Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 30 DIE^ELT 19 Daß Mr. Zangwill u. A. den Anlaß einer zionistischen Gedenkfeier für geeignet fand, um Zionisten zu beschuldigen, daß sie Herzls Tod beschleunigt hätten, ist nicht nur eine Gewissens-, sondern auch eine Taktfrage, die er sich selbst beantworten möge. Verwunderlich bleibt es für uns nichtenglische Zionisten immerhin, daß der Vorsitzende einer englisch-zionistischen Versammlung dies ohne weiteres durchgehen ließ. (Anm. d. Red.) * * * Den Londoner „Times" entnehmen wir folgende telegraphische Nachricht aus Capstadt vom 15. Juli: Ein massenhaft besuchtes Meeting der Zionisten fand heute zur "eier der Wiederkehr des Todestages Theodor fierzls statt, las zugleich eine imposante Kundgebung gegen die Pogrome n Rußland darstellte. Der frühere Premier der Kolonie Mr. Schreiner und der Kommissar für die öffentlichen Arbeiten Dr. Smartt beantragten Resolutionen zur Übermittlung an die engische Regierung, worin gegen die russischen Barbareien protestiert wurde. Mehrere Mitglieder der Kolonieverwaltung unterstützten die Resolution. * Ein ebenso schön geschriebenes wie gehaltvolles Flugblatt hat anläßlich der Wiederkehr des Todestages Herzls das „Zionistische Bureau für Polen" herausgegeben. Das Flugblatt vurde in mehreren Sprachen ausgegeben. Südafrika Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Maitland hielten am 2. Juli ein Meeting ab, auf dem beschlossen wurde, den örtlichen zionistischen Verein zu reorganisieren. Bei den Neuwahlen wurde Mr. Ch. Becker zum Chairman, Mr. J. Friedmann zum Vice-Chairman erwählt. £ 10 wurden zur Eintragung des Vereins Ahawath Zion Association of Maitland and Brooklyn in das Goldene Buch des Mationalfonds gesammelt. Die Versammlung nahm eine Protestesolution gegen die russischen Massakers an. Mit der Absingung Jer Zionshymne schloß das Meeting, das wieder neues zionistisches Leben in die Gemeinde gebracht hat. Kreistag der Galizischen „Poalei=Zion" Sonnabend den 21. Juli fand in Lemberg die erste Konferenz der „Poalei-Zion" des Lemberger Kreises statt. Anwesend waren 45 Delegierte und zwei Mitglieder des „Verbandes". Im Rechenschaftsberichte wurde festgestellt, daß es jetzt fast in jeder Stadt Galiziens einen Verein der „Poalei-Zion" gibt und daß die günstige Entwicklung sehr rasch vorwärts geht. Die Konferenz beschäftigte sich insbesondere mit den Fragen der Organisation von Arbeiterinnen und von jugendlichen Arbeitern. Der endgültige Beschluß in diesen Fragen ist dem bevorstehenden allgemeinen Parteitag der österreichischen P.-Z. übertragen worden. Es wurde beschlossen, von diesem Parteitag zu fordern: 1. Klarlegung der Stellung der „Poalei- Zion" zur allgemeinen zionistischen Organisation; 2. Die Einberufung eines allgemeinen Kongresses der „Poalei-Zion" der ganzen Welt. Um die Agitatiohsmittel zu vergrößern, wurde beschlossen, daß jeder Poalei-Zionist, abgesehen von den bestehenden zionistischen Steuern, 8 Heller monatlich für die besonderen Parteizwecke beitragen soll. Beim Punkt Presse wurde beschlossen, eine Broschürenkommission in Lemberg und Preßkomitees in allen galizischen Städten zu gründen, um die Verbreitung des „Jüdischen Arbeiters" und andererTarteiausgaben zu fördern. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde eine siebengliedrige Leitung gewählt. Die Schlußrede hielt H. Abrahamsohn, der auf die vielen Möglichkeiten poalei-zionistischer Arbeit hinwies und großen Beifall für seine Ausführungen erntete. Um 12 Uhr nachts wurde die Versammlung geschlossen. Theodor Herzl-PIatz und Denkmal Die akademische Verbindung „Hasmonaea", die jetzt in das 30. Semester ihres Bestandes tritt, hat aus diesem Anlasse und gelegentlich des nach weiland Dr. Theodor Herzl abgehaltenen Trauerkonventes beschlossen, auf dem Theodor Herzl-Platz in Czernowitz ein Herzl-Denkmal zu errichten. In der letzten Gemeinderatssitzung ist nämlich auf eine Petition der zionistischen Vereine in Czernowitz hin, von der wir bereits berichteten, beschlossen worden, den alten Markt nach Theodor Herzl zu benennen. Dieser Platz soll nun entsprechend reguliert und auf demselben das Denkmal postiert werden. Die alten Herren und die Aktivitas der „Hasmonaea" haben für diesen Zweck bereits den Betrag von 1000 Kronen aufgebracht. Ovationen für Dr. Straucher Als am 18. d. M. Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher von den Delegationsverhandlungen in Wien mit dem Frühschnellzuge in Czernowitz ankam, wurde er am Bahnhofe von einer zahlreichen Menschenmenge, darunter den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinde, den jüd.-nat. akademischen Verbindungen und mehreren jüdischen Vereinen erwartet und begrüßt. Nachdem Herr Luttinger namens der Kultusgemeinde, Herr Max Wender namens des Vereines „Zion" und der Student Pilpel namens der jüdisch-akademischen Vereine dem Abgeordneten Straucher für sein mannhaftes Eintreten in vielen jüdischen Angelegenheiten während der Delegationstagung gedankt hatten, ergriff Dr. Straucher das Wort, um zu versichern, daß ihm die heutige ehrenvolle Kundgebung ein Ansporn für seine weitere Tätigkeit sein werde. Hierauf fuhren die Teilnehmer in geschlossenem Wagenzuge in die Stadt bis zur Wohnung Dr.Strauchers, wo ihm neuerlich Ovationen dargebracht wurden. Zionistischer Zentralverein, Wien Die jüngst eröffnete Lesehalle steht allen Mitgliedern und p. t Durchreisenden unentgeltlich offen, sonst gegen 4 h. Entree. Ebenso die Bibliothek, für die uns Bücher jüdischen Inhalts sehr erwünscht sind. — Es werden diesbezügliche Spenden in unsern Mitteilungen ausgewiesen. In der Lesehalle liegen alle Tages- und Wochenblätter und sonstige jüdische Zeitschriften in hebräischer, jüdischer, deutscher, polnischer, russischer, englischer, französischer, holländischer und spanischer Sprache auf. Bureaustunden täglich (außer Samstag) 2—6 Uhr nachmittags, Sonntag 9—12 Uhr vormittags, IX Türkenstr. 9. Österreich Proßnitz. Ferialverein jüd. Hochschüler „Giskalah", Chargen - wählen für 1906/7: cand. ing. Erich Stern, Präses, jur. Viktor Alter, Vizepräses, cand. ing. Sam. Berthauer, Schriftführer. Vor einigen Tagen starb der älteste und verehrteste der „altösterreichischen" Poeten, Ferdinand von Saar. Aus diesem Anlasse sei an das schöne Sonett erinnert, das er im Jahre 1859 gedichtet hat. Judaea In fernes Land, meerüber, laß dich senden, Zerstreutes Stammvolk, mit den scharfen Zügen, Dort magst du kräftig dich zusammenfügen, Um deines Schicksals dunklen Fluch zu wenden. Dann wirst du wieder mit entwöhnten Händen Der Patriarchen Boden pflügen, Wirst — das entsank bei irren Wanderflügen — Ein Schwert dir gürten um erstarkte Lenden. Hinwandeln wirst du unter schlanken Palmen, Wie einst, da Rahel ward zu Jakobs Lohne, Und deinem Gotte deine Opfer qualmen. Und wieder singt ein König auf dem Throne Zur goldnen Harfe tiefempfundene Psalmen, Und zeugt der Nachwelt weise Salamone. Briefkasten der Redaktion E. B. in Teplitz-Schönau. Telegramm traf hier ein. Besten Dank. W. M. L. Gennßow, Constantia. Besten Dank für Ihre Einsendungen. Zionsgruß! Poalei Zion in Neckarau. Herzlichen Dank. W. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln. tf