Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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14 DIE^ELT No. 24 Auswanderer=Fürsorge Für Zwecke der Auswanderer-Fürsorge in Bremen sind vom „Hilfsverein der deutschen Juden" in der letzten ' Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses auf Antrag von Herrn Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen 3000 Mk. bewilligt worden. Im Einvernehmen mit den Behörden zu Bremen werden daselbst sanitäre Einrichtungen getroffen, die in bestimmten leichten Krankheitsfällen eine gründlich ärztliche Hilfe ermöglichen. Den Auswanderern, die innerhalb der deutschen Grenzen erkranken, wird damit eine große Wohltat zuteil. Sie sind nun in der Lage, ihre Gesundung abzuwarten, ehe sie die Reise über See antreten. Berlin, den 10. Juni 1906. Sehr geehrter Herr Redakteur! Für Aufnahme der folgenden Notiz in den Sprechsaal der nächsten „Welt" wäre ich dankbar. Herr Dr. Elias Auerbach hat in Hannover anknüpfend an Ausführungen, die ich über Gegenwartsarbeit in Palästina gemacht habe, etwa folgendes gesagt: „Von Herrn Dr. Klee hätte man heute dieselben Grundsätze gegen die Durchführbarkeit der Palästinaarbeit gehört, die unsere Gegner sonst ihm hundertmal entgegengehalten haben: „Wenn der Sultan nicht wolle, ginge die ganze Sache nicht". Redner fragt, ob es denn nur Phrasen gewesen seien, was Herr Dr. Klee acht Jahre hindurch unsern Gegnern darauf erwidert habe, ob er selbst nicht überzeugt gewesen sei, daß wir trotz airer Schwierigkeiten an das Ziel kommen können." Ich habe auf dem Delegiertentage selbst Herrn Dr. Auerbach sofort geantwortet, und es scheint mir, da diese Antwort im Bericht der „Welt" fehlt, nötig, auch hier noch einmal darauf hinzuweisen, daß ich die Fragestellung des Herrn Dr. Auerbach nicht für so loyal halte, wie ich es von jemand, der die Art meiner Agitation genau kennt, erwarten zu dürfen meinte. Ich habe Gegnern der Bewegung gegenüber stets darauf hingewiesen, daß die Politik Dr. Herzls und des Zionismus die sei, die Mächte und die Pforte davon zu überzeugen, daß die vom Zionismus vorgeschlagene Lösung der Judenfrage der einzig gangbare und ehrenvolle Weg sei, vorteilhaft in gleicher Weise für die Juden, die Mächte und die Türkei, und daß wir daher auf dem Wege politisch-diplomatischer Verhandlungen zu einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu gelangen hoffen. . Die Kolonien in Palästina habe ich immer nur als Beweis dafür angeführt, daß die Juden und das .Land sich für Landwirtschaft eignen. Daß aber der Weg über eine Plattform im Lande führen könnte, habe ich niemals für möglich gehalten. Ich habe also unsern Gegnern nicht mit „Phrasen" geantwortet, wenn man nicht auch die Argumente Theodor Herzls mit diesem schmückenden Beiwort belegen will. Ganz ergebenst Dr. Klee. Amerika Die Federation of American Zionists versendet die Einladungen zu ihrer Jahreskonferenz vom 29. Juni bis 4. Juli in Tannersville. Das Einladungszirkular weist darauf hin, daß zwei sehr wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen: die Einleitung praktischer Palästinaarbeit auch in Amerika, und die Reorganisation der amerikanischen Föderation. Insbesondere der erstgenannte Punkt würde voraussichtlich eine eingehende Besprechung notwendig machen. Das Zirkular spricht die Erwartung aus, daß auch die amerikanische Organisation sich nunmehr dazu entschließen würde, die reale Arbeit in Palästina mit allen Mitteln zu fördern. Nach den bisher eingegangenen Berichten ist ein starker Besuch der Konferenz zu erwarten. Texas Der Süden der Vereinigten Staaten dürfte infolge der neuerlichen Bestrebungen der amerikanischen Regierung und der deutschen Schiffahrtsgesellschaften, die Einwanderung von New-York dorthin zu lenken, bald auch für die russisch-jüdische Einwanderung von erhöhter Wichtigkeit werden. Schon jetzt wird berichtet, daß die , Immigration russischer Juden, nach Texas an. Umfang gewonnen hat. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß auch in diesem Lande die zionistische Bewegung festen Fuß gefaßt hat und von Tag^ zu Tag an Bedeutung gewinnt. Vor uns liegt die erste Nummer von „The Jewish Hope", einer Monatsschrift, die seit dem. 1. Mai von der Texas Zionist Association in San Antonio herausgegeben wird. Das neue Organ, das sich auch äußerlich sehr vorteilhaft repräsentiert, bringt in seiner ersten Nummer eine Reihe interessanter Notizen, denen wir folgendes entnehmen: . Zionistische Vereine bestehen in Texas schon seit einigen Jahren. Am 31. Dezember verflossenen Jahres fand auf Veranlassung der Houston Zionist Society eine Zusammenkunft aller zionistischer Vereine in Texas statt, auf der beschlossen wurde, die sämtlichen Vereine zu einer Texas Zionist Association zu vereinigen. Die neue Organisation bezweckt, die Agitation für den Zionismus in Texas planmäßig und einheitlich zu betreiben und eine Zentrale des Zionismus für den ganzen Süden der Vereinigten Staaten zu bilden. Seit dieser Zusammenkunft hat der Zionismus in Texas einen erfreulichen Aufschwung genommen. Vereine bestehen heute in Houston, Galveston, Beaumont, San Antonio, Dallas, Waco, Fort Worth und Tyler. Vorsitzender der Association ist Dr. J. Friedlander, Beaumont, Vorsitzender der PropagändakommissionL. A.Freed, San Antonio. The Jewish Golonial Trust (Jüdische Kolonialbank), Limited, LONDON. Geschäftsbericht nebst Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 1905. Das verflossene Geschäftsjahr, welches sich in den ersten 8 Monaten recht gut anließ, hat unsere Erwartungen leider nicht erfüllt. Wir waren im Herbst infolge der beklagenswerten Ereignisse in Rußland gezwungen, unsere russischen Geschäfte zunächst wesentlich einzuschränken, alsdann fast gänzlich einzustellen und diesem Umstände in Verbindung mit dem Rückgang der russischen Valuta ist es zuzuschreiben, daß der Gewinn hinter dem vorjährigen zurückblieb. Die von unsern russischen Remissiers eingegangenen günstigen Berichte betreffs der Bonität unserer Ausstände lassen uns zwar bestimmt erwarten, daß, wenn nicht ganz unvorhergesehene Ereignisse eintreten, Verluste nicht zu befürchten sind; trotzdem aber hat es das Direktorium, auch mit Rücksicht auf die Unsicherheit der russischen Valuta, für richtig erachtet, ,£2000 dem Gewinn zu entnehmen und auf die Reserve für Dubiose zu übertragen. Ein fernerer Betrag von £2000 ist dem Gewinn entnommen, um die durch Beschluß des Aufsichtsrates und Direktoriums im Herbst a. p. bewilligte Spende von £2000 für die jüdischen Opfer der russischen Unruhen zu decken. Nach Abschreibung dieser £4000 verbleibt ein Nettogewinn von £1746 4 0 zuzüglich 272 2 6 Gewinnvortrag ex 1904 zusammen £2018 6 6 über deren Verwendung die Generalversammlung zu beschließen haben wird. Unsere Kontokorrent- und Diskontogeschäfte mit levantinischen Firmen haben an Umfang zugenommen. Auch haben wir eine Anzahl belgischer und holländischer Diairianthändler zu Kunden bekommen, welche recht befriedigende Umsätze mit uns gemacht haben. Diese Geschäfte dürften sich mit der Zeit noch weiter entwickeln. Der Überweisungsverkehr nach Rußland für englische und südafrikanische Kundschaft hält sich ziemlich auf , derselben Höhe, womit wir in Anbetracht der starken Konkurrenz der Post zufrieden sein dürfen. Die Filiale im East-End hat sich während der sieben Monate ihres Bestehens recht gut entwickelt. Die Hauptumsätze bei derselben bestanden aus Depositenverkehr, kommissionsweisen An- und Verkauf und Bevorschussung von Wertpapieren und Geldüberweisungen nach Rußland. Alle diese Geschäfte sind zwar nur mit sehr bescheidenem Nutzen verknüpft, wir hoffen aber, daß bei weiterer Ausdehnung des Kundenkreises sich die Filiale bald. als gewinnbringend erweisen wird. Nach wie vor bleibt das russische Geschäft die Basis unserer geschäftlichen Operationen und hoffentlich bietet sich uns bald die erwünschte Gelegenheit, dasselbe in .ruhiger und vorsichtiger Weise wieder aufzunehmen. London, März 1906. Das Direktorium: (gez.) Dr. N. Katzenelsohn, Präsident.