Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 39 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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und in Palästina ein Ausstellungskomitee gebildet werden, das mit den Ausstellern in Verbindung treten soll, um den Federationen die nötigen Informationen erteilen zu können. Die Ausstellungen werden ein vorzügliches Agitationsmittel für die Darlegung der Notwendigkeit praktischer Tätigkeit in Palästina bilden, das Interesse der dem politischen Zionismus Fernstehenden wachrufen und die Möglichkeit eines Zusammenarbeitens in praktischer Richtung anbahnen. 2. Die Zentralleitung möge eine Agitationsschrift herausgeben, in welcher sämtliche wichtigen, politisch-zionistischen Ereignisse im Laufe der letzten 10 Jahre kurz skizziert werden sollen. Die Schrift soll außerdem Artikel enthalten über die Zukunft Palästinas (in ökonomisch-kultureller und politischer Hinsicht), Auszüge aus zionistischen Schriften, die für die Propaganda dienen können (ebenso auch ev. Auszüge aus Herzls Tagebuch), Bilder allgemein jüdischen und insbesondere zionistischen Inhaltes, ein zionistisches Vademecum für die Agitation; kurz die Schrift soll, indem sie in knappen Zügen ein Bild der bisherigen Tätigkeit entwirft, gleichzeitig als Agitationsschrift dienen können. Diese Broschüre müßte von den verschiedenen Federationen in die betreffenden Landessprachen übersetzt, zu einem äußerst billigen Preise verkauft, ev. gratis verteilt werden. Ich hoffe, daß diese Anregungen die Zustimmung der Leitung finden werden und bitte Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung zu genehmigen. Bezüglich der in Nr. 37 unseres Blattes veröffentlichten Zuschrift des Herrn Dr. jur. Bruno Tannenwald-Hamburg betreffend die Aktien des Jewish Colonial Trust schreibt uns der Sekretär der Bank wie folgt: „Es ist wohl richtig, daß Aktien, welche auf Namen der Mitglieder des Trust lauten, nur dann an andere Personen übertragen werden können, wenn gewisse vom englischen Gesetze vorgeschriebene Formalitäten erfüllt werden. Herr Dr. Tannenwald hat jedoch eine wichtige Tatsache übersehen, daß bei dem J. C. T. auch Inhaberaktien existieren und das Anteilsrecht auf dieselben ohne jegliche Formalitäten übertragen werden kann, indem das betreffende Inhaber-Certifikat von Hand zu Hand weitergegeben wird. Bisher hatten Besitzer von Inhaber-Aktien nicht das Recht, auf den Generalversammlungen des J. C. T. anwesend zu sein oder mitzustimmen. Bei der hier in Köln am 18. ds. Mts. abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung ist jedoch die bereits am 29. ds, Mts. auf der außerordentlichen Generalversammlug gefaßte Resolution bestätigt worden, daß unter anderen Abänderungen die Statuten der Bank dahin geändert sind, daß Besitzer von Inhaberaktien auf Generalversammlungen des J. C. T. anwesend sein und abstimmen können, Wie lange vor jeder Generalversammlung die betreffenden Inhaber-Zertifikate in dem eingetragenen Bureau des J. C. T. zu deponieren sind, wird von dem Direktorium festgesetzt werden. Die Abänderungen der Statuten (jedoch nicht des Memorandum) treten schon jetzt in Kraft. c ooooooooo sis? NACHRICHTEN oooooooo 3 RUSSISCHE CHRONIK Die Judenfrage in den Regierungskreisen. Im Ministerrate werden gegenwärtig verschiedene Projekte zur Lösung der wichtigsten Fragen ausgearbeitet, welche in der allernächsten Zeit speziellen Kommissionen übergeben werden. In den maßgebenden Regierungskreisen ist man der Meinung, daß die Kommissionen, welche sich im Jahre 1905 mit diesen Fragen beschäftigten, etwas zu weit in ihren Projekten gegangen sind und die Fragen zu umfassend behandelt haben. Den jetzigen Kommissionen werden gewisse Rahmen vorge- <eichnet, die sie nicht überschreiten dürfen. Die Vorsitzenden der Kommissionen werden die Hauptdirektiven aus dem Ministerium erhalten. Die Kommissionen werden ihre Tätigkeit im September beginnen. Am ersten Platze steht die Behandlung der Bauern- und der Judenfrage. Was die Judenfrage anbetrifft, wird sie in zwei Teile geteilt:!. die Beschränkungen für Juden, welche auf dem gesetzgebenden Wege eingeführt wurden; 2. Beschränkungen, welche nur als zeitweilige Maßregeln auf administrativem Wege bestimmt wurden. Was die Beschränkungen der zweiten Kategorie anlangt, so werden dieselben teilweise noch vor dem Einberufen der Duma abgeschafft werden. Die Beschränkungen der ersten Kategorie werden vorläufig inberührt bleiben, da das Ministerium die Stellung der Duma zur 'udenfrage kennen lernen will und ihr erst dann ein Gesetzesprojekt ur Lösung der Judenfrage vorlegen wird. Der Vorschlag des Ministers der Landwirtschaft Wassiltschikow, üe Juden für Ausländer zu erklären, wie es bereits in Rumänien geschah, wurde abgelehnt, obgleich er von gewissen offiziösen Zeitungen unterstützt wurde. Er vermochte nicht einmal die Sympathien der reaktionärsten Sphären und Pobiedonoszews für sich -u gewinnen. Dieses Projekt figuriert nicht einmal auf der Liste der Fragen, die jetzt behandelt werden sollen. Auf der letzten Sitzung des Ministerrates wurde nach der Mitteilung der „Rossija" das folgende, an den Premierminister gerichtete Telegramm vorgelesen: „Wir versammelten Vertreter der Kiewer monarchistischen und Rechtsordnungs-Parteien begrüßen und a^ulieren in Eurer Person das ganze Ministerkabinett zu dem wjgst veröffentlichten Regierungsprogramm. Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zur Durchführung des Programms beitragen. Wir erachten aber für nötig, die Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß sie bei der Ausarbeitung des Projektes wegen Gleichberechtigung der Juden sehr vorsichtig verfahren soll, denn eine zu weit gehende Reform würde, wie man es leicht voraussehen kann, der Regierung große Schwierigkeiten bereiten. Es wäre von besonderem Nutzen, wenn man die jüdische Jugend von der christlichen ganz isolieren könnte. Die Schulen sollen getrennt werden, weil nur auf diese Weise der schädliche Einfluß der Juden auf Christen aufhören könnte. Vorsitzende der Versammlung: Jusefowitsch, Zukow, Rekaschew, Zitwitsch. Zur Judenfrage in den russischen Universitäten Seit zwei langen Jahren gibt die Regierung feierliche Versprechen, daß eine definitive Lösung der Judenfrage in der allernächsten Zukunft bevorsteht. Seit zwei Jahren erklärt sie bei jeder Gelegenheit, 'daß die Frage der jüdischen Gleichberechtigung zu ihren größten Sorgen gehört. Die Absichten der Regierung, der Judenfrage eine günstige Lösung zu geben, bekommen in der ganzen reaktionären Presse einen besonders starken Ausdruck, wenn gerade eine neue Staatsanleihe bevorsteht.........Bis jetzt bleibt aber die Frage unentschieden, und das dazu gehörige Material füllt die Fächer der Ministerialarchive aus. Es ist aber selbstverständlich, daß es so kam, da ja die Judenfrage mit andern für die Regierung unlösbaren Fragen verbunden ist. Die Judenverfolgungen bilden ein unentbehrliches Element in der bisherigen Politik der russischen Regierung, der Epoche der Volksunmündigkeit und der Beamtenwillkür. Die russische Bureaukratie wird in der Lösung der Judenfrage nur so weit gehen, so weit die unbeugsame Notwendigkeit sie dazu zwingen wird. Als Ergebnis einer solchen Notwendigkeit kann auch die günstige Wendung der Judenfrage angesehen werden, die sich in der Entscheidung des Ministerkabinetts äußerte, nach der Juden der freie Eintritt in die Universitäten gewährt wird. Alle auf Juden sich beziehenden Beschränkungen in den Universitätsstatuten sollen abgeschafft werden. Aus welchen Motiven das geschah, kann leicht erraten werden. Das Ministerkabinett, welches die „Ordnung" herstellen will, braucht zu seinen Zwecken eine Wiederherstellung des normalen akademischen Lebens. Deswegen müssen alle Hindernisse, die den Lauf dieses Lebens stören, beseitigt werden. Da stehen an der ersten Stelle die Prozentbeschränkungen für Juden. Das ist ein gefährliches und wirksames Mittel für allerlei revolutionäre und unterirdische Propaganda, welches die Studenten zur Opposition reizt. Deswegen muß dieses schädliche Element aus dem akademischen Leben ausgeschaltet werden.