Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Zur Statistik der jüdischen Studierenden in Preußen Das 22. Heft des „Zentralblattes für die gesamte Unterrichtserwaltung in Preußen*4 enthält interessante Daten über die Konession der Schüler der höheren Lehranstalten Preußens für das iahr 1904. Im Sommersemester dieses Jahres studierten in Preußen an: Gymnas. Proi Real- Realpro- Oberj gymnas.iigymnas.ilgymiias.l; realsch. | Realschule Bv.....! 60 915 2 293; 21 674 2 053!!l 16 951 I 30 742 Kath. . . 32 466 2 202 3 782 626; 3 584! 4 579 Diss. . . .; 126 1;i 81; 13 102 jj 179 Isr.....; 6 892 222 i 2 073 103 j 1 163 j 2 221 Somit studieren von: Ii; Gymnas.!|Realschule|| j |_J_ii |; : 100 Ev. . . .!; 46,9 i 53,1;|!; 100 Kath. . . jj 73,3 26,7 j! 100 Isr. . . .jj 55,9 Jj 44,1 |j Wie daraus ersichtlich ist, neigen die Juden in Preußen mehr Lim humanistischen Studium als zum realistischen hin. Ein Monumentalbrunnen von Friedrich Beer Herr Dr. Elias aus Mülhausen schreibt uns: Die Leser der „Welt" erinnern sich wohl noch der schönen Statue unseres Gesinnungsgenossen, des Bildhauers Friedrich Beer aus Florenz, die vor zwei Jahren in der „Welt" reproduziert war. Den Bibelspruch: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen!", illustrierend, stellt sie einen Arbeiter dar, der sich den Schweiß von der Stirne wischt. Diese Statue, 5 Meter hoch und in Bronze ausgeführt, bildet nun den Hauptbestandteil eines Monumentalbrunnens, den Beer im Auftrag der Mülhausener Stadtverwaltung anfertigte und auf dem Rathausplatz in Mülhausen aufstellte. Das Beersche Werk erregt durch seine Schönheit und figurale Wucht und durch die Großartigkeit der Anlage die allgemeine Bewunderung. Mülhausen wird, wie der Vertreter der Stadt bei der am 21. April erfolgten Abnahme des Brunnens hervorhob, nie des Meisters vergessen, der den Brunnen geschaffen. Daß die industrielle Metropole des Elsaß ein Kunstwerk erhalten hat, das ihrer Bedeutung und ihrem Genius entspricht, ist nicht zum geringsten Teil das Verdienst der „Welt". Durch die „Welt" wurden vor zwei Jahren Kunstfreunde in Mülhausen auf Friedrich Beer und sein Werk aufmerksam gemacht. Durch ihre Vermittlung trat die Stadtverwaltung mit dem Künstler in Verbindung. j|ooooooooo V- <2^sr NACHRICHTEN ooooooooo Von den Wahlen in Rußland Außer der von uns bereits gemeldeten Wahl des \itgliedes des zionistischen Aktionskommitees Dr.Bruck im Duma-Abgeordneten ist ferner die Wahl des ktionskomitee-Mitgliedes Dr. Rosen bäum in IVlinsk i verzeichnen. Gesichert ist ferner die Wahl des itgliedes des zionistischen Aktionskommitees Dr. ehmarja Lewin in Wilna, für den sich die Wahlänner in einer Vorkonferenz einstimmig entschieden iben. Von sonstigen jüdischen Kandidaten ist L. Branison (Sekretär ■er Petersburger Filiale der Ica) im Kowno-Gouvernement Advokat V. Jakubsohn im Grodno-Gouvernement gewählt worden. Äußerem meldet man die Wahl des Rechtanwalts Winawer, eines der ührer der Konstitutioneil-Demokraten in Petersburg, Die Wahlen vollziehen sich nicht überall unter gleichen Beringungen. Vielfach haben die Juden in ihrer überwiegenden Mehrheit das Wahlrecht ausgenützt, besonders wo keine Ein-, -ehüchterungen erfolgten. An manchen Orten aber, wie z. B. ■ekaterinoslaw, waren die Juden dem Terror der „schwarzen i>ande" ausgesetzt, die jetzt übrigens wieder mit Erlaubnis der Zensur und unter besonders starker Agitation in Soldatenkreisen n verschiedenen Städten mit den bekannten Flugblättern arbeitet, n Odessa haben die Zionisten angesichts der Tatsache, da(3 von Seiten des jüdischen Blocks (der hierzu durch seine Solidarität mit -Jen K.-D. gezwungen zu sein erklärte) auch offenkundig judeneindliche Elemente in die Wahlmännerliste aufgenommen wurden, u einem scharfen Proteste gegen dieses Vorgehen Verwahrung ingelegt. Unter den von zionistischer Seite aufgestellten Wahl- Männern befindet sich auch Achad-Haam. An den Wahlen in Polen haben die Juden erst im letzten Momente eingegriffen. In Lodz unterlagen die Juden dem Block ler Deutschen und Polen, die die administrativen Einrichtungen zu hren Gunsten ausnutzten. In Warschau hat in aller letzter Stunde eine außerordentliche jüdische Wahlbewegung eingesetzt. ■)en polnischen Nationalisten werden jüdische und progressivdemokratische polnische Wahlmänner entgegengestellt. Von beiden Seiten wird eine fieberhafte Agitation entfaltet. Bei Schluß des Blattes steht das Resultat noch aus. Wahlmanöver in Rußland In einer ihrer letzten Nummern berichtet die „Retsch" über die Organisation des „Schwarzen Hunderts" in der Provinz. In Kvanowo-Wosnessensk (Gouvernement Wladimir) leitet der Chef der Gendarmerie das „Schwarze Hundert", und er wird dabei von der dortigen Handels-Industrie-Partei unterstützt. Broschüren, wie „Rede eines jüdischen Rabbiners an die Juden, die vor 30 Jahren gehalten wurde", und ähnliche Hetzschriften werden anstandslos mit und ohne Zensurerlaubnis gedruckt und durch die Gendarmen verbreitet. In Orechowo-Sujewo wird gegen die Juden in Verbindung mit der Reichsduma gehetzt. Im Gouvernement Nischni- Nowgorod sind es besonders die Lehrer, deren sich die reaktionärterroristischen Agitatoren mit Erfolg annehmen. In Jaroslaw steht an der Spitze dieser Bewegung ein Arzt Kazourow und der Geistliche Hilliodor. In Brjansk werden aufreizende Proklamationen des „Schwarzen Hunderts" verbreitet, die aus der offiziellen Gouvernements-Typographie hervorgehen. In Jekaterinoslaw erreicht die Hetze ihren Höhepunkt, indem hier die Proklamationen offen zu Judenhetzen auffordern. Die Broschüre „Ein guter Rai den Juden" wird besonders stark verbreitet. Diese Broschüre (von uns ihrem Inhalt nach bereits wiedergegeben) ist mit Genehmigung des Petersburger Stadthauptmanns gedruckt, wie eine Aufschrift ausdrücklich besagt. Aus Jekaterinoslaw ' fliehen die dortigen Juden bereits seit Monaten massenhaft ins Ausland. In dem letzten 1 y* Monat wurden vom Gouverneur über 2000 Auslandspässe ausgestellt. Im Südwestgebiet hat die sonst als „monarchistischterroristische" oder als „Partei zum aktiven Kampfe gegen den Aufruhr" bezeichnete reaktionäre Verbindung den Namen „Heiliger Verband" angenommen. Hier hat sich sogar jemand gefunden, der in gebundener Rede gegen Polen und Juden hetzt. Ein Gendarm hat dem Korrespondenten der „Retsch" Proben von solchen Proklamationen gegeben, die von den Gendarmen verteilt werden. Die Redaktion ist übrigens im Besitze des gesamten Beweismaterials. Die Mitglieder des „Schwarzen Hunderts" sollen auch überall gut bewaffnet sein, während die örtliche Bevölkerung längst schon entwaffnet worden ist und neue Waffenscheine kaum erteilt werden, außer wenn es sich um Mitglieder des „Schwarzen Hunderts" handelt. Unter diesen Umständen sieht man mit einiger Besorgnis den kommenden Wochen entgegen. Was die russische Regierung unter „freien Wahlen" versteht, beweist uns folgende Meldung aus Kiew: Am 5. April hat der Polizeiagent Kunitzki auf dem alten Markte (im Judenviertel) vor einer großen Volksmenge einen Pogrom gegen die Juden gepredigt, zur Rache dafür, daß diese den K. D. zum Siege verholten haben. Die Mitglieder der K. D.-Partei, Rutenberg und Stengel, haben die Administration von diesem Vorgang in Kenntnis gesetzt, worauf sich diese genötigt sah, den Agitator zu verhaften.