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Die Welt · 1906-10-26 · 43 (26.10.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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mehr als 150 Personen waren anwesend — nahm die klaren und sehr instruktiven Ausführungen des Redners mit lebhaftem Beifall entgegen. Die Diskussion war sehr lebhaft und interessant. Herr Coralnik sprach im Anschlüsse an die seitens des Referenten erfolgte Verurteilung des bekannten Mühsamschen Antrages über die theoretische Bedeutung der dabei in Betracht kommenden Fragen und plaidierte dafür, daß die deutschen Zionisten die Grundsätze nationaler Betätigung, die sie anderswo anerkennen, auch in Deutschland zur Geltung kommen lassen müßten. Herr Berger erörterte die Frage der innerpolitischen Stellungnahme der deutschen Zionisten vom praktischen Standpunkte aus. Dann sprach mit großer Wirkung Herr Sokolow, der davon ausging, daß der Golus nun einmal die volle Betätigung als Jude unmöglich mache, daß der Jude der Diaspora gezwungen sei, auf manche Rechte zu verzichten. Aus diesem Gesichtspunkte heraus resultiere ja der Zionismus. Die ganze Veranstaltung war ein schöner Erfolg für die Ortsgruppe. Mehrere Mitglieder wurden gewonnen und für den Nationalfonds wurde eine beträchtliche Summe gesammelt. Frankfurt a. M. Frankfurter Zionistische Vereinigung. In der heutigen Generalversammlung wurde der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe folgendermaßen zusammengesetzt: I. Vors. Fritz Sondheimer, IL Vors. Dr. med. Jakob Feuchtwanger, zugleich Kasse. Mitglieder: J. L. Goitein, Josef Hackenbroch, Dr. med. Hanauer, Dr. med. Josef Mayer, Lehrer Baruch Stern, zugl. Schriftführer. Schriftstücke für die hiesige Ortsgruppe erbitten wir unter der Adresse: B. Stern, Röderbergweg 33 p. Königsberg. Am 13. Oktober fand im Hotel Mane die Generalversammlung der Königsberger Zionistischen Vereinigung statt. Da Dr. Hoppe leider eine Wiederwahl ablehnte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Der Vorstand besteht jetzt aus den Herren: Dr. Jakobi (Vorsitzender), M. Wolffsohn, cand. jur. Blumenfeld, Dr. Pinczower und A4. Sambursky. Laut Kassenbericht wurden in 9 Monaten für den Nationalfonds gesammnlt Mk. 1662.32. Argentinien Die Einigungsbestrebungen unter den hiesigen Zionisten nehmen einen erfreulichen Fortgang. Auf Grund eines Zirkularschreibens des Aktionskomitees an die sämtlichen zionistischen Vereine und Vertrauensmänner Argentiniens fanden in den letzten Wochen mehrfache Konferenzen der verschiedenen Korporationen statt. Als Ergebnis der Besprechungen ist die Einberufung des III. Argentinischen Zionistenkongresses zu betrachten, der am 4., 5. und 6. November in Buenos-Aires stattfinden wird. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Organisation und Statuten der Federation; mündliche und schriftliche Propaganda; Bank- und Nationalfonds; Imigration und Naturalisation; "Erziehung und Unterricht. Amerika Allerorten trifft man Vorbereitungen, um die zionistische Tätigkeit gleich nach den Feiertagen rege aufnehmen zu können. Das kommende Jahr verspricht, wenn nicht alle Anzeichen trügen, äußerst erfolgreich für die zionistische Bewegung in Amerika zu werden. Der größte Nachdruck wird natürlich auf die Palästinaarbeit gelegt werden, die uns als das beste Mittel erscheint, den Zionismus auch solchen Kreisen zugänglich zu machen, die für die radikal-nationale Bewegung sonst schwerer erreichbar waren. Die Gründung des Palästinasyndikats und die des Palästinavereins wird auch die Diskussionen in den Vereinen auf das beste beleben. Die Arbeit für den Nationalfonds ist während des Sommers gut vorangeschritten. In den Synagogen wurden an vielen Orten die Plätze zugunsten des Nationalfonds versteigert. Auch am Jörn Kippur wurde allerorten rege gesammelt. Während Tischo b'Ab wurde allein in Philadelphia die Summe von 150 Dollars gesammelt. Die Jahresversammlung der Philadelphiazionisten nahm einen guten Verlauf. Es wurde beschlossen, ein Jahrbuch der Vereinigung herauszugeben, dessen Redaktion Herr Dr. A. Bernheim übernommen hat. Die Maccabaeans haben beschlossen, Chanukkah ein großes Konzert mit Ball zu veranstalten. Bei dieser Veranstaltung soll eine Festzeitung erscheinen, die sich insbesondere mit der Palästinaarbeit beschäftigen soll. Das Literaturkomitee der Maccabaeans hat bestimmt, daß in jedem Monate ein Diskussionsabend, ein Abend für geschichtliche Studien und eine der aligemeinen zionistischen Tätigkeit gewidmete Veranstaltung stattfinden soll. Der Shareklub in Baltimore macht gute Fortschritte. St. Louis: Der erste Abend in der Serie der literarischen Veranstaltungen, die im Laufe dieses Winters von der „Vereinigung zionistischer Mädchen und Jünglinge" veranstaltet werden soll, fand am Dienstag den 18. September in der Sharris Sphard Synagogue statt. Das Erziehungskomitee, dem die Leitung dieser Abende untersteht, hatte folgendes Programm ausgearbeitet: Eröffnungsvortrag des Vorsitzenden: „Das Erziehungskomitee und seine Pläne"; M.Baron: „Die Errungenschaften des Zionismus"; M. Stiffleman: „Der jüdische Staat"; J.Bialock:„TheodorHerzl"; S. Weintraub: „Der jüdische Nationalfonds". Diese Abende sollen allmonatlich einmal stattfinden, der Zutritt ist für jedermann frei. Hervorragende Redner haben ihre Mitwirkung fest zugesagt. Man erwartet von derartigen wissenschaftlichen Veranstaltungen nicht nur eine Vertiefung der Kenntnis des Zionismus unter den Zionisten von St. Louis, sondern man rechnet auch mit der agitatorischen Bedeutung solcher Vorträge. Hier hat sich der erste amerikanische Verein zur Unterstützung des „Bezalel" gebildet. Dem Vereine gehören bereits mehr als hundert Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von insgesamt 400 Dollars an. Die russischen Zionisten in St. Louis haben sich zu einer eigenen Organisation „Hatikwah" zusammengeschlossen. Philadelphia: In einer am Sonntag den 7. Oktober stattgehabten Versammlung wurde hier die Gründung eines „Bezalelvereins" beschlossen. Sukkoth veranstalteten die hiesigen Zionisten ein großes Fest, dessen Reinerträgnis für den Nationalfonds bestimmt wurde. (G oooooooo NACHRICHTEN ooooooooo Der Gesetzentwurf zur Verbesserung der Lage der russischen Juden Die „Russ. Korr." stellt uns das vorläufige Ergebnis der Beratungen zur Verfügung, die zwischen dem Finanzminister Kokowzew und dem Premierminister Stolypin über eine Neuregelung der gesetzlichen Bestimmungen über die Lage der Juden in Rußland stattgefunden haben. Die Erörterungen führten zu einem Gesetzentwurf, der seinem Inhalt nach als definitiv noch nicht betrachtet werden kann, und der daher auch in-zwei Variationen vorliegt. Der erste Entwurf. Der Inhalt des Gesetzentwurfes lautet nach der einen Fassung wie folgt: Da wir es als gerecht erachten, bis zur allgemeinen Revision der Judengesetzgebung die sie bestimmenden Verordnungen einigen Änderungen zu unterwerfen, so befahlen wir, um die Lage der jüdischen Reichsbevölkerung zu verbessern, folgende Regeln festzusetzen: 1. Alle Juden, die russische Untertanen sind, haben das Recht, sich dauernd und ausnahmslos in allen städtischen Ansiedelungen und ländlichen Ortschaften der Gouvernements Bessarabien, Wilna, Witebsk, Wolhynien, Grodno, Jekaterinoslaw, Kiew, Kowno, Minsk, Mohilew, Podolsk, Taurien, Cherson, Tschernigow ebenso wie in denen des Polenreiches aufzuhalten. 2. Diejenigen Juden, die den jetzt funktionierenden Gesetzen gemäß das Recht des festen Domizils, des temporären Verbleibens oder der zeitweiligen Ankunft in allen oder einzelnen außerhalb des Aufenthaltsrayons gelegenen Ortschaften genießen, werden von heute an unter Vorbehalt der Beobachtung der dafür fixierten Bedingungen, die entsprechenden Rechte in der ganzen Ausdehnung des Reiches, das Gouvernement Kurland, die Stadt Riga und die Vorstadt Schlock im Gouvernement Moskau, die Gebiete desDonschen Kösakenheeres von Tersk und Kuban, das Gouvernement Starwopol, den Transkaukasienbezirk, Sibirien und die Steppen und die Turkestanschen Generalgouvernements nicht ausgenommen, in den städtischen Ansiedelungen ebensogut wie in den ländlichen Ortschaften genießen. Anmerkung: Diejenigen Juden, welche bis zur Veröffentlichung dieser Regeln den Kaufleuten I. Gilde in der Stadt Kiew beigezählt waren, können das Recht, überall im Reich konstant sich aufzuhalten, nur dann genießen, wenn sie ganze 15 Jahre der Kaufmannschaft I. Gilde angehört haben (von diesen 15 Jahren mindestens 10 Jahre in der Stadt Kiew).

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