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Die Welt · 1906-11-02 · 44 (2.11.1906) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Als Bauwerk ist sie ein kostbares Exemplar der arabischen oder, richtiger gesagt, der andalusisch-maurischen Architektur, der dritten und blühendsten Epoche des sarazenischen Kunststils. Sie ist aus Ziegelsteinen erbaut, die einen festen Stucküberzug zeigen, dessen Verzierungen mit zu den reichsten, elegantesten und originellsten ihrer Art gehören. Leider wurden sie bei der Umwandlung in ein christliches Gotteshaus arg mitgenommen und beschädigt. 'Ein Altarblatt bedeckte die Nische, worin der Rabbiner saß und die Gesetzestafeln erklärte, und hinter häßlichen Heiligen und allerhand Tand verschwanden die delikaten Arabesken, die wie ein feines Spitzengewebe Verse der Psalmen und hebräisshe Inschriften umschlangen. Mehrere offene Bogen dienen dem Tempel als Fenster, und an den Wänden zieht sich ein breiter Fries von feinster maurischer Arbeit hin. Auch die Kapitäle der Säulen sind sehr bemerkenswert. Dieser ganze künstlerische Reichtum verfiel unter der Herrschaft habsüchtiger Kirchenfürsten, obwohl gerade die Toledaner Diözese über große Kapitalien verfügt. Angesichts der unaufhörlichen Klagerufe von Künstlern und Kunstfreunden fand sich denn endlich einmal eine Regierung, die die Aljama auf Rechnung des Staates übernahm und sie zum Nationalmonument erhob. Diese Erklärung hätte dem Staat logisch erweise die Pflicht auferlegen müssen, sie zu restaurieren und sie vor dem Einsturz zu bewahren. Ein Anfang wurde auch gemacht; dann geriet aber alles wieder ins Stocken, und keiner der vielen Unterrichtsminister, die mit so schönen und großen Worten ihre Reden im Parlament auszuschmücken wissen, hat durch die Tat bewiesen, daß er für dieses nationale Schmuckkästchen wirklich etwas übrig hat; keiner hat energisch eingegriffen, um es endlich instand zu setzen. Und schon lauert die Kirche auf diesen Augenblick, um das Gebäude dann wieder für sich zu beanspruchen und es -— wie zurzeit die Kathedjale — als Sehenswürdigst finanziell auszubeuten! Und dabei werden Kommissionen eingesetzt, um den Touristenverkehr in Spanien zu heben! Der Stand der jüdischen Bevölkerung in Bayern vom 1. Dezember 1905. Auf eine Seelenzahl von 6,524,372 bei der letzten Volkszählung trafen auf die Juden in Bayern 55,341, also noch nicht ein Zehntel der Gesamtbevölkerung. Im verflossenen Jahrhundert war die Zahl der. Juden schon zweimal größer; nämlich anno 1840 zählte man in Bayern 59,376 und anno 1852 noch 56,158 Juden. Nach der Geburtenziffer würde die Zahl der Juden in Bayern sich vermindern, wenn nicht München alljährlich einen so außerordentlichen Zuzug von Juden aus dem Osten aufzuweisen hätte. Auf 1000 Christen kommen 38 Geburten, auf 1000 Juden nur 18. Das Groß der jüdischen Bevölkerung konzentriert sich auf Oberbayern und Mittelfranken; am weitaus wenigsten hat Niederbayern. Nach den unmittelbaren Städten verteilt, leben in Oberbayern 10,279 (davon in München allein 10,056), Niederbavern 219, Pfalz 4849, Oberpfalz 767, Oberfrankeu 1819, Mittelfranken 10,548, Unterfranken 4091, Schwaben und Neuburg 1973 Juden. In kleineren Orten leben insgesamt 20,751. Nach Prozenten verteilt nimmt Kitzingen die erste Stelle ein mit 5,2 Prozent jüdischer Bevölkerung; München steht an 14. Stelle mit 1,9 Prozent. Meyers Großes Konversations°Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Illustiationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bande in Halbleder gebunden zu je 10 Mark oder in Prachtband zu je 3 2 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Der 12. Band (L-Lyra) bringt aus allen Gebieten eine solche Wissensfülle, daß die Wahl schwer wird, das Beste herauszugreifen. Allgemeines Interesse haben die Artikel „Lebensversicherung" mit einer übersichtlichen „Statistik der Lebensversicherungsgesellschaften", „Lehrling und Lehrlingswesen", „Lotterie", „Landkarten", „Lithographie", letztere beiden mit trefflichen" bunten Tafeln. Aus dem Reiche der Naturwissenschaften erwähnen wir eine Reihe wichtiger Artikel über „Licht" und „Luft"; über „Luftdruck" und „Lufttemperatur" werden wir durch instruktive Karten aufgeklärt. Der Artikel „Luftschiffahrt" zeigt uns die Entwickelung dieses Verkehrsmittels der Zukunft von den ersten Anfängen an bis zu Zeppelins und Santos Dumonts Luftschiffen in Wort und Bild. Von den zahlreichen Beiträgen aus dem Gebiete der Medizin und Hygiene heben wir die ausführlichen Artikel „Lichttherapie" und „Umgenschwindsucht" hervor. Das letzterm beigegebene Verzeichnis: „Deutsche Heilstätten für Lungenkranke im Frühjahr 1905" (einschließlich der Heilstätten für skrofulöse Kinder) besitzt eminent praktischen Wert, da bei den einzelnen Kuranstalten sogar die Tageskosten beigefügt sind. Von den großen Städte-Artikeln seien die über Leipzig mit trefflichen Tafeln hervorragender Bauten, London und Lübeck (mit gründlich erneuerten Plänen) genannt. Daß auf dem beigegebenen Stadtplan von Leipzig schon der projektierte Hauptbahnhof (der ja der größte Deutschlands werden soll) eingezeichnet ist, sei nur nebenbei erwähnt. Einen breiten Raum nimmt in diesem I3ande die „Landwirtschaft" mit einer Reihe einschlägiger Artikel < Landwirtschaftliche Betriebsformen, Betriebssysteme, Maschinen, Wirtschaftserträge etc.) ein, während die agrar-politischen Bestrebungen der Vergangenheit und der Gegenwart iin Artikel „Landwirtschaftspolitik" eingehend beleuchtet werden. Daß die technologischen Artikel-(Lampen, elektrische Läutwerke. Leuchtgasbereitung, Lokomobile, Lokomotive etc.) auch in diesem Bande wieder mit Vorliebe behandelt und man möchte sagen: verschwenderisch, illustriert sind, braucht beim Großen Meyer eigentlich nicht mehr betont zu werden. Eine gewiß hochwillkommene Überraschung für viele bringen die dem Artikel „Literatur" beigehefteten vier Porträttafeln „Klassiker der Weltliteratur", auf denen man nach authentischen Vorlagen die Bildnisse der fremdländischen Ritter vom Geist versammelt findet — von Dante, Petrarca, Shakespeare etc. bis zu unsern berühmten Zeitgenossen Ibsen, Tolstoi, d'Annunzio, Rudyard Kipling u. a. Alles in allem: dieser 12. Band mit seinen 34 schwarzen und 4 Farbentafeln, sowie 14 Karten und Plänen reiht sich seinen Vorgängern würdig an. Vivat sequens! Die Gesamtsumme der Spenden in dieser Nummer beträgt Mark 2853.10. Vom Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds, Wien Für Österreich-Ungarn, Bosnien sind in Wien gegenwärtig wieder eine größere Anzahl Nationalfondsbüchsen, worunter auch einige große, für öffentliche Lokale geeignet, vorrätig. Die Distrikte wollen gefl. ihre Anforderungen stellen und die Adressen bekannt geben,wohin die Sendungen auszuführen sind. Hierbei wird vermerkt, daß sich die billigste und sicherste Expedition mittels 5 kg- Pakete — 15 Büchsen enthaltend — besonders anempfiehlt. Wegen des christlichen Feiertages am Donnerstag mußte diese Nummer verspätet erscheinen. 11s RUTH und andere Gedichte von SIEGMUND WERNER Elegant broschiert M. 1.50 In steifem, elegantem Ein- - band M. 2.25 - Zu beziehen durch die Expedition Köln, Ubierring 23 Für den Buchhandel erhältl. bei Otto Klemm, Leipzig. 11m FÜR DIE AGITATION Separatabdrücke folgender Referate: Bericht des Aktionskomitees ■ Bericht der Palästinakommission ■ Geschäftsbericht der jüdischen Kolonialbank ■ Bericht über den jüdischen Nationalfonds ■ Bericht der Propagandakommission * Bericht der statistisch-volkswirtschaftlichen Kommission erstattet auf der letzten Jahreskonferenz, pro Stück 5 Pfg. (exklu sive Porto) solange vorrätig zu beziehen durch die Expedition der „Welt", Köln a. Rh., Ubierring 23.

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