Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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holländischen Landesorganisation verwendet Wir stehen daher mit diesen Organisationen in ständiger Fühlung. Eine Reihe von Plänen haben wir leider fallen lassen bezw. zurückstellen müssen, so die Gründung eines Jtigendvereins (Herzlbund für die jüdische Jugend) und die Herausgabe eines zionistischen Adreßbuches. Die Tätigkeit der Innenarbeitskommission des Hamburger Delegiertentages hat in diesem Jahre vollkommen geruht. Der Gedanke muß aber wieder aufgenommen werden, da er für die Ausbildung der Parteigenossen in den Fragen der zionistischen Idee dringend notwendig ist. Auch in diesem Jahre haben wir besonder Aufmerksamkeit der Agitation für den Jüdischen Nationalfonds gewidmet. Unsere Erfolge können als zufriedenstellend bezeichnet werden. Wir verweisen hierfür auf den eingehenden und detaillierten Bericht unserer Nationalfondsverwaltung. Die Gesamtsumme der Spenden für den Nationalfonds und seine Unterabteilungen betrug 23 100 M., die der sonstigen Sammlungen 22 600 M., zusammen 45 700 M., gegen 37 800 M. im Vorjahre. Die Zentralsammelstelle für Materialien zu Gunsten des Nationalfonds arbeitet unter der bewährten Leitung der Frau Dr. Joel in Lübeck rastlos weiter. Auch die Leistungen der Shareklubzentrale sind, seit dieselbe nach Hamburg verlegt und unter die Leitung des Herrn Moritz Goldschmidt gestellt ist, überaus zufriedenstellend. Für beide Institutionen verweisen wir ebenfalls auf die nachfolgenden Sonderberichte. Ober unser Kassenwesen können wir einen Bericht diesmal nicht liefern, da unser Etatsjahr erst am 30. Juni schließt, und da die Schekel- und Landesbeiträge erst in den allerletzten Wochen, vielfach sogar erst lange nach Schluß des Etatsjahres, eingehen. Wir konnten daher auch erst am 22. Januar 1906 die endgültige Abrechnung für das Etatsjahr 1904 1905 geben. Um ein Bild von unserer finanziellen Lage zu geben, geben wir im folgenden eine kurze Übersicht über das Etatsjahr 1904 1905. Einnahmen: Landesbeiträge 3138 Mk. Zurückbehaltener Anteil an Schekelgeldern 1372 „ Summa: 4510 Mk. Ausgaben: 4069 Mk. Überschuß: 441 Mk. Wir hatten somit im Etatsjahr 1904 1905 einen Überschuß von 441 Mk., der unseren Betriebsfonds von 1159 Mk. auf 1600 Mk. erhöhte. Ob dieses günstige Verhältnis auch im laufenden Jahr erreicht worden ist, läßt sich noch nicht übersehen. Wir hoffen es umsomehr, als der Betriebsfonds von 1600 Mk. für unsere Bedürfnisse noch nicht einmal ausreicht da wir, wie bereits bemerkt, unsere Einnahmen meist erst am Schluß des Etatsjahres erhalten, .während die Ausgaben das ganze Jahr hindurch fortlaufen. Aus den oben angegebenen Gründen können wir auch keinen Bericht über den Eingang der Schekelgelder geben. Wir sind aber überzeugt, daß das Endergebnis ein gutes sein wird, da die Idee des Schekeltages der Schekelsammlung einen großen Impuls gegeben hat. Zur Erleichterung der Schekeleinziehung haben wir in diesem Jahre 1000 neue Blocks ausgegeben, die zweckmäßig eingerichtete Abschnitte für Schekel und Landesbeitrag sowie einen Talon zur Fertigstellung der Schekelzahlerliste enthalten. Die Deckelseiten der Blocks haben wir benutzt, um den Vertrauensmännern die wichtigsten Daten über die Geschichte und den Umfang unserer Bewegung in die Hand zu geben. Unsere Tätigkeit ist durch mannigfache Umstände gehindert worden. Wir hatten einerseits mit einer gewissen Ermüdung zu kämpfen, die im Herbst 1905 unsere Parteigenossen ergriffen hatte, anderseits sind unsere finanziellen Kräfte durch die' notwendig gewordene Sammlung für unsere russischen Brüder angestrengt worden. Trotzdem hat die regelmäßige Arbeit für die Agitation und für den Ausbau unserer Parteiinstitutionen nie nachgelassen. Wir sehen hierin eine Gewähr dafür, daß unsere Arbeit nicht nutzlos gewesen ist und hoffen, daß dieselbe in späteren Jahren weitere Ergebnisse zeitigen wird. H a n t k e. L e s z y n s k \\ S i m o n s o n. Wo 11 stein er. II. Sonderbericht über die Tätigkeit der Gruppenverbände und Ortsgruppen Für den Fortschritt unserer Bewegung ist eine systematische Arbeit nicht nur in den formell konstituierten Ortsgruppen, sondern insbesondere in denjenigen Städten dringend erforderlich, wo es bjsher nur wenig oder keine organisierten Zionisten gibt. Da diese Aufgabe in zweckentsprechender Weise nicht von der Zentrale aus erfüllt werden kann, hat der Delegiertentag in Hamburg diese wichtigste Tätigkeit den „Gruppenverbänden" zugewiesen. Sache des Zentralbureaus ist es, die Anregungen zu einer wirksamen Agitation zu geben und das Agitationsmaterial zur Verfügung zu halten. Das Zentralbureau hat demgemäß die Gruppenverbände und Ortsgruppen durch eine Reihe von Rundschreiben darauf hingewiesen: 1. wie überhaupt die Agitation in zweckentsprechender Weise zu betreiben ist, 2. was in speziellen Fällen und zu bestimmten Zeiten unternommen werden muß. Außerdem hat das Zentralbureau die Verbände und Gruppen mit Broschüren und Flugblättern, Nationalfondsbüchsen, Nationalfondstelegrammen, Nationalfondsmarken etc. soweit erforderlich, versehen. Die Ausführung der Anregungen dagegen seitens des Zentralbureaus muß den Verbänden und Gruppen überlassen bleiben. Dementsprechend haben die Gruppenverbände Hansestädte, Posen und Freiburg die Agitation innerhalb ihrer Bezirke ganz selbständig betrieben. Von Hamburg aus sind, obgleich im Bezirk nur wenig Juden wohnen, die Ortsgruppen Kiel und Bremerhaven gegründet und Vertrauensmänner in Rostock und Kuxhaven gewonnen worden. Der Gruppenverband hat auch die Shareklubzentrale, die Sammelstelle für Materialien und den Vertrieb der Nationalfondstelegramme übernommen. Der Gruppenverband Posen hat, obgleich ihm nicht viel Kräfte zur Verfügung stehen, 5 neue Ortsgruppen gegründet und 5 Vertrauensmänner in kleineren Orten gewonnen. Auch im Bezirk der Verbände Breslau und Oberschlesien sind Erfolge erzielt worden. Es sind je eine Gruppe gegründet und je ein Vertrauensmann gewonnen worden. Freilich mangelt es daselbst an einer genügenden Zahl von Agitationsrednern, so daß immer und immerwieder dieselben Rednerin Betracht kommen. Das Zentralbureau hat zu Beginn der Wintertätigkeit eine Rednerliste veröffentlicht und auch versucht, einzelne Redner zur Veranstaltung von Tournees zu veranlassen. Letzteres hat sich leider nicht ausführen lassen, es ist aber bereits für den nächsten Winter eine Lichtbildertournee in Aussicht genommen. Bei Einzelvorträgen auswärtiger Redner stehen meist die unverhältnismäßig hohen Kosten hindernd im Wege. Es ist aber anzuerkennen, daß in Schlesien die Agitation systematisch vorbereitet worden ist. Auch verspricht die regelmäßige massenhafte Versendung von Flugblättern Erfolg. In Ostpreußen ist im verflossenen Jahre ein großer Teil der Arbeit auf die russische Auswanderung verwandt worden. Aber gerade dadurch ist das Interesse am Zionismus auch bei bis dahin Fernstehenden geweckt worden. Der neugegründete Gruppenverband Brandenburg-Pommern hat seine Tätigkeit durch Gründung der Gruppen Frankfurt a. O. und Eberswaide-Messingwerk, sowie durch die Gewinnung einesVertrauensmannes in Spandau erfolgverheißend begonnen. Dagegen hat sich der Gruppenverband Berlin leider nicht konstituiert, so daß in seinem Bezirk außer Berlin nur die Gruppen Leipzig und Dresden arbeiten. Im Gruppenverband Hannover hat sich die Ortsgruppe Göttingen gebildet. Der Gruppenverband selbst leidet unter einer allzu autonomen Verfassung seiner Ortsgruppen. Den Verbänden Rheinland-Westfalen, Mannheim, Elsaß-Lothringen und Freiburg ist gemeinsam, daß sie eine große Anzahl von Vertrauensmännern in den kleineren Städten besitzen, die häufig genug die einzigen Zionisten an dem betreffenden Ort sind. Es nimmt daher kein Wunder, wenn immer wieder Vertrauensmänner in einzelnen Orten gewonnen werden und andere dafür verloren gehen. Infolge der großen Entfernung ist die Einwirkung der Zentrale erschwert. Auch haben viele Gruppen nur Beziehungen zu ihren Verbandsvororten. Es wäre wichtig, wenn die Vertrauensmänner wenigstens mit dem Vorstand des Gruppenverbandes in regelmäßiger Verbindung ständen. In Rheinland ist die Ortsgruppe Mayen gegründet und beginnt energisch zu arbeiten. Die westfälischen Gruppen leiden unter persönlichen Differenzen, die schnellstens beseitigt werden müssen. Der Gruppenverband Mannheim macht Fortschritte, besonders in Frankenthal, Karlsruhe und Heidelberg. Auch in Elsaß-Lothringen sind eine Reihe neuer Orte gegründet worden. Der Gruppenverband Bayern hat in den Städten München, Regensburg, Nürnberg-Fürth und Würzburg erhebliche Fortschritte gemacht. Es wird daselbst regelmäßig und systematisch gearbeitet. Der Erfolg ist umso anerkennenswerter, als Bayern ursprünglich die Hochburg antizionistischer Gesinnung war. Das Zentraibureau ist bemüht, die Gruppenverbände und die Ortsgruppen auf jede Gelegenheit hinzuweisen, die sich zur Erweiterung unserer Organisation bietet. Meist werden große Hoffnungen auf die Veröffentlichung von Rednerlisten gesetzt. Diese Hoffnung ist eine irrige. Wir haben in den beiden Berichtsjahren unseres Bestehens umfangreiche Listen veröffentlicht. Sie sind aber wenig benutzt worden. Die Veran-