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Die Welt · 1906-04-20 · 16 (20.4.1906) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
16 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ägypten Aus Alexandrien (Ägypten) wird uns gemeldet, daß daselbst ein Verein der Poalei-Zion ins Leben gerufen worden ist. Der Verein hat bereits die Schwierigkeiten und Hindernisse, die ihm die eigenartigen Verhältnisse des Landes bereiteten, überwunden und beginnt eine recht gedeihliche Tätigkeit zu entfalten. Er befaßt sich u. a. auch mit der Frage der jüdischen Einwanderung aus Rußland nach Ägypten, indem er den ankommenden Juden mit Rat<an die Hand geht. — In Alexandrien würde ferner ein zionistischer Verein mit Namen ., Rnei-Zion" gegründet, der hauptsächlich die Jugend umfaßt und eine große Aktivität zu entfalten verspricht. Das Komitee besteht aus den Herren: Joseph Rosenfeld, Präsident; Moses Reichmann, Vizepräsident; Leon Sroider, Schriftführer; Bernard Schnal, Buchhalter; Jeuchanan Swister, Kassierer, und Abramovitch u. Samuel Eisenberg, Ausschußmitglieder. Das Komitee richtet die Bitte an alle Zionisten, weiche Ägypten als Durchreisende besuchen und Reden halten wollen, sich an diesen Verein zu wenden. Amerika In Philadelphia hat eine neue zionistische Zeitung in jüdischer Sprache zu erscheinen begonnen. Das Blatt, das ein Wochenblatt ist und das Organ der „Poalei-Zion" in Amerika sein wird, trägt den Namen: „Der jüdische Kämpfer." Bisher sind drei Nummern erschienen. Als Programm des Blattes dient die von der Konferenz der Poalei-ZioninBaltimore, die im Dezember v. J. stattgefunden hat, angenommene Resolution, wonach die Poalei-Zion Amerikas sich zum Baseler Programm bekennen und dem palästinensischen Zionismus sich anschließen. Das Blatt verspricht interessant zu werden und legt Zeugnis ab von dem sich regenden Leben der jungen Organisation der Arbeiter-Zionisten in Amerika. — Rußland Wir erhalten folgende Zuschrift aus Petersburg: Sehr geehrter Herr Redakteur! Wollen Sie so freundlich sein, folgende Mitteilung zu veröffentlichen: In Petersburg hat sich ein „Informationsbureau für literarische Propaganda" gebildet, dessen Zweck es ist, die Verbreitung der zionistischen Literatur in der Provinz zu regulieren, durch Hinweis auf die geeignete Literatur und darauf, wie man solche Publikationen möglichst billig erhalten kann, ferner durch Herausgabe neuer Publikationen. Wir wenden uns deswegen an alle Gesinnungsgenossen in den verschiedenen Städten mit der Bitte, in jedem dieser Punkte eine literarische Kommission zum Zwecke der Verbreitung der zionistischen Literatur zu bilden. Wir bitten, von der Bildung einer etwaigen Kommission uns Mitteilung zu machen mit Hinzufügung der Adresse, unter der wir mit ihr korrespondieren könnten. Unsere Adresse ist: Petersburg, Leschtukowper 19.Wohnung6. Redaktion der „Jewrejskaja Schisn" für J. B. Mit Hochachtung Das Informationsbureau für literarische Propaganda. Petersburg, März 1906. Deutschland Königsberg. In der Zionistischen Vereinigung hielt am Sonntag Abend im Artushof Dr. med. Sandler-Breslau einen Vortrag über die Judenfrage und die Brüsseler Konferenz. Er ging dabei auf die Entstehung und Ziele der zionistischen Bewegung ein, schilderte anschaulich die Phasen, die die Bewegung bis jetzt durchgemacht, und kam dann auf die Beschlüsse der Brüsseler Konferenz zu sprechen, in der über die Lage der Juden beraten worden und — abweichend von den sogen. Territorialzionisten — Palästina und seine Nachbarländer, wie Cypern, Syrien und El Arisch, als zur Kolonisation für die auswandernden Juden geeignet erklärt worden sind. Da die russischen Judenverfolgungen noch nicht als abgeschlossen zu betrachten seien, wanderten immer noch Tausende von Juden aus Rußland aus. Man stehe dem Massenelend ohnmächtig gegenüber, ja man müsse die Juden in Rußland sogar warnen, ihr Land zu verlassen, weil man ihnen ein anderes nicht anweisen könne, da England nnd Amerika jetzt den russischen Auswanderern jüdischer Nationalität verschlossen seien. So habe man endlich anerkannt, daß eine Ansiedlung in einem Lande unter jüdischer Autonomie erfolgen müsse. Redner beschäftigt sich eingehend mit den zu diesem Zwecke in Betracht kommenden Ländern und legt dar, auf welche Weise die dort ruhenden Bodenschätze gehoben und das Land der Kultur erschlossen werden könnte. Es sei die höchste Zeit, mit der Besiedlung von Palästina zu beginnen, da England und Frankreich im Begriff wären, die Konzessionen in Palästina in ihre Hände zu bringen. Mit einem Appell an die Versammelten, an der Arbeit der Zionisten mitzuhelfen, schloß der Redner seine von starkem Beifall belohnten Ausführungen. Hamburg. Die Zionistische Ortsgruppe von Hamburg- Altona hielt ihre Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. Kalmus ab. Die Zahl der Mitglieder ist im letzten Jahre von 248 auf 277 gestiegen. Die weiblichen Mitglieder haben sich zu einer Frauenvereinigung zusammengeschlossen, die 75 Mitglieder zählt und deren Vorsitzende Frau H. Huldschiner ist. Auf Veranlassunghiesiger Zionisten ist im Dezember 1905 ein jüdischer Volksverein unter Vorsitz des Herrn Viktor ins Leben getreten, der auf nationaler Grundlage die Organisation der Ausländer betreibt. Die Ortsgruppe plant, im Zentrum der Stadt eine eigene Lesehalle ins Leben zu rufen. Die Kassenverhältnisse wurden als günstig bezeichnet und dem Kassierer Decharge erteilt. Bei den Wahlen zum Vorstande wurde Herr Dr. Kalmus zum ersten Vorsitzenden wiedergewählt. Berlin, den 2. April 1906. Dem „Jüdischen Witz und Humor" war ein Vortragsabend gewidmet, der am 29. März im großen Saale des Handwerkervereins stattfand und als eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Veranstaltung bezeichnet werden muß. Obwohl die Preise höher waren als an den früheren Vortragsabenden, war der große Raum überfüllt. Ein etwa tausendköpfiges, sehr empfängliches Publikum folgte verständnisvoll dem einleitenden Vortrag von Dr. Julius Moses. Der Konferenzier verstand es, den spezifischen Geist des jüdischen Humors zu kennzeichnen und durch vorzüglich gewählte Beispiele zu illustrieren, die Haupttypen desselben, den Schlemihl, den Schadehen, den Marschalek, den Schnorrer usw., plastisch vorzuführen und auch die moderne jüdische Satire zu charakterisieren. Als besonderer Vorzug des Vortrags muß hervorgehoben werden, daß Dr. Moses nachdrücklich und wirksam auf das jüdische Volksbewußtsein als Basis des überall gleiche Züge aufweisenden jüdischen Humors hinwies und die Rolle des Humors als Tröster in den ununterbrochenen Leiden des jüdischen Volkes beleuchtete. An den nun folgenden Rezitationen beteiligten sich vor allem zwei dem Publikum der Vortragsabende bereits aufs vorteilhafteste bekannte Künstler, Herr Fritz Richard, Regisseur am Deutschen Theater, und Herr Egon Brecher. Ersterer entfesselte durch die prächtige Satire von Bernhard Fuchs „Der standhafte Rabbi" Beifallsstürme, letzterer brachte eine humoristische Skizze von Perez sehr wirkungsvoll zum Vortrag. Fräulein Jeanne Robert las aus Cronbachs „Onkel Jonas" vor und rezitierte hierauf Heines „Donna Clara" mit der Pointierung einer routinierten Künstlerin. Die heiterste Note brachte Herr Richard Groß mann vom Deutschen Theater in den Vortragsabend hinein, indem er Szenen aus dem „Pojaz" von Franzos vorlas und hierauf gemeinsam mit Dr. Moses und Herrn Brecher jüdische Volkswitze zum besten gab. Bis spät in die Nacht zog sich die anregende Veranstaltung hin, und noch immer wollte das Publikum Zugaben haben. Selbstverständlich konnte das Programm des Vortragsabends das reiche Material aus älteren und neueren Zeiten nicht erschöpfen. Kompert, Bernstein, Mosenthal, Scholem Alejchem u. v. a. mußten einer künftigen Veranstaltung vorbehalten bleiben, bei der auch Jungmanns „Schlemihl" mehr zur Geltung kommen dürfte. Der Abend „Jüdischer Witz und Humor" war der letzte der vier jüdischen Vortragsabende, die im Februar und März vor einem stetig wachsenden Publikum stattfanden, ein Beweis, daß sie immer regeres Interesse erweckten. Zweifellos haben die literarisch-künstlerischen Veranstaltungen, die mit der „Jüdischen Gedenkfeier" im Neuen Kgl. Operntheater eröffnet wurden, eine Lücke im geistigen Leben der jüdischen Bevölkerung gefüllt, indem sie es ihr ermöglichten, die ihr stofflich am nächsten liegende Kunst in vornehmer Interpretation zu genießen. Es soll auch bemerkt werden, daß diese Veranstaltungen einen großen Kreis jenes jüdischen Publikums, das sonst allem spezifisch Jüdischen sorgfältig aus dem Wege ging, herangezogen und in ihm jüdisches Bewußtsein geweckt haben. So kann also nur der Wunsch ausgesprochen werden, daß die erfolgreiche Wirksamkeit auf diesem neuen Gebiete stetig fortgesetzt werden möge. England Liverpool. Ein außergewöhnlich großes Meeting wird am 22. April von der Young Mens Zionisi Association veranstaltet werden. Als Sprecher sind vorgesehen: Mr. L. J. Greenberg, Parlamentsmitglied Mr. R. R. Cherry, Herr N, Sokolow, Alderman A. T. Salvidge und Dr. Ch. Weizmann. Den Vorsitz wird Parlamentsmitglied Mr. J. Cathcart Wason führen. Ungarn Am 1. Tage Pessach haben Hochschüler in Sopron einen zionistischen Verein gegründet, welcher seine Tätigkeit mit Ende des Universitäts-Schuljahres beginnen wird. Der Verein heißt: „Verband zionistischer Hochschüler in Sopron." In das Präsidium wurden gewählt: cand. jur. Bela Weiler, Präsident; cand. jur. Gyula Kohn, Vizepräsident, und jur. Andor Winkler, Schriftführer.

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