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Die Welt · 1906-11-09 · 45 (9.11.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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den Tribut unserer Anerkennung und Verehrung schon vor Jahren 1 in der „Welt" gezollt. Der hohen Wertschätzung, die in diesen Tagen die ganze musikalische Welt Ignaz Brüll, dem Komponisten; der Opern „Das goldene Kreuz", „Das steinerne Herz", „Der Land-2 friede" und anderer Werke voll feinsinniger Musik entgegenbringt,, wollen wir Zionisten uns dankbar anschließen. In allen zionistischen m^m& ' ■ < - V; y -.'.r*? tßm# Kreisen kennt man die prächtige Vertonung, die Ignaz Brüll dem „Psalm" von Leo Rafaels hat angedeihen lassen. Noch eine ganze Reihe anderer jüdischer Lieder hat Ignaz Brüll seither in klassischvornehmer Form in Musik gesetzt. Aber nicht nur im Lied, sondern auch in der Tat hat er uns vielfache Beweise seiner Liebe für das Judentum und seiner Treue zum Zionismus gegeben. Im Namen ungezählter Zionisten bringen wir gerne dem Meister unseren herzlichsten Glückwunsch zum Ausdruck! NACHRICHTEN Aus der Emigrationsbewegung Mit dem Schiffe „Grigori Merk", das zum erstenmal nach New-York fährt, reisen viele Emigranten aus Rußland. Bis jetzt wurden 1020 Schiffskarten an russische Juden verkauft. Hilfsaktion Der Pariser Baron Rothschild sandte einen Bevollmächtigten in die nordwestlichen Gouvernements Rußlands, der die Lage der Juden an Ort und Stelle studieren soll. Pogromchronik Kischinew. Infolge der sich immer stärker entwickelnden hooliganschen Provokation herrscht unter der jüdischen Bevölkerung großer Schrecken. In den letzten Tagen wird eine starke Pogromagitation in den Kasernen der Garnison geführt. Es werden in unzähligen Mengen Pogromproklamationen verbreitet, welche die Unterschrift des Verbandes des russischen Volkes tragen. Rietschitza (Gouv. Witebsk.) Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht große Panik, weil der Kommandant der Strafexpedition gedroht hat, eine „Geschichte" nach dem Muster von Siedice zu veranstalten, wenn man ihm binnen einigen Tagen die unbekannten jungen Leute nicht ausliefern werde, die auf die Altgläubigen einen Überfall verübt haben sollten. In der Stadt Turinsk (Gouv. Tobolsk) wurde der frühere Isprawnik undTeilnehmeram Pogrom in Hornel Tscheschko boykottiert. \ Kein einziger Hauseigentümer wollte ihm eine Wohnung vermieten, \ weil alle Drohbriefe erhalten haben, daß man das Haus anzünden - werde, wo Tscheschko wohnen wird. Eine Konferenz der jüdischen Lehrer soll in der nächsten Zeit in Wilna stattfinden. Das Programm der Konferenz ist folgendes: 1. Lokalberichte. 2. Die Plattform des Lehrervereines. 3. Die Vereinsstatuten und der Organisationsplan. 4. Die Legalisierung des Vereines. 5. Das Verhältnis des Vereines zu den Lehrergesellschaften für gegenseitige Hilfe. 6. Die Vereinigung des Vereines mit anderen ähnlichen Institutionen. 7. Die Rayonsorganisationen des Vereines. 8. Die Taktik des Vereines. 9. Das Ehrengericht. 10. Die Herausgabe einer Zeitung. 11. Die Sprache in den jüdischen Schulen. 12. Die Lehrbücher. 13. Die religiösen Fragen. 14. Normalschulen für jüdische Mädchen und Knaben. 15. Die Mittelschulen. 16. Die materiellen Grundlagen. 17. Die Schilladministration. 18. Das Verhältnis des Vereines zu der Bildungsgesellschaft. 19. Das Verhältnis des Vereines zn den Gemeinden. 20. Die soziale Tätigkeit der Lehrer. 21. Bildung außerhalb der Schule. 22. Bildung der Lehrer. Der Zar über .die Judenfrage Aus Petersburg berichtet der Vertreter der „Russischen Korrespondenz": Von vertrauenswerter Seite erfahre ich, daß der Zar auf den Vortrag Kokowzews, betreffend die Judenfrage und Vorlage des inzwischen bekannt gewordenen Gesetzentwurfes über diese Materie, die folgende Äußerung tat: „Die Behandlung der Judenfrage sei noch nicht zeitgemäß, man müsse damit noch warten." Auf diese Äußerung hin scheint jede Aktion in Bezug auf diese Frage wieder ins Stocken geraten zu sein. Der Verein des 17. Oktober und die Juden. Wie bekannt, bildet die Gleichberechtigung der Juden einen Punkt des Programms des Vereins des 17. Oktober. Wie sehr die „Oktabristen" dieser Idee treu bleiben, zeigen deutlich die Auslassungen des Parteimitglieds S. Glinka, welcher in der bekannten reaktionären Zeitung „Rußkaja Zemlja" die Versicherung gibt, dal«- der Verein in Hinsicht auf die Lösung dieser Frage „nichts Ge fährliches" unternehmen wird. Wenn man die jüdische Gleichberechtigung in das Programm aufgenommen hat, so geschah das nur „aus taktischen Gründen". Auf diese Weise wollte der Verein die Intelligenz auf seine Seite ziehen. Herr Glinka erklärt, daß es unter den Mitgliedern des Vereines viele gibt, welche entschiedene Gegner der jüdischen Gleichberechtigung sind. Dieselbe Strömung herrscht auch unter den Führern der Partei. Da Herr Glinka die Gewinnung der Intelligenz nicht als genügendes Motiv erachtet, so findet er andere „mildernde Umstände". „Man muß darauf Rücksicht nehmen, daß Kaufleute und Industrielle gegen die Gleichberechtigung der Juden nicht auftreten können. . . . Eine Partei, welche auf die Teilnahme seitens der Handels- und Industriekreise rechnet, muß in ihrem Verhältnis zur Judenfrage sehr vorsichtig sein." Die russischen Juden aber müßten schon sehr töricht sein, um solchen „Freunden" auf den Leim zu gehen. Briefkasten der Redaktion H. S., Breslau. Es ist uns nicht bekannt, wo sich die beiden Herren jetzt aufhalten. - W. Z. Es ist der „Jüdischen Correspondenz" offenbar nur aus Versehen passiert, daß sie bei der Wiedergabe der Ansprache des Staatssekretärs Root an die argentinischen Zionisten gerade die Stelle ausläßt, wo Herr Root seiner Überzeugung Ausdruck gibt, daß die letzte Hilfe für die jüdische Nation nur darin bestehen kann, daß „es ihr gelingt, ihre alte Heimat Palästina wieder zu erlangen". Sie haben aus diesem einen Fall noch kein Recht zu schließen, daß die „Jüdische Correspondenz" direkt antipalästinensisch geleitet wird. Mitteilung. Unser Gg. Rabbiner Josef Sapher in Pakrac (Slavonien) wurde einstimmig zum Rabbiner in Innsbruck gewählt.

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