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Die Welt · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. Köln, 13. Juli 1906 p-nr6 tf>nn'Vt non'D No. 28. THEODOR HERZL J&ifl' ■ #f^l€^/^r 5«? „ J^V". Als die Familie Theodor Herzls von Edlach heimkehrte in ihr zerstörtes Heim, in die Räume, in denen er so lange siegreich mit dem Etr>xi des Lebens gerungen hatte, bis dieser, ihn an der Hüfte rührend, seine Kraft ___________ __________________ brach, da fand sie, über die Papiere im Schreibtisch gebreitet die Worte: „Mitten im Leben kommt der Tod." Er, der.lächelnd das Ende erwartet hatte, war sich längst darüber klarg ewesen, daß er sein Lebenswerk nicht werde vollenden können, daß es ihm, wie dereinst Moses, nur vergönnt sein werde, dasALand seiner Träume aus der Ferne zu schauen. Es scheint, daß dieser Gedanke vor allem ihn in den letzten Jahren zu den übermenschlichen Anstrengungen trieb, denen er sich unterzog, daß die Angst, die Seinen führerlos in der Wüste zu lassen, ihm stets neue Kraft verlieh. In immer kürzeren * Zwischenräumen stellten sich während der letzten Js Sz Diese letzte Aufnahme Theodor Herzls der ihm leider so Jahre Herzbeschwerden ein, die wohl noch keinen ernsten Charakter trugen, aber den Freunden Sorgen bereiteten. Freilich wußten nur die wenigsten davon, denn er gehörte nicht zu denen, die von Leiden zu sprechen pflegen. Er reiste mit dem Kühlapparat auf dem ruhelosen Herzen nach Ägypten und Rußland, nach Konstantinopel und London, zwang heldenhaft die Beschwerden nieder, bis sie unerträglich wurden und betrieb erst dann nachdrücklich sein „Genesungsgeschäft", wie er zu sagen pflegte, __ als er Zeit zu haben glaubte — nach der Erledigung der Affaire von Charkow, während deren sein Leiden den akuten Charakter angenommen hatte. Während des 6. Kongresses z. B. hatte jer mit so starken Herzanfällen zu kämpfen, daß ernste Befürchtungen gehegt wurden. Aber der eiserne Wille dieses Riesen zwang, befahl auch dem eigenen Körper, und wenige Minuten später stand er aufs neue vor dem wogenden Menschenmeer im Saale. Die Geschichte seines Leidens und seines Überwindens wird dereinst geschrieben werden, und wenn die Dokumente veröffentlicht werden, die heute noch in den Schreibtischen ihrer Auferstehung harren, wird man erst recht wissen, was Theodor Herzl seinem Volke gegeben hat. Wir fühlen es freilich auch heute schon. Zwei Jahre sind seit seinem frühen Tode dahingegangen, und der Zionismus hat schwere Wege zu gehen gehabt. wurde durch Dr. J. W. Marmorek besorgt, früh im Tode folgte.

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