Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 29 DIESSKLT Canada Die Federation of Zionist Societies of Catlada hielt ihre Jahreskonferenz am 1. Juli und den folgenden Tagen in Toronto ab. Es ist dies das erste Mal, daß die Zionisten Canadas sich im Westen des Landes zusammenfanden. Zahlreiche Delegierte von fast sämtlichen Vereinen sind erschienen. Aus den Verhandlungen ging hervor, daß die Federation insbesondere in den letzten Monaten zahlreiche neue Mitglieder gewonnen hat; auf keiner der bisherigen Konferenzen waren so viele Vereine vertreten wie auf der diesjährigen. Den Vorsitz in den Verhandlungen führte Herr Clarence de Sola, der Präsident der Federation. (Ein ausführlicher Bericht folgt.) Trauerfeierlichkeiten nach Theodor Herzl Anläßlich der Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls haben — von den wenigen antizionistischen Blättern abgesehen — fast alle jüdischen Blätter in überaus herzlicher Weise des verewigten Führers der Zionisten in Wort und Bild gedacht. Es zeigt sich, daß die Erinnerung an den großen Toten nicht nur nicht verblaßt ist, daß man vielmehr in dieser katastrophalen Zeit noch viel deutlicher den Verlust ermißt, den die Judenheit durch das frühe Hinscheiden der einzigen zentralen Persönlichkeit erlitten hat. Die Zionisten haben selbstverständlich den Tag noch auf ihre besondere Weise geehrt, indem sie allenthalben bei synagogalen Trauerandachten und stimmungsvollen öffentlichen Veranstaltungen das Andenken ihres Führers feierten. Berichte über einige Veranstaltungen bringen wir nachstehend: Friedek: Die jüd. akad. Ferialverbindung „Hasmonaea" veranstaltete am 13. d. M. anläßlich des Jahrzeitstages nach unserm verstorbenen Führer Dr. Th. Herzl einen Trauergottesdienst, dem eine stattliche Anzahl von Zionisten aus Friedek und Umgebung beiwohnten. Königsberg!. Pr. Am 12. Juli fand die Trauerfeier für Theodor Herzl, von der Königsberger Zion.-Vereinigung veranstaltet, in Cranz statt. Nachdem Oberkantor Birkelbaum Psalm 16 vorgetragen, hielten Rabb. Dr. Bermann aus Insterburg und cand. jur. Blumenfeld die Trauerreden. Zum Schluß wurde die Hatikwah gesungen. Die Feierlichkeit verlief sehr eindrucksvoll. Frankfurt a. M. Am 16. er. hielt unsere Ortsgruppe eine zahlreich besuchte Herzl-Gedenkfeier ab. Nach zwei von Frl. Martha Scham es künstlerisch und tiefempfunden vorgetragenen Gedichten, hielt Herr Dr. Friedemann die Gedenkrede. In fesselnder Weise zeichnete er das Lebensbild Dr. Herzls. Er sprach von seinem rastlosen Schaffensdrang, der ihn nicht ruhen ließ und seine Lebenskraft aufzehrte, von dem, kurzen Leben, welches doch so überaus segensreich war. Aber der Redner gedachte auch des bitteren Kummers und der mannigfachen schweren Enttäuschungen, die diesem stolzen Herzen nicht erspart blieben. Die Rezitation des Schlusses aus Herzls „Altneuland" bildete den stimmungsvollen Abschluß der würdigen Feier. An die Witwe Herzls wurde ein Telegramm gesandt. München, Verein Jüdischer Studenten. Am Donnerstag, den 12. ds. Mts., hielten wir eine Gedenkfeier für Theodor Herzl ab. Als Vertreter der Ortsgruppe war ihr Vorsitzender, Herr Joseph Schachno, erschienen. Nach einigen einleitenden Worten des Präsidenten erhielt Bbr. Ernst Wolff das Wort zu einer Gedenkrede, in der er Theodor Herzl als Führer und als Dichter des jüdischen Volkes feierte. Mit Rezitationen aus Herzls Werken und dem Liede „Dort, wo die Zeder" schloß die stimmungsvolle Feier. Preß bürg. Anläßlich der Wiederkehr des Sterbetages von Theodor Herzl veranstaltete der Zionverein Donnerstag, den 12. ds. Mts., in seinen, in der Sziagyi Dezsögasse befindlichen Vereinslokalitäten eine Trauerfeier, bei welcher Herr W. Steiner sprach. Petersburg. Hier wurde die Gedenkfeier für Theodor Herzl in der großen Synagoge abgehalten, die noch vor Beginn überfüllt war. Die Gedenkrede hielten die beiden Dumamitglieder Jakubsohn und Dr. Sch. Lewin, die in außerordentlich wirkungsvollen Reden den toten Führer feierten und in begeisterten Worten die Aufgaben auseinandersetzten, die in diesen schweren Zeiten den Zionisten obliegen. Die Wirkung auf die Zuhörer war eine sehr nachhaltige. Berlin. Die Berliner Zionisten veranstalteten eine Herzl-Gedenkfeier in Draesels Festsälen, bei der Dr. Emil Cohn und Dr. Heinrich Loewe sprachen. Wien. Donnerstag den 12. ds. fand aus Anlaß der Wiederkehr von Theodor Herzls Todestage im Stadttempel eine Gedächtnisfeier statt, welche die Wiener Jüdische Kultusgemeinde auf Veranlassung des innerösterr. zionistischen Distriktskomitees in dankenswertester Bereitwilligkeit veranstaltete. Der schwarz dekorierte Tempel war überfüllt. Weihevoll trug Herr Oberkantor Singer, vom Chore begleitet, die Trauergesänge vor, worauf Rabbiner Dr. Grunwald die Gedenkrede hielt, worin er unseren verewigten Führer als den Mann feierte, der die jüdische Jugend ihrem Volke wiedergewonnen und echtes edles Judentum mit modernem Wesen zu verbinden verstanden hatte. Er verglich ihn mit dem Propheten Elia, der zur Zeit tiefsten nationalen Verfalles sein Volk wieder zum Judentum zurückrief und nicht müde ward, die Lauen und Lässigen aufzurütteln. Ein ganzer Mann, eine große Persönlichkeit sei wie Elia auch Theodor Herzl gewesen. Und wie jener durch Jahrhunderte vom jüdischen Volke mehr als jeder andere geliebt und verehrt \vurde, so sei auch Theodor Herzl ein liebevolles Gedenken seines Volkes sicher. Die Rede machte tiefen Eindruck. Herr Dr. Grunwald sprach sodann das Kaddisch-Gebet; es folgte ein Trauerpsalm, und die überaus ergreifende Totenfeier war zu Ende. Sonntag den 15. ds., 9 Uhr vormittags, fand auf Veranlassung des innerösterr. Distriktskomitees eine Trauerfeier am Grabe Herzls statt, die in einfacher und würdiger Weise verlief. Es sprachen der Obmann des Landes-Komitees Dr. Schabt und im Namen der Poale Zion S. Kaplanski. Die kurzen, ergreifenden Ansprachen machten auf die versammelten Gesinnungsgenossen tiefen Eindruck. Qalizien Krakau. Der Reinerlös für das jüdische Haus in Krakau! „Die Photographien vom letzten Parteitage in Krakau sind zu haben bei H. D. H. Syrop, Poselskagasse 20, zu je 3 Kr. für ein Stück. Dieselben werden nur per Nachnahme oder nach Einsendung des Betrages von 3 Kr. franko eingeschickt. Bukowina Czernowitz. Die Poale-Zion-Vereine der Bukowina hielten am 9. d. im hierortigen Magistratssaale den diesjährigen Kreistag ab. Als Vorsitzender fungierte Schriftsetzer Krolik aus Sereth. Nach Erstattung der Rechenschaftsberichte wurde über das Referat des Herrn Grünspan aus Krakau beschlossen, sich dem österreichischen Poale-Zion-Verbande mit dem Sitze in Krakau anzuschließen. Hierauf sprachen Frl. Basschewa Gingold über Frauenorganisation und Dr. Berl Kinsbrunner über die Parteipresse. Schließlich wurden ein siebengliedriges Komitee in die Landesexekutive sowie die Vertrauensmänner in diese aus der Provinz gewählt. Österreich Brüx. Jüdischer Volksverein „Zion" : Dienstag, d. 10. Juli d. J. fand hier eine vom Verein einberufene, zahlreich besuchte Protestversammlung wegen der Greuel in Bjelostok statt. Referent Dr. Emil Margulies, Teplitz. Es sprachen dann noch einige andere Herren, darunter Rabb. Dr. Biach, Brüx, der sich als dem Zionismus sympatisch gesinnter Beobachter bezeichnete, und Herr Obmann Heinrich Heller, Brüx, Eine von Herrn Bermann, Brüx, beantragte Resolution, die mit der Aufforderung, an dem Werke der Erlangung einer Heimstätte in Palästina als der einzigen Lösung des Judenelends mitzuarbeiten, schließt, wurde angenommen. Für die Selbstwehr wurde gesammelt. NOTIZEN Eine interessante jüdische historische Bibliothek geht in diesen Tagen mit den dafür durch öffentliche Beisteuern gesammelten Unterhaltungsgeldern in die Obhut des Londoner University College über. Diese Sammlung, bestehend aus seltenen Büchern, Handschriften und sonstigen Seltenheiten zur Erläuterung der jüdischen Geschichte, war im Laufe langer Jahre von dem verstorbenen Herrn F. D. Moccatta, einem sehr angesehenen Mitgliede der ältern Londoner Judenkolonie, mit großem Kostenaufwand zusammengestellt worden. Durch letztwillige Verfügung überließ der Besitzer dann seine Schätze der Jüdischen Historischen Gesellschaft, einem noch jungen Verein, der in derselben Weise wie der. Stifter fortwirkt. Die Uebergabe an das University College, das in Gower Street, nur wenige Minuten vom Britischen Museum gelegen ist, hat wohl den Zweck, diese Sonderbibliothek Gelehrten und Studierenden leichter zugänglich zu machen,