ansichten der überwältigenden Mehrheit unserer Gesinnungsgenossen: in der Anerkennung der Tatsache, daß es für die Entwicklung und die Stärke unserer Bewegung von außerordentlichem Werte ist, wenn sich die jüdische Privatinitiative in Palästina betätigt, wenn — ohne Risiko für den moralischen und materiellen Besitzstand unserer Organisation — die jüdische Einflußsphäre in dem von uns angestrebten Lande sich erweitert. Um so höher müssen wir die Bedeutung solcher privatenTätigkeiten anschlagen, je weniger unsere Organisation selbst angesichts ihrer bescheidenen Mittel in der Lage ist, in größerem Stile an der Aufschließung und Nutzbarmachung palästinensischen Bodens mitzuwirken und je mehr wir darauf Wert legen, bei unseren eigenen Fonds Reserven für zukünftige Zwecke in Disposition zu halten. Das Palästina-Industriesyndikat stützt sich offenbar auf diese Erwägungen. Es will der zionistischen Sache nützen, ohne die Organisation zu belasten. Es will den vermögenden Palästinafreiinden, die es ganz gut verstehen, daß unsere Finanzinstitute in ihren Möglichkeiten satzungsgemäß oder materiell beschränkt sind, die Chance bieten, eine Pflicht zu erfüllen — auf privates Risiko, aber auch mit der Aussicht privaten, reingeschäftlichen Nutzens. So stellt das Syndikat eine Institution dar, die systematisch alle kapitalskräftigen jüdischen Elemente zum Zwecke der wirtschaftlichen Hebung des Landes zusammenschließen und eine Konzentration jüdischen Kapitals in Palästina herbeiführen will. Welchen Wert ein solches Syndikat für uns haben wird, das wird man statt aus längeren Ausführungen vielleicht schneller und besser aus nachstehender Meldung der „Breslauer Zeitung" über das neubegründete „Deutsche Bergbausyndikat für den Orient" entnehmen: „Deutsches Bergbau-Syndikat für den Orient." Als eine nicht sowohl durch die Höhe des Kapitals als durch die Bedeutung hoher wirtschaftlicher Hinsicht und durch die Beziehungen der beteiligten Firmen bedeutsame Gründung stellt sich die soeben in Berlin erfolgte Konstituierung eines deutschen Bergbau- Syndikats für den Orient dar. Bs zeigt die Richtung an, in der sich der Unternehmungsgeist unserer Bankinstitute und Schiffahrtsfinnen zu betätigen beflissen ist, wenn es .auch heute nicht mehr überraschen darf, daß der Orient als gewichtiges Zukunftsland von seriösen, im Verkehr mit dem Auslande erfahrenen Firmen angesehen wird. Auch abgesehen von den Bahnbauten der Deutschen Bank in Anatolien, die in der Bagdadbahn ihre Fortsetzung finden, hat unsere größte und leistungsfähigste Schiffahrtsgesellschaft das Netz ihrer regelmäßigen Dampferlinien bis nach dem persischen Golf ausgespannt, und auf dem ganzen Wege dorthin durch das Mittelländische Meer, den Suezkanal und das Rote Meer finden wir die deutlichen Spuren des deutschen Kaufmanns. Vor allem aber hat die deutsche Bankwelt auf der Balkan-Halbinsel, in der Türkei, in Ägypten und Kleinasien festen Fuß gefaßt, und zahlreiche Erkundungsreisen haben erwiesen, wie weite Gebiete der Levante wie des gesamten Orients noch der Unternehmungslust unserer Kaufleute und Industriellen ein dankbares Feld eröffnen. Auch für den Bergbau fehlt es in den meisten Ländern des Orients nicht an Vorarbeiten und Versuchen, und gerade die Aussichten, die sich einer planmäßigen, die höchsten Errungenschaften der Technik berücksichtigenden Arbeit unserer Ingenieure dort eröffnen, haben die Idee reifen lassen, einige unserer leistungsfähigsten Montanfirmen zusammen mit prädestinierten Banken und einer um Levante-Handel und -Verkehr besonders verdienten und in der gesamten Levante über eine bewährte Organisation verfügenden Reederei für die Betätigung eines 1*