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Die Welt · 1906-02-23 · 8 (23.2.1906) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No.8 dieMelt 11 Prügel zwischen die Füsse werfen. Byks Meisterleistung im Volksverrat hat man ja schon an den Pranger gestellt. Indirekt hat er aber mit der von ihm veranlassten Auflösung der galizischen Vereine doch etwas sehr Gutes bewirkt. Der Minister des Innern wurde nämlich von ehrlichen Männern darüber interpelliert, und hat sich den Obmann des zion. Landes- und Wahlrechtskomitees kommen lassen, um Informationen einzuholen. In zwei mehrstündigen, äusserst angeregten Audienzen, hatte nun Dr. Schalit Gelegenheit, dem Herrn Grafen Bylandt-Rheidt die jüdische Politik und den Zionismus auseinanderzusetzen, wobei sehr charakteristische und interessante Äusserungen des Ministers fielen. Zum näheren Verständnis sei vorausgeschickt, dass das gegenwärtige Kabinett wegen seiner modernen sozialen Richtung grosse Popularität geniesst und langen Bestand haben dürfte. Weiters kann der Schwerpunkt einer vernünftigen und gesunden Politik der österreichischen Juden nur in einer Anlehnung an die Regierung gefunden werden, Wie aus der obenstehenden Charakterisirung des Kabinetts hervorgeht, wird den freiheitlichen Tendenzen des Zionismus dadurch nichts vergeben. Da nun feststeht, dass keine einzige politische Partei jüdische Interessen vertritt, — im Gegenteil die meisten sie erbittert schädigen — so liegt alles Hei! der Juden in der Handhabung der Gesetze, die aus liberalen Zeiten stammen. Fürs Dritte ist es eine unabweisliche Notwendigkeit, dass bei den Wahlen in Galizien die Regierung der sattsam bekannten Gewaltpraxis ist der Machthaber einen Riegel vorschiebt, widrigenfalls sich jede Aktion an Bajonetten spiessen kann. Dr. Schalit vermochte nun den Herrn Minister zu überzeugen, dass all die jüdischen Politiker in den verschiedenen Parteien die zersetzende Taktik ihres Verbandes mitmachen müssten; dass sie alles eher als Vertreter der Juden seien, welch letztere doch unbedingt eine Vertretung haben müssten; dass sie schliesslich nur auf Grund des abgelegten Privilegienwahlrechts in den Kultusgemeinden zu Bedeutung gelangt seien. Anhänglich daran gab der Minister seiner Erwartung Ausdruck, dass das rückständige Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden baldigst verschwinden werde; er sprach sich in Worten höchsten Lobes über das Pogramm des Zionismus aus. Bezug, lieh der von Dr. Schalit erstatteten Vorschläge über die Wahlreform in den politischen Bestrebungen der Österreichischen Zionisten eine loyale und österreichische Politik zu erblicken, dass aber das Proportional-Wahlverfahren für die Juden keineswegs günstig und dass es überhaupt in Österreich schwer durchführbar wäre, weil hierzu zunächst die Zusammenlegung mehrerer Wahlkreise zu einem grossen Wahlbezirk erforderlich sei, wodurch die Wahlbezirke eine territoriale Ausdehnung bewirken würden, die sowohl die einheitliche Organisation und Agitation als auch eine einheitliche Kontrolle unmöglich machen würden. Die Regierung habe es versucht, in der Vorlage allen berechtigten und derzeit erfüllbaren Wünschen der Juden nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Die weitere Unterredung ergab, dass die Forderung nach Durchführung der nationalen Autonomie aller Völker, und somit auch der Juden, derzeit nicht berücksichtigt worden sei. Dr. Schalit überreichte auch ein Memonandum bezüglich der Auflösung der zionistischen Vereine in Galizien. Diese Massregel sei eine Folge der vom Abg. Dr. Byk gegen die zionistischen Organisationen begonnenen Agitation; die Auflösung vollzog sich stets in der Form, dass die Regierungsvertreter eine gleichlautende Entrüstungsdepesche vorwiesen, die die zionistischen Vertrauensmänner an Dr. Byk abgesandt hatten, und in der eine statutenwidrige politische Bestätigung erblickt wurde. Dr. Schalit beschwerte sich darüber, dass die staatliche Intervention, die bei den Judenexcessen von Zablotow und Uhnow nicht rechtzeitig bewirkt werden konnte, jetzt zugunsten der Politik eines Einzelnen so prompt funktioniert habe. Der Minister sicherte Dr. Schalit eine eingehende Prüfung der Akten nach deren Einlagen zu und versicherte, dass bei legaler Agitation von seiner Person eine objektive und gerechte Haltung erwartet werden könne. Die Mitteilung über diese für die jüdische Politik wichtigen Audienzen gelangte in weitestem Masse in die gesamte Wiener Presse, die doch trotz ihrer bekannten Haltung gezwungen wurde, über das elementare jüdische Leben in Österreich das von Zionisten geweckt und durchaus mit zionistischem Geist erfüllt wurde, ausführlich 7u berichten. J. U. Die Zukunft der Juden Sammelschrift Erschienen anlässlich der Jüdischen Gedenkfeier am 22. Januar in Berlin. Erste Veröffentlichung der zionis ischen Propaganda-Komission. Beiträge: Alfred Nossig: „Die Makkabäer". Prolog. Max Nordau: „Das europäische Gewissen." Alfred Nossig: ,,Das Judenschiff." Prof. Dr. Otto Warburg: „Palästina und die NachbarländeralsKolonisationsgebiet.u d. Feld: ..Dort wo die Zeder .\ Arthur tiantke : „Die Jüdische Volksbewegung und die Jüdischen Volksinstitutionen. Dr. <J. Thon: „Die Juden als nationale Gemeinschaft." Max Nordau: „Muskeljudentum." Leon Kellner: „Psalm." Illustrationen. Ansichten aus den jüd. Kolonien in Palästinavon tiermann Struck. Aktie der Jüdischen Kolonialbank, — Das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. — Diplom für Eintragungen im Goldene Buch. — Diplom für Spender von Ölbäumen. — Kongresskarte von E. iVL. Lilien. - Kunstbeilage: Juda der Makkabäer. — Skulptur von Alfred Nossig. Vornehmste Ausstattung. Preis A\k. 1.— Bei grösseren Bestellungen Rabatt. Diese für die zionistische Propaganda hervorragend wertvolle Schrift ist zu beziehen von der Expedition der jüdischen Rundschau/ Berlin N. 54, Auguststrasse 49a und vom Jüdischen Verlag, Berlin- Charlottenburg, Herderstrasse 3/4. &&&>&Ü^^ 99 OBSERVER it Telephon Nr. 12 801. --------------------- UNTERNEHMEN FÜR ZEITUNGSAUSSCHNITTE WIEN 1., CONCORÜIAPLATZ Nr. 4. liest sämtliche WIENER TAGES-JOURNALE, ferner alle hervorragenden Blätter der österreichisch-ungarischen Monarchie und des AUSLANDES (welche in deutscher, französischer, englischer und ungarischer Sprache erscheinen), sowie alle wichtigeren FACH- und WOCHENSCHRIFTEN und versendet an die Abonnenten jene ZEITUNGSAUSSCHNITTE welche sie persönlich (oder sachlich) interessieren. Der „OB- SERVER» ist in der Lage, aus allen wichtigeren Journalen des Kontinents und Amerikas seinen Auftraggebern PRESSSTiMMEN (Zeitungsausschnitte) über jedes gewünschte Thema schnellstens zu liefern. ^>$<>^f^

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