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Die Welt · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. Köln, 22. Juni 1906 p-nr6 6nn"« ivd"d"d No. 25. Unsere verehrlichen Abonnenten, deren Abonnement mit Ende dieses Monats abläuft, ersuchen wir um ÜJgprechtzeitige tm^fE Erneuerung, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Expedition. WER IST SCHULDIG? Kein Mensch zweifelt daran. Die ganze zivilisierte Welt weiß es, daß die russische Regierung die Greuel von Bjelostok inszeniert -hat. Die ganze Welt weiß, daß die wahren Schuldigen nicht nur die Hooligans und die Polizisten waren, sondern die Gouverneure, die hohen Beamten, die leitenden Minister. Stolypin, der Minister des Inneren, hat es leicht, die Telegramme der offiziösen Telegraphenagentur zu dementieren. Niemand, der die Verhältnisse in Rußland kennt, wird sich dadurch täuschen lassen. Sie haben es gewußt, daß der Pogrom vorbereitet wird, sie haben es geduldet, sie haben es gefördert. In Petersburg wußte man ganz genau, daß man neue und unerhörte Judenmetzeleien veranstalten werde. Die Presse hat die geheimen Pläne der Trepow-Partei der ganzen Welt bekanntgegeben. Aber es half nichts. Europa hat schon längst vergessen, was sittliche Entrüstung heißt. Die käufliche französische Presse schwieg alles einfach tot, die „radikale" Regierung in Frankreich fraternisierte wie zuvor mit den russischen Mordbuben. Prankreich hatte nur Mut, gegen die russischen Arbeiter, die sich am Zuge der Maifeier beteiligten, vorzugehen. Was kann man von einem solchen Europa erwarten? Wer sind die Schuldigen? Auf wessen Gewissen liegen die Opfer von Bjelostok, wer hat geholfen, das Blut von unzähligen Juden zu vergießen? Nicht die Trepows allein. Von Verbrechern kann man nichts anderes erwarten. Aber auch die Bankiers von Europa — und was das schrecklichste ist — die jüdischen Bankiers, sind mitschuldig an diesem Blut. Wir haben sie gewarnt. Das ganze jüdische Volk hat sie kniefällig gebeten: Helft nicht unser Blut vergießen! Stützt nicht die Mordbuben des Witte-Durnowo-Regirnesl Aber die Schacherjuden der Haute Finance waren taub gegen jede Stimme des Gewissens. Für ihre Silberlinge haben diese Börsenritter, diese Spekulanten, die den Namen des jüdischen Volkes schänden, das jüdische Volk verkauft. Und lächelten noch höhnisch, als die gesittete Welt sich darüber empörte. Für diese Taussigseelen ist der Tod, das Elend zahlloser Juden nichts, wenn nur das Schachergeschäft geht..... Und jetzt, nachdem das Blut geflossen ist — was werden die jüdischen Machthaber tun, um ihre Schuld zu sühnen? Werden sie alles daransetzen, um dem jüdischen Volke die Möglichkeit zu verschaffen, künftighin in Sicherheit zu leben? Hier helfen keine winzigen Notspenden. Hier wird das Zeichnen von einigen Tausend Mark oder Francs nicht nützen. Man konnte sich täuschen und auf solche Palliative Wert legen, als der erste Sturm der Pogrome losbrach, nach ( Kischinew und Hornel. Jetzt ist es klar: Rußland steht am Vorabend einer der blutigsten Revolutionen, die je die Welt gesehen hat. Bjelostok ist das erste Signal. Die Regierung hat gezeigt, wie sie die Revolution bekämpfen wird. In jüdischem Blute wird sie sie ersticken. Ob dieses Experiment der Bureaukratie helfen wird — ist zweifelhaft. Zweifellos ist es aber, daß die jüdische Bevölkerung dabei zugrunde gehen wird. „Das jüdische Blut ist das Schmierfett für das Rad der russischen Revolution", hat einmal ein führender russischer Sozialdemokrat gesagt. Aber ot> das Riesenrad der russischen Revolution in Schwung geraten wird oder nicht — jüdisches Blut floß, fließt — und wer weiß, ob es nicht auch weiter fließen wird. .... Die Juden in Rußland tun das Menschenmögliche. Sie organisieren sich, sie bewaffnen sich, sie halten sich bereit. Und die große Masse, die keine Lust hat, mit ihrem Leben der Sache der russischen Revolution zu dienen — greift zum Wanderstab. Hier ist es an den jüdischen Reichen und Mächtigen einzugreifen. Sie haben lange direkt oder indirekt die russische Regierung unterstützt. Sie haben nicht verhindert, daß den Verbrechern der Witte-Durnowo-Regierung Geld gegeben wurde trotz der Oktoberpogrome, trotz des Zornes

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