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Die Welt · 1906-07-20 · 29 (20.7.1906) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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20 DIE3§EELT No. 29 Eine Konferenz in London Vor Schluß unseres Blattes erhalten wir das nachstehende offizielle Communique über eine in London abgehaltene Zusammenkunft von Vertretern großer jüdischer Organisationen, das wir ohne weiteren Kommentar zur Veröffentlichung bringen. Das jüdische Problem Als eine Folge der Rede des Herrn Ose. S. Straus bei den „Maceabaeans" wurde am Sonntag den 15. ds. eine Konferenz im Savoy-Hotel in London unter dem Vorsitz des Herrn Straus abgehalten, um zu beraten, ob nicht ein Plan zu finden sei, dem die zu den führenden Organisationen in Beziehung stehenden Persönlichkeiten ihre Unterstüzung geben könnten. Folgende Herren waren anwesend: Elkan Adler, H. Bentwich, Rt. Hon. Arthur Cohen, Ks C, Joseph Cowen, L. J. Greenberg, Jacobus Kann-Haag, H. M. Kisch, C. S. L, Clement I. Salaman, M. H. Spielmann, Carl Stettauer, Lucien Wolf, D. Wolffsohn-Köln und I. Zangwill. Einladungen waren außerdem ergangen an den Chief Rabbi und die Herren Leonard Cohen, H. Q. Lousada und I. Seligman, die sämtlich geschrieben hatten, daß anderweitige Verpflichtungen ihnen nicht gestatteten, zu erscheinen. Sir Samuel Montagu und ein oder zwei andere Herren, an die man mündlich herange'treteten war, hatten abgelehnt, an der Konferenz teilzunehmen. Die folgenden Resolutionen wurden eingebracht: 1. Vorgeschlagen von Rt. Hon. Arthur Cohen, K. C. und unterstützt von L. J. Qreenberg: .,Da mit Rücksicht auf die gedrückte Lage des jüdischen Volkes in Rußland und anderswo und infolge der zunehmenden Beschränkung in der Zulassung der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern es mehr und mehr erforderlich wird, daß eine Erweiterung der Kolonisation für die unterdrückten Angehörigen unseres Volkes vorgesehen wird, und da es von der allergrößten praktischen Bedeutung ist, daß ein allgemeines Einverständnis unter den Juden in dieser Hinsicht erzielt wird, wird festgestellt, daß wir darin einig sind, einen großzügigen Kolonisations-Plan vorzubereiten, zu unterstützen und zu fördern". 2. Vorgeschlagen von Lucien Wolf und unterstützt von Elkan Adler: „In Hinsicht auf die Gründung einer solchen Kolonie soll der Plan derart gestaltet sein, daß er für die. Kolonie die eventuelle lokale Selbstregierung verbürgt." Diese beiden Resolutionen wurden von allen anwesenden Herren mit Ausnahme der Herren Stettauer und Bentwich angenommen. Herr Stettauer stimmte für keine von beiden und Herr Bentwich enthielt sich bei Nr. 1 der Abstimmung und stimmte gegen Nr. 2. 3. Herr M. H. Spieiman soll ermächtigt werden, eine neue Versammlung einzuberufen, zum Zwecke weiterer Besprechungen, wann immer er es für nötig erachtete, wobei unter anderem die folgenden Resolutionen zu beraten sind, welche diesmal eingebracht, aber nicht zur Abstimmung gestellt wurden: a) Vorgeschlagen von D. Wolffsohn und unterstützt von Elkan Adler: „Daß der oben erwähnte Kolonisationsplan in erster Linie Palästina und die Nachbarländer in Betracht ziehen solle/' b) Eingebracht von I. Zangwill und unterstützt von Lucien Wolf: „Daß diese Versammlung jeden Plan zur Ausführung der Resolutionen 1 und 2 beraten solle, ohne Palästina und die Nachbarländer auszuschließen." Aufhebung der Bildungs-Beschränkungen Petersburg, 11. Juli. Der Minister für Volksaufklärung beschloß, eine Vorlage betreffend die Aufhebung der prozentualen Einschränkung bei der Aufnahme der Juden in den Mittelschulen der Duma vorzulegen. Bis zur Entscheidung der Duma soll die prozentuale Einschränkung temporär fallen gelassen werden überall da, wo Vakanzen vorhanden sind. Staatssekretär Jermolow über die Judenfrage in Rußland Ein Mitarbeiter der „Nowoje Wremja" hatte mit dem ehemaligen Ackerbauminister Staatssekretär Jermolow eine Unterredung über verschiedene brennende Fragen, welche in Rußland auf der Tagesordnung stehen. Über die Judenfrage sagte Jermolow: „Gegenwärtig hat die Judenfrage in Rußland einen etwas anderen Charakter angenommen, da die Juden bereits politische Rechte besitzen, sich an den Wahlen beteiligen und auch einige Vertreter in der Duma haben. Trotzdem muß die Judenfrage dahin gelöst werden, daß den Juden Gleichberechtigung gewährt und die Beschränkung der Juden auf gewisse Rayons beseitigt werde. Die Regierung muß daher meines Erachtens den Juden volle Gleichberechtigung gewähren, jedoch mit einer Einschränkung in bezug auf den Erwerb von Grund und Boden." Vorbereitungen für eine Judenhetze in Odessa Das Blatt „Retsch" meldet aus Odessa: In der Stadt und Umgebung werden Aufrufe verbreitet, die an die Matrosen und Soldaten gerichtet und in der Druckerei der reaktionären Zeitung „Russakaja Retsch" gedruckt sind. Darin wird das Heer aufgefordert, den Juden schnellstens den Garaus zu machen. So lange, heißt es im Aufruf, die Macht noch uns gehört, erheben wir-uns, sonst wird es zu spät sein, da die Juden den Zaren stürzen und ihren eigenen Zaren auf den Thron erheben werden. In Bjelostok hätten die Juden Soldaten in Massen erschossen; dasselbe Los drohe auch den Soldaten und den Matrosen in Odessa. Die Landschaft, welche die Proklamation für äußerst gefährlich hält, da sie einen furchtbaren Pogrom hervorrufen könne, beschloß, an den General Kaulbars, den Kommandierenden der Truppen des Odessaer Militärbezirkes, das Ersuchen zu stellen, Maßnahmen zur Verhütung einer Judenhetze zu ergreifen. Auch der „Dwadzaty Wjek" und noch ein drittes hiesiges Blatt bringen Depeschen "aus Odessa, in denen die Aufregung geschildert wird, welche dieser Aufruf unter der Bevölkerung von Odessa erzeugt hat. Kundgebung von Offizieren gegen die Judenmassakers Sämtliche Offiziere der Garnison in Wilna haben, wie das „Wilenskoje Slowo" meldet, in einer kürzlich abgehaltenen Versammlung beschlossen, gegen die Judenmetzeleien zu protestieren und künftighin gegen die Veranstalter von Massakers rücksichtslos vorzugehen. Vorbereitungen für eine Judenhetze in Kertsch Petersburg, 12. Juli. Der „Dwadzaty Wjek" meldet aus Jalta: Die monarchische Partei in Kertsch, „Kampf-Drushina" genannt, verbreitet in der Stadt Aufrufe, die gegen die Juden aufheizen und die Bewohner auffordern, den Juden eine Bartholomäusnacht zu bereiten. Von einer Beschlagnahme dieser Aufrufe durch die Polizei ist nichts zu merken. Der Arbeiterverband der Nationalistenpartei gegen die Judenhetzen Warschau, 13. Juli. Der Arbeiterverband der Nationalistenpartei erläßt einen Aufruf gegen die Juden hetzen und fordert die nationalistischen Arbeiter auf, jede Herausforderung dazu sofort mit dem Tode zu bestrafen. Briefkasten der Redaktion Infolge der ausführlichen Berichterstattung über die Jahres- Konferenz der amerikanischen Zionisten mußten einige Einsendungen zurückbleiben. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur-: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.

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