Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 21 NACHRICHTEN DIE ELT 19 Gegen die jüdische Einwanderung nach Cypern Athen, 17. Mai. Hiesige Blätter melden aus Cypern, daß dort die Erregung der Griechen gegen die von den englischen Behörden unterstützte Ansiedelung von Juden andauert. Volksversammlungen zur Bekämpfung der Ansiedelungen haben stattgefunden und die Beschlüsse derselben sind in sehr bestimmtem Tone abgefaßt. Die Ansiedelungen, heißt es in einer Resolution, seien für die Griechen eine nationale und wirtschaftliche Gefahr. Die russischen Bauern für die Gleichberechtigung der Juden In einer Sitzung der Fraktion der Duma, die sich Arbeitsgruppe nennt, wurde die Frage wegen der Gleichberechtigung der Nationaliräten, im besonderen der Juden, aufgeworfen. Ein Bauer mit mehreren Medaillen auf der Brust — ein Zeichen, daß er sich zu Hause der Administration angenehm zu machen gewußt hat, was in der Mehrzahl der Fälle mit direkter Verbindung mit dem „Schwarzen Hundert" identisch ist — erhob sich mit der Forderung, die Juden von der Gleichberechtigung auszuschließen und sie in ihren Rechten wesentlich zu kürzen. Andere Bauern sprachen dagegen. Als die Versammlung, um in dieser Frage endgültig ins Reine zu kommen, zum Schluß eine Abstimmung über die Stellung zur Gleichberechtigung der Juden beantragte, wurde sie vom Vorsitzenden zuerst negativ gestellt, d. h. es wurde abgestimmt, wer der Beschränkung der Juden in ihren Rechten zustimme. Es erhoben sich im ganzen drei Mann. Als die Frage umgekehrt gestellt wurde, gaben 100 Mann ihre Stimmen für volle Gleichberechtigung der Juden ab. Etwa drei bis vier Anwesende enthielten sich der Abstimmung. Eine neue jüdische Knabenschule in Jaffa Am 6. Mai d. J. wurde in Jaffa die Knabenschule eröffnet, die ler Hilfsverein der deutschen Juden daselbst begründet hat. Im ersten Schuljahr werden zwei Klassen eingerichtet; nach erfolgtem Ausbau wird die Schule sechs Klassen enthalten, die beiden obersten mit je zwei Jahrgängen. An der Schule sind vorläufig zwei tüchtige Lehrer angestellt, iierr J. Halberstädter für den deutschen und Herr Wolkomicz für den hebräischen Unterricht. Die Eröffnung der Schule im jetzigen Zeitpunkt ist von besonderer Bedeutung, weil infolge der Verhältnisse in Rußland ein starker Zuzug russischer Emigranten nach Jaffa erfolgt ist, die den ärmsten Bevölkerungsschichten angehören und für deren Kinder erzieherisch zu sorgen der Hilfsverein der deutschen Juden als eine dringende Pflicht erkannte. Unter den obwaltenden Verhältnissen wird auch der seit mehreren Jahren bereits bestehende Kindergärten des Hilfsvereins in Jaffa eine doppelt segensreiche Wirkung auszuüben berufen sein, weil nunmehr durch die Angliederung der Schule für die .Jugendbildung ein Abschluß herbeigeführt ist. Die jüdischen Abgeordneten in der Duma Am 4. Mai veranstalteten die Petersburger Zionisten im Saale ier „Freien ökonomischen Gesellschaft" eine Versammlung, in der -ie zu den Ereignissen der letzten Tage, d. h. zu den Beratungen der Duma, Stellung nahmen. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Angesichts der Tatsache, daß die russischen Juden ■-ine eigene Nationalität bilden, daß die jüdische Nationalität ihre -igenen ökonomischen, politischen und kultureilen Interessen hat, daß ferner an die aus diesen Interessen folgenden eigenartigen nationalen Aufgaben nur dann herangetreten werden kann, wenn die Gewählten der Juden in der Reichsduma der Würde und der Khre des jüdischen Volkes entsprechend handeln werden — fordert die allgemeine Versammlung der Petersburger Zionisten, daß .die jüdischen Abgeordneten sofort eine jüdisch-nationale Parlamentsfraktion bilden, und, durch innere Disziplin zusammengehalten, in allen speziell-jüdischen Fragen solidarisch vorgehen." Ein Gemeindetag in Galizien Wie verlautet, haben die führenden Persönlichkeiten der Lemberger Gemeinde beschlossen, für Ende Mai einen jüdischen Gemeindetag einzuberufen. Furcht vor Exzessen in Odessa Odessa, 22. Mai. Schon seit einigen Tagen werden Proklamationen mit Drohungen gegen die Intelligenz und die jüdische Bevölkerung verbreitet. Infolgedessen verlassen zahlreiche Familien Odessa. Die Proklamationen bestimmen als Zeitpunkt der Exzesse den 27. Mai. Amnestie verlangt für die Eingekerkerten der Selbstwehr Odessa, 19. Mai 1906. Gestern wurde folgendes Telegramm an die Adressen des Präsidenten der Reichsduma, Herrn Muromzew, des Odessaer Abgeordneten, Prof. Tschejkin und des Mitgliedes der jüdisch-nationalen Dumagruppe, Advokat Rosenbaum nach Petersburg abgesandt: „Wir ersuchen, auch die Verteidiger der jüdischen Ehre und jüdischen Eigentumes während der Pogrome, die unschuldig im Kerker schmachten, zu amnestieren. Nicht zu vergessen bei der Amnestie ist auch Pinchas Daschewsky, der für einen Mordanschlag auf Kruschewan verurteilt wurde." Im Namen der Odessaer Zionisten Dr. Sapir. Aufruf! Der jüd.-nat. Verein „Theodor Herzl" in Suczawa geht daran, ein Theodor Herzl-Heim, ein mächtiges jüdisches Zentrum, in dem der nationale Gedanke des jüdischen Volkes gepflegt und alles Jüdische im Zeichen der Renaissance eine gedeihliche Wirkungsstätte erhält, zu erbauen. Bildender und belehrender Unterhaltung sollen an geeigneter würdiger Stelle Rechnung getragen werden. Durch Errichtung einer größeren Lesehalle und Bibliothek sollen wiedererwachte jüdische Literatur und Kunst in größtmöglichstem Maße gefördert werden. Die bereits bestehenden Volksbildungskurse unseres Vereins sollen im zu erbauenden Vereinshaus eine nötige große Ausgestaltung erfahren. Sofern die Mittel des Baufonds es gestatten, soll auch ein Schülerheim untergebracht werden. Im Geiste Herzls soll das zu erbauende Haus einen „Turnsaal" zur Heranziehung eines kraftvollen Muskeljudentums in sich vereinigen. Das Theodor Herzl-Heim soll im Geiste seines unvergeßlichen Namensträgers jüdischer Volksarbeit zur Ehre und zum Nutzen gereichen und unsere Volksgenossen gemahnen an ihre Pflichten, ihrem Volke eine bessere Zukunft zu bereiten. Um dieses große Projekt der Verwirklichung zuzuführen, werden Volksgenossen und Menschenfreunde um gütige Spenden ersucht. Durch jede, auch die kleinste Spende werden sie einen Baustein legen au dem großen Werke. Darum bitten, wir: Gebet und sammelt! Geldsendungen sind mit dem Vermerk „Für den Baufonds" an Herrn IsakHaberin Suczawa zu richten. Spender, die einen Betrag bis 100 Kronen dem Baujonds zuwenden, werden ins Vereinsgedenkbuch eingetragen. Von 100 Kronen aufwärts werden die Spender auf der Gedenktafel des Vereinshauses verewigt. Die Vereinsleitung. Briefkasten der Redaktion Widdin: Besten Dank und herzlichen Glückwunsch W. Rustschuk: Besten Dank und Zionsgruß W. Markus, Fl . .z: V/enden Sie sich an Ihre Föderation oder an den Jewish Colonial Trust, London. M. F. in St.: Besten Dank! Für uns nicht geeignet. H. F. in K.: Etwa 2000. Beim Zentralbureau des jüdischen Nationalfonds in Wien sind folgende Briefmarkenspenden eingegangen: Federation Sionista Argentinia Buenos Aires. Tobias R. Schwarz Nagy Saros. Frl. Selma Ehrenstein, Wien. Theodor Broch, Wien. Insbesondere zeichnete sich die Federation Sionista Argentinia in Buenos Aires durch ihre sehr schöne und wertvolle- Sendung aus. Allen Spendern herzlichsten Dank und Zionsgruß! Marken aus Bosnien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Montenegro und Südafrika sehr erwünscht. Bei der Administration der „Welt" in Köln (sind Briefmarken eingegangen von: E. Brackelsberg & Co., Warschau, Tobias Markus in Florenz. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln