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Die Welt · 1906-11-16 · 46 (16.11.1906) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEÄELT // lP^r ■ KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23\^ERSCH EINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. KÖLN, 16. November 1906' \2l)rb r6nn"tf }Wn "rD No. 46. UNSER NEUES SCHIBBOLETH pv ie Sturmflut — im Tintenfaß — braust heran. Die | ) pilpulistische Qrübelsucht, nörgelndes Mißtrauen und Koteriegeist bemühen sich, Mißverständnisse v\ Meinungsverschiedenheiten und etwaige tatsächlich existierende und in ihrer Existenz berechtigte Nuancen zh trennenden Abgründen aufzubauschen. Überblicken v ir einmal unter allgemeinem zionistischem Gesichts-; nkt diese Differenzen. In Palästina und für Palästina beginnt eine Sturmi: ü Drangperiode. Man will Praktisches schaffen, und in ii glaubt, ein willkommenes Feld zu ausgestaltender Hc ätigung zu finden. Das rote Blut des wirklichen i.ci ens soll in der Idee pulsieren. Man soll vom M1 intasietraum erwachen und eine Arbeit beginnen, die < : ieht und fesselt und erhebt. Den nationalen Besitzend soll man ausdehnen, so viel als möglich Boden werben und auf jeden Fall Fuß fassen, denn sonst -ird der Boden in fremde Hände fallen. In einer Zeit .s nervösen Hastens und Treibens soll man sich nicht ut Pläneschmieden begnügen. Abstrakte politische Spekulation ist fruchtlos; im Verhältnis zu dem mächigen Anlauf, der genommen war, wurde das Genügende ücht erreicht. Wir schmachten nach Taten: das Land ■ oll sofort von Juden bebaut, womöglich auch be- :hornsteint werden. Die von wunderbarem Zauber mwobenen Kolonien werden auf uns überstrahlen.; >rt flutet Leben, und bei diesem Ausblick schlägt -s Herz höher. So sagen die sogenannten Praktischen. Die sogenannten Politischen hingegen erwidern: Die Kolonien sind an sich unausgetragene Kinder. Zu vollem Eigenleben losgelöst, würden sie einem jähen Ende entgegenrennen. Beweis: Das frühere Stadium. Der Zionismus ist keine Arbeit von heute auf morgen. Er entspringt dem Fühlen des Volkes, seiner Sehnsucht und seinen Idealen. Das Durchdrungensein vom politischen Zweckbewußtsein und die Befolgung politischer ^Methoden sind die entscheidenden Momente, die uns zum höchsten Schaffen befähigen können. Der Zionismus schwingt die große Fackel der jüdischen Zukunft nicht, um sofort einige Dörfer zu bauen, die als künstliche oder philanthropische Experimente ohne ihn notwendigerweise dahinsiechen müssen, sondern um im geeigneten Zeitpunkt ein Staatswesen zu schaffen und bis dahin das ganze Judentum in epochemachender Weise zu beeinflussen. Er darf daher nicht alle seine Mittel in einer vielfältigen Zersplitterung aufgehen lassen. Die Rücksichtnahme auf die politischen Chancen muß ausschlaggebend sein. Der Zweck besteht nicht -darin, einige Tausend Familien anzusiedeln, sondern ein sicheres Gemeinwesen zu bilden, welches ein klarer Spiegel unserer Volkspersönlichkeit sein und den jüdischen Genius aufblühen lassen soll. Nur dieser Gedanke ist das einigende Band, welches uns umspannen und unserer Bewegung Farbe und Leben geben kann. Daß diese Nuancen existieren, darin liegt keine Gefahr. Die Gefahr lauert nur von Seiten der absurden Übertreibungen und einer Neigung zu einem zwecklosen Guerillakrieg. Seicht und schablonenhaft ist diese neue Art konfessioneller Dogmatik, denn tatsächlich ist es unmöglich, das ewig flutende Leben in ein Dogma zu fassen. Die Idee ist ewig, aber die Praxis muß einem beständigen Wechsel unterworfen werden. Man soll nicht in starrer Gebundenheit und verknöchertem Eigensinn nach diesem oder jenem Schema urteilen und nach dem Takt dieses oder jenes Phrasen-Trommelschlägers tanzen. Bilden wir um Gotteswillen nicht kompakt zusammenhaltende Wortgläubigenmassen, die einerseits auf Kleinkolonisation und andererseits auf Politik schwören oder schimpfen werden. Behalten wir einen klaren Blick für jedes Projekt. Sofortige Arbeit hat eine tiefe Berechtigung, wenn nur in der rechten Weise vorgegangen wird. Kein Praktiker wird leugnen, daß die Unternehmungen lange und gründliche Vorstudien erfordern, daß jede Überstürzung einen Fehler bedeuten würde, der dem Prestige unserer Bewegung einen unberechenbaren Schaden zufügen könnte. Sobald man erst einmal erkannt hat, was man eigentlich will, und was man kann, wird es nicht unmöglich sein, dies oder jenes zu schaffen. Aber freilich, man darf nicht zu viel verlangen und nicht zu viel erwarten. Die sofortige Arbeit hat ihre praktisch bedingte und begrenzte Berechtigung. Und die Hauptsache ist und bleibt der politische Zionismus: die große Sehnsucht nach der Vereinigung, die Idee, welche Juden verschiedener Parl*

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