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Die Welt · 1906-06-08 · 23 (8.6.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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16 DIEX&ELT No. 23 nsnon L^asssE v^= VERSCHIEDENES ©äJ Unterbringung jüdisch-russischer Waisenkinder Das New-Yorker Hilfskomitee für die russischen Juden hat sich am 7. Mai in einem Schreiben an den Einwanderungskommissar in Washington Herrn Frank P. Sargent gewandt, um seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß die blutigen Vorgänge in Rußland im Oktober vorigen Jahres eine große Anzahl Kinder zu- Waisen gemacht hätten. Die in den einzelnen Gemeinden zurückgebliebenen jüdischen Einwohner waren so verarmt durch den Aufruhr und die damit zusammenhängende Plünderung, daß sie für die Waisenkinder nicht würden sorgen können. Man wandte sich an die westeuropäischen und amerikanischen jüdischen Gemeinden, mit der Bitte, diese unglücklichen Kinder unterzubringen. Die Anfrage des New-Yorker Komitees hatte das Ergebnis, daß aus dem ganzen Lande Hunderte von Heimstätten für diese Kinder angeboten wurden; man war überall bereit, sie aufzunehmen, und in vielen Fällen bereit, sie zu adoptieren. Da nun das amerikanische Einwanderungsgesetz für Kinder, die ohne Eltern dorthin kommen, besonders streng ist, wandte sich das Komitee direkt an den Einwanderungskommissar mit dem Vorschlag, daß es gestattet werde, 100 Waisenkinder mit der Voraussetzung einzuführen, daß sie alle vollständig normale Kinder wären, und daß ein jedes bei einer Familie untergebracht werden solle, von der es wisse, daß sie pekuniär verantwortlich und moralisch einwandsfrei dastünde. 'Das Komitee und seine einzelnen Mitglieder sowie viele andere waren bereit, der Einwanderungsbehörde jede Versicherung und die Verpflichtung für jeden Betrag zu leisten, daß diese Kinder der öffentlichen Unterstützung nie zur Last fallen würden; es legte dar, daß es zunächst die genauen gesetzlichen Grenzen einhalten, dabei aber auf das eminent humane Werk hinweisen wolle, das durch die Gewährung jeder Erleichterung für die sofortige Aufnahme und richtige Fürsorge dieser unglücklichen Waisen bewilligt werden könnte. Darauf hat nun Herr Sargent schfen am 8. Mai ein Antwortschreiben abgesandt, n dem es u. a. heißt: In Erwiderung Ihres Schreibens vom 7. Mai beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich aufs herzlichste die Arbeit, die Ihr Komitee unternommen hat, begrüße. Sicherlich werden Sie niemand finden, der Sie kräftiger in der Ausführung Ihres Vorhabens als ich unterstützen wird," insoweit dies mir unter den Gesetzen und Vorschriften, die Einwanderung betreffend, möglich ist. Kinder, die ihrer Eltern beraubt wurden, und die dadurch hilflos in der Welt geblieben sind, fordern meine stärkste Sympathie heraus. Was wir verlangen werden, ist, daß die Kinder, die nach den Vereinigten Staaten durch den Einfluß Ihres Komitees und unter den Bedingungen, die Sie dargelegt haben, kommen, den schützenden Arm Ihrer Vereinigung von dem Augenblick, wo Sie Europa verlassen, bis sie ihren Bestimmungsort erreicht, um sich haben sollten. Während alle der Inspektion, die durch das Gesetz vorgeschrieben ist, sich werden fügen müssen, so wird Ihr Vertreter an der Ankunftsstelle durch die Kenntnis der Umstände, die er durch Sie haben wird, und durch die Tatsache, daß diese Kinder streng unter den Bedingungen, die in Ihrem Schreiben mitgeteilt sind, kommen, in der Lage sein, sofortige und richtige Entscheidung in jedem einzelnen Falle herbeizuführen. Es besteht ein ungeheurer Unterschied zwischen dem Herüberbringen von Kindern in dem Geist, der die Handlungsweise Ihres Komitees veranlaßt, und dem, der so deutlich durch diejenigen hervortritt, die Kinder zu dem Zweck hinüberbringen, um Arbeiter aus ihnen zu machen, ohne daß sie die Vorteile des häuslichen Einflusses und der Erziehung gehabt haften. . . . Das Bureau wird fortfahren, strenge und genaue Untersuchungen in allen Fällen anzustellen, wo Kinder ohne ihre Eltern kommen, oder in Fällen, wo sie an Personen adressiert sind, die gesetzlich für ihre Verpflichtungen nicht verantwortlich sind. — Aber in den Fällen, die Sie erwähnen, wo Kinder durch Verfolgungen, die die Eltern betroffen haben, Waisen geworden sind, und wo Ihr Komitee ein Heim für sie gefunden hat, wird die Tatsache, daß Sie sie hierher gebracht haben, meiner Ansicht nach kein Mißverständnis aufkommen lassen. Auf dieses Schreiben hin hat das New-Yorker Komitee am 9. seinen Dank für den außerordentlich sympathischen Brief vom 8. ausgesprochen; es fand das Entgegenkommen, wenn auch dabei die strenge Befolgung des Gesetzes beabsichtigt war, sehr anerkennenswert. Der wirtschaftliche Wert der Sinai-Provinz Von einer Persönlichkeit, die vor einiger Zeit eine Reise nach der Sinai-Halbinsel gemacht hat, erhält die „Frankf. Ztg." folgende Mitteilungen, die in Anbetracht des letzten Grenzstreites zwischen der Türkei und England von besonderem Interesse sind: Abgesehen von mineralischen Schätzen, über deren Vorhandensein Zuverlässiges nicht bekannt ist, dürfte die Sinai-Provinz keinen besonderen wirtschaftlichen Wert haben. Der bergige Süden, in dem das berühmte Sinaikloster liegt, und das Gebiet der ägyptischen Pilgerstraßen sind im wesentlichen Sand- und Steinwiisten die nur etwa 5000 Beduinen Nahrung gewähren. Besser ist der Nordrand der Provinz — der Küstenstreifen am Mittelländischen Meere, doch ist auch über den Wert dieses Gebietes gegenwärtig noch wenig bekannt, so daß hier nicht näher darauf eingegangen werden kann. Für die Gouvernementsstadt El-Arisch, den früheren Grenzort, gibt der offizielle Regierungsbericht eine Bevölkerung von ungefähr 4500 Einwohnern — für den nördlichen Küstenstreifen (abgesehen von der Stadt) eine solche von 9000 an. Kenner des Landes sind der Ansicht, daß diese Ziffern nur etwa zwei Drittel der tatsächlichen ausmachen, und führen die abweichenden Regierungsangaben darauf zurück, daß die Bewohner sich gern der Registrierung entziehen, um nicht zum Militärdienst und zu Steuern herangezogen zu werden. Gegenwärtig werden zwar in- El-Arisch (das ganze Sinaigebiet wird als „Gouvernement El-Arisch" bezeichnet) weder Zölle noch Steuern erhoben, und auch von der ägyptischen allgemeinen Wehrpflicht (von der man sich dort durch einmalige Zahlung von 20 ägyptischen Pfund loskaufen kann) wird dort kein Gebrauch gemacht. Aber die Bevölkerung fürchtet — und vielleicht nicht mit Unrecht —, daß dieser paradiesische Zustand sich ändern werde, sobald das Land sich einigermaßen gehoben haben würde. Die Entziehung von der Registrierung wird den Leuten auch noch dadurch erleichtert, daß sie nicht eigentlich ganz „landesansässig" sind. Die meisten von ihnen beschäftigen - sich neben ihrer primitiven Landwirtschaft mit Kameltransportwesen und mit Viehzucht, — beides Beschäftigungen, die die Bewohner des Landstriches bis nach Nordsyrien und bis nach dem eigentlichen Ägypten führen, — und auch sonst beschäftigen sie sich vielfach außer Landes, z. B. bei der Gersten- und Weizenernte des gesegneten Hinterlandes von Gaza. Trotz dieser Verhältnisse aber, die nicht gerade einen hohen Wert oder Kulturzustand des Landes verraten, ist sicherlich noch nicht das letzte Wort über diesen unbekannten Landstrich gesprochen. So wie El-Arisch östlich, liegt die Mareotis westlich vom Nildelta, und in diesem gleichfalls unbekannten und gleichfalls scheinbar wertlosen Gebiet hat der Khedive in den letzten Jahren Arbeiten vornehmen lassen, durch die wie mit einem Schlage klar geworden ist, daß das ganze ägyptische Mittel meergebiet zwischen Alexandria und dem Hochland von Barka wieder Kulturland werden wird. — Dasselbe ist zweifellos mehr oder weniger auch in diesem östlichen Küstenstreifen möglich, und schon jetzt spricht man davon, daß der Khedive auch diesem Landstrich sein Interesse zuwenden will. Briefkasten der Redaktion T., Drohobycz. Wenden Sie sich an das Landeskomitee für Österreich, Wien IX, Türkenstraße 9. Lehrerkonferenz Braila, Dr. BL,Konstantinopel, SchekelVersammlung Hamburg: Herzlichen Dank. Zionsgruß. W. Da wir - auf Wunsch vieler Leser — in dieser Nummer einen sehr ausführlichen Bericht über den io. deutschen Delegiertentag bringen, mußten einige Artikel, Korrespondenzen, Nachrichten usw. zurückbleiben. Die Redaktion. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln

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