Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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20 DIESäKE LT No. 33 Bitte, mir ihreAnsicht und namentlich die der „Misrachi Gruppen über die fernere Gestaltung der Beziehungen des „Misrachi" zu der zionistischen Organisation möglichst bald bekannt zu geben. Gleichzeitig ersuche ich, die Vorschläge zur Tätigkeit und Organisierung des „Misrachi" mir gefl. mitteilen zu wollen. Zum voraus dankend mit freundl. Gruße Zürich, im Ab 566b. Ch. J. Eiß Mitglied des Zentral-Komitees der Misrachi. Ägypten Kairo. Die beiden neubegründeten zionistischen Vereine in Kairo, „Moria", unter Leitung des Dr. Pilpoul, und Verein der zionistischen Jugend, „Ahavath Zion", unter dem Vorsitz des Herrn W. Schonal, über die die „Welt" jüngst berichtete, entfalten eine außerordentlich rege propagandistische Tätigkeit für den Zionismus. Beide Vereine sind eben daran, Bibliotheken, die allen Juden Kairos zur Verfügung stehen sollen, zu etablieren. Jede Woche finden (trotz der drückenden Hitze) Versammlungen und Vortragsabende statt. Besonders günstigen Einfluß auf die Entwicklung des Zionismus in Kairo nimmt die Tätigkeit des Dr. Pilpoul. Südafrika Port Elizabeth. Am 22. Juli veranstalteten die „Zionist Association of Port Elizabeth and Districts" in der Zionist Hall ein großes Meeting zur Feier der Wiederkehr von Theodor Herzl's Todestag und zum Proteste gegen die russischen Pogrome. Die Versammlung war massenhaft besucht. Die unter stürmischer Zustimmung angenommene Resolution wurde dem Gouverneur der Kap-Kolonie zur Übermittlung an die englische Regierung übersandt. Ein außerordentlich erfolgreiches Meeting veranstaltete auch die Simon's Town Zionist Society als Gedächtnisfeier für Theodor Herzl. Gleichzeitig fanden die Neuwahlen statt. Zum Präsidenten wurde Mr. S. Kissin gewählt. Die Versammlung schloß in begeisterter Stimmung mit der Absingung der zionistischen Hymne. Ungarn Budapest. Am 22. Juli hielt die hiesige jüdische Bürgerschaft auf Initiative der Zionisten eine Protestversammlung für die in Bjolostok gefallenen Opfer. Herr Dr. Ludwig Döming schilderte vor mehr als 2000 Personen die scheußlichen Vorfälle in Rußland. Entrüstung erfüllte die ganze Versammlung, als Redner erzählte, wie er von den jüdischen Abgeordneten und von der jüdischen Gemeinde, mit denen zusammen die Protestversammlung hätte abgehalten werden sollen, im Stiche gelassen wurde. Unter den kleinlichsten Ausflüchten zogen sie sich feige von der Sache zurück. Redner sprach schließlich, indem er eine Parallele mit Rußland zog, von der Lage der ungarischen Juden, die durchaus nicht optimistisch beurteilt werden dürfe. Unter allgemeiner Zustimmung führte er aus, daß der Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage bedeute. Der nächstfolgende Redner, Herr Moser Schäcker, ein russischjüdischer Flüchtling, schilderte die Entwicklung der russischen Revolution, deren Opfer er selbst sei. Erschütternd war die Schilderung der blutigen Tage, die Redner mit vielen Tausenden in Odessa erlebte, bis er endlich ins Ausland flüchtete. Im Namen der Sozialdemokraten sprachen Herr Ehrenfeld und Herr Engländer. Zum Schluß nahm die Versammlung auf Antrag des Ingenieurs Armin Beregi folgende Resolution an: Die am 22. Juli 1906 in Budapest abgehaltene Versammlung drückt ihre Entrüstung und Verachtung über die Greuel- und Schandtaten aus, die unsere Brüder in Rußland erdulden mußten. Die Versammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es den intervenierenden Großmächten gelingen wird, unseren jüdischen Brüdern die politische und wirtschaftliche Gleichheit zu verschaffen. Österreich Kolomea. Am 30. Juli konstituierte sich hier eine jüdischakademische Ferialverbindung. In die Leitung wurden die Herren M. Kitay, Joachim Aszkenazy und Israel Sonnenreich gewählt. Stanislau. Hier wurde ein zionistischer Verein unter dem Namen „Giskalah" gegründet, der u. a. für die körperliche und geistige Hebung der jüdischen Jugend eintritt. In die Leitung wurden gewählt: ing. cand. M. Sztencel X., ing. cand. Samuel Blader XX und ing. cand. Josef Katz XXX. Neunkirchen (Niederösterreich). Am 6. August konstituierte sich hier ein neuer jüdisch-akademischer Ferialverein unter dem Namen „Dr. Max Nordau". Der junge Verein entfaltet bereits eine rege Tätigkeit in Neunkirchen und Umgebung und hat sich insbesondere die systematische Sammlung für den Nationalfonds zm Aufgabe gesetzt. Karlsbad. Am 24. v. M. fand im großen Kurhaussaale eir von ca. 1500 Personen besuchter Vortragsabend, der vom Einzelverein „Zion" in Karlsbad veranstaltet wurde, statt. Referent wai Dr. Leon Reich aus Lemberg. Der Rede über die „letzten Ereignisse in Rußland und die Judenfrage" folgte tosender Beifall. Der riesige Besuch zeigte aufs neue die gewaltige Ausdehnung des Zionismus und bewies zugleich, daß diese periodischen Versammlungen für die hiesigen Kurgäste ein Bedürfnis geworden. Am 15. August findei ein Vortragsabend im Kurhaus mit Dr. Weißengrün statt. N. P. 50 Kronen. Friedek. Die jüd. akad. Ferialverbindung „Hasmonaea" ver anstaltet am 25. August d. J. im Saale der Friedecker Schiedsstätte einen Festkommers mit anschließendem Tanzkränzchen, dessen Rein erträgnis den Opfern der Bjelostoker Judenmetzeleien zufällt. Gäste herzlichst willkommen! Radautz. Wir teilen mit, daß hier eine jüdisch-akad. Ferialvereinigung „Chermonia" sich konstituirt hat. Diese hat sich zur Aufgabe gestellt, jüdisches Wissen zu verbreiten und das Nationalgefühl unter der Radautzer jüdischen Bevölkerung zu heben. Iglau. Am 8. ds. fand hier die erste von den hiesigen Zionisten veranstaltete Versammlung statt, in welcher Herr Rev. W. H. Hechlei aus Wien über seine Reisen in Palästina einen interessanten Vortrag hielt. Anschließend hieran legte Herr Dr. Sigmund Werner ii kurzen Worten die Ziele der zionistischen Bewegung dar. Die Ver Sammlung, die sehr gut besucht war, bedeutet für* unsere Sachi einen großen Erfolg und wird sicherlich dazu beitragen in kurzen hier eine zionistische Ortsgruppe entstehen zu lassen. Aufruf! Am Sonntag den 22. Juli war unsere Gemeinde Boskowitz i; Mähren der Schauplatz einer entsetzlichen Explosion und Brand katastrophe, der nicht weniger als 48 Menschen aus der unbemittelte; Bevölkerung zum Opfer fielen. Auf Wochen, vielleicht auf Monat hinaus, ja was auszudenken furchtbar ist, auf immer sind sie erwerbs unfähig. Die Familien dieser Ärmsten der Armen sind ihrer Ernähre beraubt, welche, von entsetzlichen Brandwunden gequält, das Opfc ihrer aufopferungsvollen, selbstlosen Hilfeleistung und Nächstenlieb geworden sind. Unsäglicher Jammer, grenzenloses Elend ist übe unser sonst so stilles Städtchen gekommen: rasche Hilfe tut no; Und wes Herz krampfte sich nicht, von unendlichem Mitleid er schüttert bei der Kunde von diesem Elend zusammen, dessen Wen ruf das ganze Land durchtönte? Wer würde nicht die Tränen de Not und der unsäglichen Leiden trocknen wollen! Ist doch Geh ein schwacher Ersatz für die qualdurchstöhnten Nächte, ein geringe Äquivalent für die bangen Sorgen, mit welchen diese Armen fu das Schicksal der so schwer betroffenen Lieben fürchten. Familien vätern, denen außer ihren physischen Schmerzen die bedrohte Zi kunft ihres geliebten Weibes und Kindes als Schreckgespenst vt Augen steht, Söhne in der Vollkraft ihrer Mannesjugend, anr Kinder, die auf die unschuldigste Weise unsäglich leiden müssen Und zu diesen seelischen und physischen Schmerzen die baue. Sorge der übriggebliebenen Familienglieder um ihr tägliches Bio Unter dem erschütternden Eindruck dieses entsetzlichen Unglücks tritt der Unterzeichnete an die allbekannte Mildtätigkeit ein österreichischen Bevölkerung mit der Bitte heran, ein Scherflein zn Linderung dieses Elends beizutragen. Jede, selbst die kleinste Gab ist willkommen. Vielleicht hat mancher Leser dieser Zeilen eine.' Verwandten, einen guten Freund unter den Unglücklichen zu beklagen. Möge ein jeder nach Maßgabe seiner Kräfte beisteuern, und >. wird sich ein dauerndes Denkmal errichten in den Herzen sein-, dankbaren Mitmenschen und der Stadt Boskowitz: möge ein jeder, dessen fühlendes Herz bei diesem Jammer von unendlichem Mitlei.i bewegt wird, nicht blos mit den Lippen, sondern mit hilfreiche Hand an diesem Werke der schönsten menschlichen Betätigung ein gedenk des Wahrwortes „bis dat, qui cito dat" teilnehmen. Boskowitz, im Juli 1906. Julius Weiß m. p., Bürgermeister der Israelitengemeinde Boskowitz (Mährern. Briefkasten Iglauer Zionisten: Besten Dank, Zionsgruß W. Dr. S. in L. Besten Dank! Nächste Nummer. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.