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Die Welt · 1906-04-27 · 17 (27.4.1906) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 17 DIEIaEELT 17 Alle sprechen Jüdisch und Russisch. 98 haben angegeben, daß sie auch hebräisch sprechen, deutsch sprechen 14, französisch 4 und englisch 3. Abgesehen von den Studenten gibt es 8 die 8, 14 die 6 Mittelschulklassen absolviert haben. Dieser Tage wird das detaillierte Tätigkeits-Programm der projektierten Gruppen-Pioniere ausgearbeitet und durch die Zeitungen der jüdischen Öffentlichkeit vorgelegt werden. Zugleich wird der Termin für eine Besprechung der Gruppenmitglieder bekannt werden. Unter den zahlreichen Organisationen der Palästina-Pioniere, die jetzt in Rußland in Bildung begriffen sind, verdient der Verein in Sebastopol hervorgehoben zu werden. Er besteht aus jungen Handwerkern, Ackerbauern und Arbeitern, die in Palästina eine neue Kolonie nach dem Muster der chinesisch-japanischen Garten- und Feldkultur begründen wollen, d. h. auf möglichst kleinem Terrain durch rationelle, intensive Bearbeitung ein möglichst großes Ernteergebnis erzielen wollen. Obwohl sie über genügende Mittel verfügen, wollen sie doch das Land, wenn möglich vom Nationalfonds in Pacht nehmen, da sie prinzipiell das Privateigentum an Grund und Boden ausschließen wollen. Das zionistische Zentralbureau in Rußland veröffentlicht einige Zahlen über die Auswanderung nach Palästina in den Monaten Januar und Februar 1906. Es wanderten über Odessa nach Palästina: Männer: Frauen: irn Januar 129 97 „ Februar 232 197 zusammen: 361 294 im Ganzen 655 darunter im Januar: im Februar: Familien 49 83 zusammen 132 Einzelpersonen 47 63 „110 Das zeigt, daß im Februar doppelt soviel Leute nach Palästina gingen als im Januar. * * * Das zionistische Zentralbureau in Rußland gibt ein Werk über die bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte der Juden in der Türkei heraus, dessen Abfassung zwei Fachmännern in Konstantinopel übertragen wurde. Palästina In Jaffa hat sich ein „Allgemeines Informationsbureau für Palästina" gebildet. Das Bureau besteht aus den Herren: Dr. Chissin, Dizengoff, Gordon, Haym und Trietsch. Dem größeren Komitee gehören an die Herren: D. Haym, Dr. Chissin, Dizengoff, Eisenberg (Rehoboth), Gluskin, Goldberg, Gordon, Dr. Joffe, Grasowsky, Kaisermann, Klimker (Chemiker), Kritschewsky, Lewontin, Ing. Pewsner, Safir, Scheinkin, Smilansky, Suchowolsky, Treidel, Trietsch, Vogelsohn, Ing. Wilbuschewitz, Wechsler. Die Aufgaben, die das Bureau teils bereits zu bearbeiten begonnen hat, teils noch zu bearbeiten haben wird, sind äußerst mannigfacher Art. Im folgenden sei eine Übersicht der hauptsächlichsten Aufgaben und Erfordernisse der Institution gegeben: Informationserteilung und Einholung von Erkundigungen auf mündlichem und schriftlichem Wege. Vorbereitung und Schaffung umfassender Palästina-Materialien in jeder wirtschaftlichen Beziehung und in übersichtlicher Weise. Schiffsbesuch und Hafenangelegenheiten. Einrichtungen von Komitees (wo erforderlich und durchführbar auch Bureaus) in andern Städten. Reisen zum Zwecke von Organisation der Tätigkeit und zur Beschaffung von Informationen. Bearbeitung technischer und anderer speziellen Fragen unter Hinzuziehung von Fachleuten. Publikationen und Drucksachen. Statistik. Briefadresse: Dr. Chissin, Jaffa (Palästina). Alle Sendungen sind mit dem Vermerk „Für Informationsbureau" erbeten. Generalversammlung der Palästina=Handelsgesellschaft in Hamburg Am 19. April fand in Hamburg die Generalversammlung der Palästina-Handelsgesellschaft statt. Aus dem Jahresberichte geht hervor, daß die Gesellschaft, die ihre Tätigkeit nicht auf Palästina beschränkt, sondern im ganzen Orient Geschäfte treibt, im verflossenen Jahre mit einem kleinen Verluste gearbeitet hat, der hauptsächlich durch die Kosten einer Orientreise des Direktors Benezra hervorgerufen wurde. Die infolge dieser Reise angeknüpften mannigfachen Verbindungen lassen aber für die nächsten Jahre eine Ausdehnung des Geschäftes und damit einen Gewinn erwarten. In der Generalversammlung wurde gerügt, daß die Gesellschaft ihr Augenmerk zu wenig auf Palästina richte; es wurde auch beschlossen, in Zukunft die Tätigkeit mehr auf Palästina zu konzentrieren. Die Versammlung nahm mit großem Bedauern davon Kenntnis, daß das Mitglied des Beirates, Herr Ignatz Friedländer, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt hat; an seiner Stelle wurde Herr Adolf Bleichröder neugewählt. Zu Revisoren wurden wiedergewählt Herr Julius Kronheirner und neugewählt Herr Jakob Marx, in Firma Gebr. Marx & Co. Die durch das Los ausgeschiedenen Beiratsmitglieder, David Wolffsohn-Köln und Dr. Leopold Kahn-Wien, wurden wiedergewählt. Von einer vorgeschlagenen Kapitalserhöhung wurde vorläufig Abstand genommen. Galizien Przemysl. Im Oktober 1905 wurde hier auf Anregung der Verbindung „Agudath Herzl" eine Nationalfondskommission gegründet. Sie besteht aus Delegierten sämtlicher zionistischen Vereine und zerfällt in folgende 6 Sektionen: I Sektion für Spendensammlungen, II Selbstbesteuerung III N.-F.-Büchsen, IV Markenverkauf, V Philatelie, VI Verkauf von Telegrammblanketten, Broschüren usw. Im Laufe des ersten Semesters wurden insgesamt 416 Kronen 93 Heller gesammelt und an das Zentralbureau abgeführt. Die Zahl der verteilten N.-F.-Büchsen beträgt 60. — Für das nächste Vierteljahr wurde jur. Leon Lauterbach zum Obmann, jur. Hermann Reif zum Schriftführer wiedergewählt. Zu Leitern der einzelnen Sektionen wurden gewählt die Damen Frl. Münz, Reif, Rinde und die Herren Gottlieb, Tag, Tuchmann. — England Liverpool, 22. April 1906. Eine zionistische Demonstrationsversammlung, die außerordentlich gut besucht war, auch von Nichtjuden, fand heute hier unter dem Vorsitze des Parlamentsabgeordneten J. Cathcart Wason statt. Die Hauptredner waren Herr L. J. Greenberg und Herr N. Sokolow, Redakteur des „Hazefirah" aus Warschau. Ferner wurde die Versammlung von dem Parlamentsabgeordneten R. R. Cherry und Stadtältesten A. T. Salvidge addressiert. Die Verhandlungen wurden durch Verlesung von Telegrammen und Zuschriften von dem Lord- Bischof von Liverpool, Parlamentsabgeordneten Watson-Rutherford, Major Seely, D. Wolffsohn, Dr. Nordau u. a. eingeleitet, denen zum Schlüsse ein während des Meetings eingetroffenes Telegramm von Sir Francis Montefiore folgte. Der Vorsitzende hob die Bedeutung, die der Zionismus auch für Nichtjuden hat, hervor und betonte, daß es eine moralische Pflicht für alle echt christlich Gesinnten ist, den Zionismus zu unterstützen. Herr Greenberg, auf dessen Rede wir in der nächsten Nummer zurückkommen werden, beleuchtete die jüdische Lage im allgemeinen in flammender Rede und schloß damit, daß nur die Besiedelung Palästinas und keines anderen Landes die Lösung der jüdischen Frage darstellen könne. Darauf wurde von der Versammlung einstimmig die vom Parlamentsabgeordneten R. R. Cherry gestellte Resolution angenommen, daß nur Palästina als das zu erstrebende Land gelten "solle, worauf Herr N. Sokolow unter stürmischem Beifall eine längere Rede hielt. Er erinnerte die Versammlung daran, was für ein großes Bindemittel der Zionismus für die verschiedenen Klassen der Juden sei, und daß das, was er bis jetzt gewirkt hat, nicht gering einzuschätzen sei. Nachdem auch Stadtältetester Salvidge seine Sympathie für die zionistischen Bestrebungen zum Ausdruck gebracht hatte, wurde die Versammlung, die gewiß auf alle Anwesenden einen bleibenden Eindruck gemacht hat, unter Absingung zionistischer Lieder geschlossen.

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