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Die Welt · 1906-06-01 · 22 (1.6.1906) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG X. JAHRG. KÖLN, 1. Juni 1906 p~rtr6?Wtf }VD"n No. 22. ZIONISTEN IN DER DUMA Der Fachmann für Auslandspolitik im „Woschod", Herr Schmi, hat die Äußerung der „Welt" über die Bedeutung der Zionisten in der Duma und die Haltung, die sie dort einzunehmen haben, zu einem Ausfalle gegen den Zionismus überhaupt benutzt. Da nun der „Woschod" gewissermaßen das Organ der jüdischen, liberalen Bourgeoisie ist, an deren Spitze jetzt die Herren VVinawer, Sliosberg usw. stehen, so ist die Polemik des Publizisten im „Woschod" charakteristisch für die jetzige innere jüdische Politik. Wir haben in der „Welt" (No. 18 d. J.) gesagt: „Was werden die Zionisten in der Duma machen? . . . Wird ihre Politik* den Zionismus einschließen? Manche Politiker werden darüber wahrscheinlich die Achseln zucken. Was ist der russischen Duma der Zionismus? Ist er denn eine innere Angelegenheit Rußlands oder der russischen Juden? Und wir antworten — ja. Die zionistischen Abgeordneten werden in der Duma den Zionismus zu vertreten haben. Zionismus heißt nicht bloß die territoriale Seite der Frage. Zionismus heißt nicht nur der formelle Programm-Zionismus. . . . Die Grundlage des Zionismus, die Integrität, die Ehre und die Vollberechtigung des jüdischen Volkes werden sie verteidigen müssen." Das Problem ist hier ziemlich klargestellt. Jeder, der verstehen will, wird ohne weiteres verstehen, daß wir durch die Reduzierung unseres Programms es nicht aufgegeben haben. Indem wir sagten: „Die Grundlage des Zionismus ist die Integrität des jüdischen Volkes," haben wir die ganzeTheorie desZionismus ineinemWorte kondensiert. Der geschätzte Publizist des „Woschod" meint ziemlich naiv: „Entweder ist der Zionismus Zionismus, oder er ist es nicht." Wir wollen dieser Binsenwahrheit nicht an den Leib rücken. Aber es wTäre vor allem ein logischer Fehler, diese „Wahrheit" in die Form des Satzes „exclusi tertii" zu kleiden, um dadurch uns in die Enge zu treiben. Hier handelte es sich gar nicht um eine Gegenüberstellung zweier, einander ausschließenden Prinzipien, sondern um eine Erweiterung, Ausdehnung, Analyse eines bereits gegebenen Begriffes. Herr Schmi will uns sozusagen eine Antinomie des Begriffes des Zionismus vor Augen führen. Der Zionismus, meint er, habe ja ein festes Programm, ein festgelegtes, festgefügtes. Er dürfe deshalb davon nicht abweichen. Der Zionismus soll aber nun, nach unserer Auslegung, eine, viel weitere und breitere, über seinen Rahmen hinausgehende Tätigkeit entfalten, — ergo ein Widerspruch, eine Antinomie. Hoffentlich aber weiß es Herr Schmi, wie leicht solche Antinomien aufzulösen sind. Die Auflösung kommt von selbst, indem die Begriffe des Zionismus und der Gegenwartsarbeit, die wir von den Zionisten als solchen verlangen, richtig verstanden werden. Wir wollen es in einer weniger abstrakten Form sagen. Herr Schmi nimmt an, eine politische Bewegung müsse und könne einseitig und exklusiv sein. In seinem jahrelang dauernden Kampf gegen den Zionismus hat er dennoch den wahren Charakter der Bewegung nicht erfassen können. Für ihn wie für die meisten Gegner des Zionismus nach der einen oder nach der andern Seite ist der Zionismus eine einseitige „Emigrationsbewegung". Sie heben hervor, daß das Baseler Programm ausschließlich von der Schaffung einer ö.-r. Heimstätte in Palästina spricht, wodurch die Grenzen der Bewegung klar und unverrückbar gesteckt sind. Jede Überschreitung dieser Grenze ist Ueberwindung des Zionismus. Und diese Anschauung wird durch die Auslegungen mancher streng-nationaler Theoretiker bestärkt, die auch eine exklusive, auf die Sicherung des Nationalwesens oder des Geistes der Nation gerichtete Politik vertreten. Der gesunde Sinn der Zionisten hat es schon längst eingesehen, daß diese Grenzsteckung eine willkürliche, ja eine dem Geiste des Programms widersprechende sei. Der Zionismus ist ja nicht bloß eine politische Bewegung, die nur einen Punkt der Tagesordnung hat, ein „mot d'ordre". Er ist auch keine „soziale" Bewegung, die nur in der Richtung einer bestimmten Interessenlinie sich bewegen kann. Er ist auch keine ethischkulturelle Bewegung, die auf Fragen psychischen Wertes hinarbeitet. Der Zionismus ist eine Volksbewegung. Und deshalb umfaßt er alle Interessen, alle Kreise und Richtungen des jüdischen Lebens. Ebenso wie die „Risorgimento-Bewegung" in Italien

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