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Die Welt · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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4 DIE3 Das Engere Aktions-Komitee, das Direktorium, der Aufsichtsrat und die Foundershares-Inhaber des Jewish Colonial Trust, sowie das Direktorium der Anglo-Palestine Company. Auch finden bekanntlich am 29. August eine ordentliche sowie eine außerordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust in Köln statt. [ELT - No. 33 Am 1. August hat die neugegründete Filiale der Anglo-Palestine Company in Beirut ihr Geschäft eröffnet. Der Direktor der Anglo-Palestine Company, Herr D. Levontin, ist zur Teilnahme an der Jahreskonferenz nach Köln abgereist. * * * o oo o POLITISCHE REVUE o o o o ES! Perverses von der Peripherie. . . „Zwei Mahnungen noch vom Unwürdigsten f ratrum minorum. Tragt nicht das Märlein weiter, die russische Regierung lasse die Juden schlachten. Fällt ihr ja nicht ein. So wenig wie unserer, die Arbeiter niederknallen zu lassen (was mit nicht geringerer Hartnäckigkeit behauptet wird). Noch weniger denn die schlechte Laune der jüdischen Haute-Finance kann ihr gefährlich werden. Der Durchschnittsrusse haßt den Juden, der ausgewucherte Wirt den Parasiten, der körperlich starke, geistig schwerfällige, blonde Bauer den kleinen, emsigen, pfiffigen Schwarzkopf, der ihm in allen Stücken überlegen ist. Nur in dem Kampf nicht, wo Mann gegen Mann, die Stärke siegt. In Zeiten heftiger Gärung, wenn die Hefe wirksam wird, besinnt der Blonde sich auf die Übermacht seines Leibes und schlägt den Schwarzen nieder, dem er so lange nichts anhaben konnte. Traurig. Leider nicht unnatürlich. Brutalität war von jeher die ultima ratio der von Zwergen umgarnten Riesen. Fünf Millionen unkultivierter Talmudjuden: die Portion ist nicht leicht zu verdauen. Dieses Gewimmel aus dem Pferch lassen? Das, hörte ich einmal von Witte, könnte nur Pobedonoszew wagen; jeden andern würde das Volk für bestochen halten. Und Pobedonoszew wieder findet, das Volk sei noch nicht weit genug, um bei freier Konkurrenz mit den Juden fertig werden zu können; sie hätten bald die Landgüter, Kaufhäuser und Richterstellen erobert: und dann wäre die Zeit für einen neuen Pugatschew reif. Der Bauer, Soldat, Handwerker, Unterbeamte ist (nicht nur in Rußland) Antisemit. Nun geht's ihm nach Krieg, Hungersnot, Putschen, besonders schlecht. Er hört, daß die Juden sich in Scharen dem Kriegsdienst entzogen haben. Hört, daß sie zur Revolution rufen, Bomben herstellen, aber, um ihrer Rasse nicht neuen Haß zu wecken, fast nie selbst werfen; daß sie den Zarenpapst knechten und die Grundmauer der heiligen Kirche lockern wollen. Hört, glaubt und überredet sich rasch, daß alle8 Gut der Schwarzen den Blonden geraubt ward: und plündert und mordet. Die Regierung könnte, mit dem Aufgebot all ihrer Machtüberbleibsel, die Juden schützen. Dann würde sie noch unpopulärer. Hätte das ganze Land gegen sich und käme in den Verdacht, mit dem Gelde der Großjudenheit bestochen zu sein. Daß sie zu solchem Wagnis nicht den Mut hat, ist ihre ganze, nicht ganz kleine Schuld." Der dies schrieb — war nicht Prof. Schiemann von der „Kreuzzeitung" — es war nicht Trepow und auch nicht ein Söldling von Stolypin. Die Junker rechnen ihn nicht zu den ihren, die Deutschen lächeln verständnisvoll, wenn sie seinen Namen hören. Es ist einfach Herr Maximilian Harden, der die obenzitierte Kapuzinade seinen Lesern von der „Zukunft" vorsetzt, die er in richtiger Selbsterkenntnis auch selbst „Kapuzinade" benennt. Gegen diesen Unsinn zu polemisieren wird keinem ernsten Menschen einfallen. Wer wird gegen Harden den Kampf mit Argumenten aufnehmen? Wer wird gegen einen Akrobaten und Klopffechter mit wirklichen Waffen auftreten? Ob Harden gegen die reichsdeutsche Politik oder gegen die Sozialdemokratie, gegen England oder gegen die Juden losschlägt — es bleibt sich gleich — Kapuzinaden sind es jedenfalls. Gegner wie Harden sind nur solange gefährlich, solange man sie überschätzt. Dann wirkt der „esprit", der schlagfertige Witz, die Unverfrorenheit der Wirklichkeit gegenüber manchmal aufreizend, manchmal niederschmetternd. Aber wenn man die Künste dieser Geistesvirtuosen, die wie Paganini auf einer Saite spielen, durchschaut hat, da verliert man mit der Achtung auch die Furcht vor ihnen. Was kümmert's einen ernsten, denkenden Menschen, ob Harden über eine Frage so oder anders denkt? Weiß er doch ganz genau, daß Harden an jede Frage ohne Kenntnisse, ohne Verständnis herantritt, aburteilend, geistreichelnd. Nehmen wir den letzten, von uns hervorgehobenen Fall. Harden, der Jude, tritt für die russische Regierung ein und gegen die Juden Rußlands auf. Gut. Auch ein Standpunkt. Es ist nicht so unerklärlich. Wenn die ganze Welt „pros tyrannos" schreit, muß sich ein Querkopf finden, der die Tyrannen in Schutz nimmt. Treitschke war sicherlich ein geistreicher Kopf und war reaktionär. Aber er hat es auch verstanden, seine Position zu wahren. Er rang sogar seinen Feinden Achtung ab. Und wie macht es Harden nach? Wie ein Stümper. Daß man gegen Juden manches aufzuführen hat — ist natürlich. Wer ist schuld- und makellos? Daß Juden selbst die größten Kritiker des Judentums sind, ist eine bekannte Tatsache. Aber so oberflächlich, so seicht hat die Judäomachie noch niemand betrieben. Erstens behauptet Harden, der Durchschnittsrusse hasse den Juden, „der ausgewucherte Wirt den Parasiten"... Diese Behauptung ist in ihrem konstatierenden Teile falsch, in ihrem erläuternden einfach eine unorigineile antisemitische Verleumdung. Weiß Herr Harden, daß der „Durchschnittsrusse" vom Juden überhaupt keine Ahnung hat, daß der Großrusse nie mit dem Juden in Berührung gekommen ist? Der „ausgehungerte Wirt" ist der Russe in Kursk, Rjasan, in Moskau und Wladimir, in Orjel und in Saratow — weiß Herr Harden, daß diese Gegenden judenrein sind? Die Kieinrussen, die eigentlichen Nachbarn der Juden, sind nicht ausgehungert. Nicht die Juden sind die Parasiten Ukrainas, sondern die Polen, die Gutsbesitzer, die Junker, vor denen Herr Harden in Ehrfurcht erschauert. Aber woher soll es der allwissende Herr Harden, der ein so gewaltiger Kenner Rußlands ist, daß er z. B. nie Witte schreibt, sondern immer nur Sergej Juljewitsch Witte, wissen? Schöpft er doch seine ganze „Wissenschaft" aus den verschiedenen Wörterbüchern, seine Kenntnis der Gegenwart von den Hintertreppenpolitikern und Lakaien, die die schmutzige Wäsche ihrer Herrschaften dem „kleinen, pfiffigen . Schwarzkopf" gerne zeigen. Trotzdem Herr Harden in seinen Artikeln allerlei Weisheiten (vornehmlich aus französischen Memoiren und alten Scharteken] auskramt, scheint er nie ein Handbuch der Anthropologie gesehen zu haben. Wir würden ihm raten, sich einmal das Buch von Ripley: „The races of Europe" anzusehen, da wird er sich überzeugen, daß sein Satz: „Der körperlich starke, geistig schwerfällige blonde Bauer haßt den kleinen, emsigen, pfiffigen Schwarzköpf" — ein frei nach Sancho Panza, dem großen Nivellierer, erfundener anthropologischer Unsinn ist. Der russische Jude stellt keinen einheitlichen Typus dar, ist nicht überwiegend schwarz, ebensowenig wie der Durchschnittsrusse, der einen starken mong' tischen Einschlag hat, groß und blond ist. Herr Witkowski-Harden tu nicht sein ganzes Leben in der Villa von Grunewald gesessen und sich betrachtet und mit Witte gesprochen — (daher die Gegenüberstellung: der kleine pfiffige _ Schwarzkopf und der große blonde

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