Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG KÖLN (Deutschland), UBIERRING 23 — ERSCHEINT JEDEN FREITAG — —---REDAKTION: BERTHOLD FEIWEL, A. CORALNIK. ^==^--rr=^ X. JAtiRG. KÖLN, 23. Februar 1906 plinS lbnn"K ton^"n"3 Nr. 8 DIE DROHUNG UND IHRE ERFÜLLUNG llr. Byck hat sein Versprechen gehalten. Er hat in seinem offenen Briefe, in seinem sogen, politischen Manifest*) die Zionisten Galiziens mit Feuer und Schwert bedroht. Seine Drohung lautete: „In unserem Lande hat eine Partei junger Männer für die jüdisch-nationale Kurie Feuer gefangen, eine Partei, die seit ihrem Bestände von einem eigenen überseeischen Vaterlande träumt. Diesen jungen Leuten scheint es, dass die Wahlreform die grosse Konjunktur gebracht hat, das eigene Vaterland in Galizien zu bauen. Sie übersehen, dass Galizien dafür nicht der Platz ist und dass man uns dies mit Feuer und Schwert verwehren wird." „Man" wird „uns" dies verwehren. Das war eine kluge Wendung. Das sollte eine Rückendeckung sein. Dr. Byck wusste sehr wohl, dass die Polen selbst sich nicht zum ersten Streich aus dem Hinterhalt hergeben würden. Nicht weil die Polen etwa nur einen offenen Kampf lieben — ihre Politik in Galizien und Russisch- Polen beweist ja zur Genüge das Gegenteil — sondern, weil sie es doch nicht gewagt hätten, den Juden das primitivste politische Recht, das der eigenen Meinung, durch einen Gewaltakt auf eigene Verantwortung zu rauben. Dazu musste ein Jude herhalten, ein Hausjude, ein „Moszko", der die schmutzigen Geschäfte für die Herrschaft zu erledigen hat, mit denen der Schlachziz sich nicht besudeln will, wenngleich er ihre Früchte mit beiden Händen einheimst. Das rührende Doppelspiel, das „man" nun inszeniert, unterscheidet sich in nichts von dem alten Handel, den „Moszko" mit dem gestrengen „Pan Hrabia", dem edlen Schlachzizen abschliesst. Dr. Byk hat von einer Reihe zionistischer Vereine Telegramme erhalten,- die gegen seine, durch nichts gerechtfertigte Usurpation der Vertretung der Juden Galiziens, gegen seine Anmassung, im Namen der jüdischen .Bevölkerung, und nicht ihres servilen, politisch durchaus nicht makellossen Teiles zu sprechen, gegen seine deutelt" *.) Vergl. hierzu Prof. J-eon Kellner: „Mit Feuer und Schwert" in Nr. 4 der liehe Absicht, einen schmählichen und gefährlichen Kuhhandel abzuschliessen, Protest einlegten. Es war ein Protest nicht nur im Namen der bedrohten jüdischen Interessen, es war zugleich ein Protest österreichischer Staatsbürger, die der verderblichen, alles Andersnationale niedertretenden Politik des Polenklubs und seiner Lakaien eine Politik der Gleichheit und Gleichberechtigung aller österreichischen Nationen entgegensetzen wollten. Die österreichische Regierung wusste, dass die Zionisten an der Spitze der Autonomiebewegung stehen. Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch und Minister des Inneren Graf Bylandt-Rheidt haben mündliche und schriftliche Äusserungen darüber von Zionisten empfangen. Aber nicht nur, dass sie nichts gesetzwidriges darin fanden, sie haben auch keine Veranlassung gefunden, die Kompetenz der zionistischen Vereine in dieser Angelegenheit zu bestreiten. Angesichts der loyalen Haltung der Zentralbehörden, angesichts der täglich anschwellenden Bewegung für die jüdische Kurie, angesichts der deutlichen Hinweise der anderen Parteien auf die bevorstehende Erschütterung der polnischen Autokratie in Galizien, waren die Schlachzizen aufs Höchste beunruhigt — aber ratlos. Und wie immer in solcher Verlegenheit rief man Moszko, den „Juden für alles" herbei. Moszko aber wartete schon diensteifrig mit gekrümmtem Rücken. Und fand sofort einen Ausweg. Ein ganz einfaches Mittel, wie man sehen wird. Er überlieferte die ihm zugegangenen Protesttelegramme als Dokumente „unerlaubter innerpolitischen Betätigung" den polnischen Behörden. Die aber verstanden sofort den Wink Moszko-Byk's - - und sperrten unter dem Vorwande der „Überschreitung der statutarischen Befugnisse" viele zionistische Vereine, beschlagnahmten die Bücher, lösten Versammlungen auf, kurz — „man" begann die Ausrottung mit „Feuer und Schwert". .Wir wollen über die formelle Berechtigung der galizischen Behörden in diesem Falle weiter keine Worte verlieren. Zwar ist das Galizien der Stanczyken bisher das klassische Land der unbegrenzten politischen MachengSBSBRBgM^C