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Die Welt · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. Köln, 24. August 1906 p-nr6 6nn"« bt># "y No. 34. ZUR JAHRESKONFERENZ Ein Jahr ist seit dem letzten Kongreß vergangen. Ein unseliges Jahr, das mit furchtbarer Macht das Judentum aufrüttelte, ein Jahr von Tod, Vernichtung und Verwüstung. Ein einziger Jammerschrei gellte durch die Länder der Zerstreuung. Es war, wie wenn ein ungeheurer Sturm, rasend, heulend durch den Wald fährt. Und wo der Sturm tobte, da zerbrach er die jungen Kräfte, da wurden die zarten - Keime, die sich kaum dem Lichte entgegengestreckt hatten, zertreten und zerstampft — alles Blühende verheert, alles Reifende zerstört. Es war ein Jahr des Schreckens, des verzweifelten Widerstandes, des Kampfes um Leben und Tod, nicht ein Jahr frohen friedlichen Schaffens, hoffnungsvoller Aussaat, stolzen Zukunftsmutes. Immer mußte der Zionismus sein Werk bauen, in der einen Hand die Kelle, in der anderen das Schwert. Aber in diesem Jahre mußte oft die Kelle beiseitegelegt und nur das Schwert geschwungen werden, mußte oft auch das Schwert fallen, und Tausende Arme mußten sich ausstrecken, hilflose Brüder zu stützen, mußten die Erde aufwühlen, um die Leichen der Gefallenen zu bestatten, mußten feiern, weil eine ungeheure Macht es ihnen verwehrte, zu bauen, zu kämpfen, sich zu regen. Und doch, — die Männer, die sich jetzt wieder aus aller Welt zu Rat und neuer Tat vereinigen werden, die auch, die selbst inmitten der Schrecken standen, auf den Friedhöfen und in den Krankenhäusern, um mit ihren Brüdern zu klagen, auf den Straßen, um das Leben der Ihren zu verteidigen, auf der Parlamentstribüne, um für ihr Volk ihre Stimme zu erheben — sie werden erzählen können, daß selbst in diesem Jahre des Grauens der Zionismus stark genug war, die Vernichtung zu überdauern, stark genug, um auf Trümmern Neues zu erbauen, um aus der Verzweiflung und dem Unglück heraus immer von neuem seine Kräfte aufzurichten --- Unwillkürlich geschieht es, daß uns immer, wenn wir uns zu einem Kongreß oder zu einer Jahreskonferenz rüsten, unsere Erinnerung zurückträgt zu den Tagen des ersten Kongresses von Basel. Wir waren damals staunende, tiefbewegte Zeugen eines Ereignisses, das uns wie ein Wunder erschien. Das Chaotische, Zersplitterte, Widerstrebende, das Totgeglaubte bekam Form, Blut und Leben. Fast unfaßbar schien das, was mit einem politischen Wort des Tages als „Organisation" bezeichnet wurde. Wir haben uns daran gewöhnt, daß diese Organisation lebt, daß sie Teil um Teil des Volkes umfaßt, Teil um Teil mit tausend sichtbaren und unsichtbaren Fäden verbindet, daß sie, wenngleich nur ein Stück des gesamten Volksorganismus, mit ihrem Geiste das gesamte jüdische Leben befruchtet, daß sie wächst, erstarkt und sicheren Schrittes ihrem Ziele zustrebt. Wir haben uns daran gewöhnt. Mehr noch: Was uns damals ein Wunder schien, scheint uns heute wenig, ein Anfang, ein Kleines. Denn unsere Wünsche, die vorher geschlafen hatten, sind nun immer mehr gewachsen. Kein Rausch von Zweifeln unbeschwerter Begeisterung läßt uns ausruhen im Genüsse des Erreichten, unsere Augen haben gelernt, den weiten Weg zu übersehen, der vor uns liegt, jedes Hindernis zu bemerken, das auf dem Wege aufgetürmt ist. Wir überfliegen nicht mehr die Etappen mit unseren Wünschen, wir wollen sie durch unsere Stärke nehmen. Die zehn Jahre der Organisation haben sie zu einer reifen, insichgehenden, tiefen Bewegung gemacht. Wir haben alle Emotionen erlebt, alle Empfindungen ausgekostet. Wir haben den Taumel, das Jauchzen einer neuen Hoffnung erlebt. Jetzt stehen wir vor der Wirklichkeit, vor der realen Arbeit, vor Aufgaben, die unserer Kraft harren, um in Taten umgesetzt zu werden. In der Ferne steht das feste Ziel. Unsere Aufgabe ist es, die Ferne zur Nähe, die Nähe zur Heimat zu machen. Nicht Überraschungen, auch nicht den Prunk von Worten, die uns vielleicht über Schwierigkeiten trösten, uns Mut einflößen oder unsere Erfolge vergrößern sollen, verlangen wir von denen, die berufen sind, unsere Organisation zu leiten. Wir verlangen von ihnen Wahrheit und Klarheit — gegen sich, gegen uns. Sie haben die Pflicht, in dem vollen Gefühl der Verantwortlichkeit, das ihnen die große Sache, das ihnen die Treue und Arbeitswilligkeit der Zionisten aller Länder 4,;i A \v A 'I ,<

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