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Die Welt · 1906-06-08 · 23 (8.6.1906) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. KÖLN, 8. Juni 1906 p-llrf? T^HH lü No. 23. Die Landsmannschaften und Föderationen werden auf das dringlichste ersucht, die ihnen unterstehenden Ortsgruppen und Vertrauensmänner zu veranlassen, die Schekelabrechnung umgehend vorzunehmen. Da die Bücher des A. C. mit dem 30. Juni abgeschlossen sein müssen, muß die Gesamtabrechnung der Landsmannschaften und Föderationen über den diesjährigen Schekel bis spätestens Ende Juni beim Zionistischen Centraibureau, Köln, Ubierring 23, erfolgen. Sämtliche Geldbeträge sind wie immer an den Jewish Colonial Trust, London, direkt abzuführen. Köln, den 6. Juni 1906 Zionistisches Centraibureau \t i^*W^*W*M*Vl>^ ri,^a/V^iu^iii,^ |^^H^I^ll*^%M BERICHT ÜBER DEN ZEHNTEN DELEGIERTENTAG DER DEUTSCHEN ZIONISTEN An der zehnten Landeskonferenz der deutschen Zionisten, die am 4. und 5. Juni zu Hannover tagte, nahmen etwa 100 Delegierte teil. Nachdem bereits Sonntag, den 3., nachmittags, eine Konferenz der Leitung der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", des „Zentralkomitees", stattgefunden hatte, fanden sich Sonntag abends die Delegierten bei einer zwanglosen Zusammenkunft ein, die zu privatem Meinungsaustausch benutzt wurde, und die der zionistischen Ortsgruppe Hannover Gelegenheit gab, ihren überaus zahlreichen Gästen einen herzlichen Willkomm zu entbieten, den sie dankend erwiderten. Es sei schon bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß die Arrangements, die die Ortsgruppe Hannover für den Delegiertentag getroffen hatte, geradezu musterhaft waren, und daß die außerordentlich liebenswürdige Unterstützung, die die Delegierten, die Versammlungsgäste, die Presse usw., durch die Damen und Herren des Vorbereitungskomitees fanden, den wärmsten Dank verdiente. — Der Konferenzsaal, in dem Montag vormittag die Tagung eröffnet wurde, war sehr geschmackvoll drapiert, und für die Bequemlichkeit des Bureaus, der Delegierten und des das letzte Plätzchen füllenden Publikums war aufs beste gesorgt worden. Es war eine überaus stattliche Versammlung, die der Präsident der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland1', Rechtsanwalt Dr. Boden heim er, begrüßen konnte. Die hervorragendsten deutschen Zionisten waren anwesend, und alle waren von dem ernstesten Wunsche erfüllt, die Tagung zu einer würdigen und fruchtbaren zu gestalten. Um 9*|4 Uhr begann die erste Sitzung mit der Eröffnungsrede des Präsidenten der Z. V. f. D., Rechtsanwalts Dr. Bodenheimer Hochverehrte Versammlung! Indem ich Sie herzlichst hier begrüße, freut es mich, feststellen zu können, daß sich heute zum zweitenmal ein Delegiertentag der deutschen Zionisten in dieser schönen Stadt versammelt, die durch die Anhänglichkeit an ihre große Vergangenheit berühmt ist. Nur eine kleine Zahl von Delegierten war es, welche sich vor acht Jahren hierselbst zusammenfanden, um an dem Ausbau unserer Organisation in Deutschland zu arbeiten. Stattlich ist die Zahl der Delegierten nunmehr, welche mit demselben Eifer und derselben Treue und Begeisterung im Dienste unserer Sache tätig sind. Eine historische Bedeutung hat dieser Delegiertentag hauptsächlich darum, weil er als der zehnte eine Reihe von Tagungen abschließt, welche in stetigem Aufstieg den Sieg eines großen Gedankens, eines erhabenen Menschheitsideals über das Vorurteil, die Spottsucht und kleinliche Nörgelei einer feindlichen Clique darstellt. Zehn Jahre sind es auch, seit sich in Köln am Rhein eine kleine Zahl begeisterter Männer zusammentat, um eine national-jüdische Vereinigung zu gründen, deren Zweck sein sollte, die zerstreuten Zionisten Deutschlands unter einer gemeinsamen Flagge zu vereinigen und ihre Schar durch eifrige Propaganda zu mehren. Drei in ihrer scharfen kategorischen Sprache unzweideutige Thesen enthielten das Postulat des jüdischen Volkstums, des jüdischen Staates und des jüdischen Landes. Diese Organisation war die einzige Gruppe, welche in Deutschland bereit war, den „Weckruf4 Herzls an das „schlafende Judentum" mit einem begeisterten Echo zu begrüßen. In Bingen war es, wo der erste Delegiertentag stattfand. Klein, in einer engen Stube, aber mit ernstem Inhalt tagte die Versammlung; galt es doch, Stellung zu nehmen zu der Idee eines allgemeinen Kongresses, welche Dr. Herzl machtvoll entrollt hatte. Ein harter Kampf erwartete die heimkehrenden Delegierten: ein Kampf, der nicht immer mit lauteren Mitteln geführt wurde. Noch heute stehen uns manche dieser Gegner skeptisch gegenüber; aber die Streitaxt, welche sie früher so kampfesfreudig gegen uns geschwungen, haben sie, Gott sei es gedankt, längst niedergelegt. Von dieser Zeit ab haben wir in regelmäßiger Wiederkehr Jahr für Jahr unsere Reihen gemustert, unsere Organisation ausgebaut und in heißem Redetournier unsere Anschauungen über Zionismus nnd unsere Stellung als deutsche Juden innerhalb der Bewegung geläutert. — Da kam der härteste Schicksalsschlag, der unser armes Volk seit Jahrhunderten getroffen: der allzurasche Tod unseres gefeierten Führers. Noch wühlt der Schmerz hierüber grenzenlos in unseren Herzen, und die Erinnerung an die Zeit, wo seine edle Heldengestalt die Wogen der Leidenschaft

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