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Die Welt · 1906-04-13 · 15 (13.4.1906) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 r \ \ ¥ J P DIE^E LT No. 15 hüllt, und versammelten sich in ihren Häusern und Tempeln. Sie nahmen die Lasten der Buße auf sich und versenkten sich den Tag über in die alten Schriften und erhoben allnächtlich ihre Augen, zu den Sternen und horchten um die Zeit der Schatten auf die Stimmen und unserem bösen Schicksal. Nach dieser Nacht tagt der Morgen, da wir von dir zurückgefordert werden und dich einsam lassen in der Zeit deines hohen Alters." Und da der Alte ihre Worte vernahm, war es, als ob er durch die Lider ihrer Augen blicke wie durch Glas, und er sprach: „Bei eurem Leben, meine Söhne, lasset mich diesen ganzen Gegenstand hören." Da erzählten sie ihm von dem Funde der Kräutertruhe in dem verschlossenen Turm und von dem Verhängnis, das der Mund des Kaisers über sie ausgesprochen hatte. Der Alte sprach: „Wenn dies eure Sorge der Wasser. Aber nirgends stieg ihnen die Kunde auf, und in Eitelkeit flössen die Tage dahin. Als der letzte Tag aber herankam, der mit" seinem Sinken die Frist vollenden sollte, sammelte sich das ganze Volk um die Weisen, ließ von seiner Arbeit und von seinen Gepflogenheiten und gab sich dem Fasten und der Trauer hin, und wie eine gewaltige Woge stiegen die Hilferufe aller zu den Göttern auf. In jener Zeit aber lebte in der Stadt Rom ein alter Mann, der in seinem Leben ein Jahrhundert sich hatte erfüllensehen und manches Jahr noch darüber zählte. Er hatte sieben Söhne und alle waren gerade nach dem Wunsche seines Herzens und waren in Weisheit groß geworden und von der Ehrfurcht der Menge umgeben. Sie gehörten zu den obersten Priestern der Götter. Und wiewohl sie alle mit Kindern und Enkeln begnadet waren und Häuser und blühenden Besitz ihr eigen nannten, und wiewohl sie jeder Tag zu dem Dienste der Götter in den Tempel berief, führte sie ihr erster Weg des Morgens, ehe sie den Gedanken der Welt in ihrer Seele Einlaß gewährten, zu ihrem alten Vater, ihn zu grüßen und seinen Segen zu empfangen. Aber an jenem letzten des vollendeten Mondes blieb der Greis zum erstenmal in den Tagen seines Alters verlassen, und erst am Abend, als die Söhne aus dem Rate nach Hause kehrten in der Fülle ihres Kummers, versammelten sie sich um ihren Vater. Da sprach er zu ihnen: „Meine Söhne, wodurch scheidet sich dieser Tag von allen Tagen, daß ihr nicht zu mir gekommen seid, auch nicht einer von euch, um mein Angesicht zu sehen, wie es euer guter Brauch ist?" Sie antworteten: „Herr, unser Vater, was sollen wrir reden und uns rechtfertigen?Wisse, daß wir __unserer Trauer hingegeben waren, erfüllt von unserer Sorge ist, so sollet ihr ohne Trübsal und guter Dinge sein, denn das Geheimnis dieser Sache ist mir in seiner ganzen Tiefe kund. Morgen, wenn der Tag aufsteigt, werdet ihr mich vor den Kaiser führen und ich werde die Schleier vor ihm aufdecken und seine Augen sollen dieses Wesen in seiner Wahrheit erschauen." Da fielen die Söhne ihrem alten Vater zu Füßen und küßten seine Hände und redeten zu ihm: „Es lebe deine Seele, wie du uns belebt hast/' Und sie gingen zu schlafen in Ruhe und Vertrauen. Am Morgen trugen sie ihren L

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