Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG KÖLN (Deutschland), UBIERRING 23 — ERSCHEINT JEDEN FREITAG — -- REDAKTION: BERTHOLD FEIWEL, A. CORALNIK.-------— X. JAHRG. KÖLN, 9. Februar 1906 pnnS )bm"X toai»"T"> Nr. 6. „PRAKTISCHE ARBEIT." Eines der Hauptresultate der Brüsseler Konferenz war, wie bekannt, der Beschluss, dass die verschiedenen jüdischen Organisationen sich an der Bildung einer Kommission zur Erforschung der Kolonisationsmöglichkeit der in der Nähe Palästinas befindlichen Länder beteiligen. Es ist dies ein Schritt vorwärts auf dem Wege der Verwirklichung unseres Programms. Wir gehen dadurch aus dem Gebiete der Theorie und der Agitation in das des Lebens und der Praxis über. Zeit und Umstände drängen uns dazu, drängen, unseren Idealen Form und Körper zu geben, unsere Wünsche in Tat umzusetzen. Nur die praktische Arbeit in Palästina und den Nachbarländern, nur eine zielsichere, nicht überstürzte Arbeit, kann uns über die Klippen der äusseren Hindernisse und inneren Reibungen hinweghelfen. Aber wenn auch diese praktische Arbeit geleitet, in ein bestimmtes Bett eingelenkt werden kann, so muss sie doch vom jüdischen Volke selbst ausgehen, aus ihm heraus unternommen werden. Es ist noch keine grosszügige Kolonisation gelungen, für die das Hauptmaterial Arme und Mittellose geliefert haben. Die jüdische Kolonisation, auch die von Palästina, hat erheblich daran gelitten, dass die meisten Kolonisten mittellos waren und sich nicht aus eigenen Mitteln eine Existenz gründen konnten. Der jüdische Mittelstand und die reicheren Klassen haben sich von der Bewegung fern gehalten und wollten ihr Kapital nicht in Palästina anlegen. Die Gestaltung der Dinge in Russland hat es nunmehr mit sich gebracht, dass auch der jüdische Mittelstand und die Grossbourgeoisie Russland verlassen möchten, dass das jüdische Kapital eine anderweitige Verwendung suchen muss. Immer häufiger hört man nun die Frage: Warum sollten nicht die kapitalkräftigen Juden, die zugleich Nationaljuden sind, ihre Kapitalien in Palästina und den Nachbarländern anlegen, wodurch sie ihrem Gelde ein neues Gebiet verschaffen und zugleich auch dem jüdischen Volke helfen würden, sich seine Zukunft zu bauen? Es sind auch der Brüsseler Konferenz mehrere dahingehende Vorschläge zugegangen. Wir möchten das Projekt einer Budapester Zionistengruppe hervorheben, das die Gründung eines jüdischen Kulturklubs „Palästina" beantragt. Der Grundgedanke ist der, dass die reichen Juden aus Russland ihre Söhne nach Palästina schicken sollen und ihnen die Mittel geben, sich dort zu etablieren. So verfahren auch die Engländer in Bezug auf Indien. Der Zweck dieses Klubs wäre, „die Möglichkeit zu bieten, wohlhabende jüdische Existenzen auf gesellschaftlichem Wege in Palästina zu gründen. Der -Wirkungskreis der Klubmitglieder würde sich auf alle Gebiete erstrecken, welche das Gesellschaftsleben erschliessen und wozu der betreffende junge Mann Lust und Liebe hegt. Der Eine könnte eine Dampfmühle, der Andere eine Oekonomie, Industrie- Unternehmungen etc. errichten." Zahlreiche andere Projekte aus Palästina und aus anderen Ländern bringen denselben Gedankengang zum Ausdruck, dass es jetzt an der Zeit sei, nicht nur für die Ansiedlung von Proletariern zu sorgen, sondern auch für die der Vermögenden. In einem Memorandum aus Palästina lesen wir: „Wir sind jetzt an einem Zeitpunkte angelangt, der eine Wendung in der Arbeit für Palästina herbeiführen wird. Die philantropische Kolonisation, deren Begleiterscheinungen die Bevormundung und deren natürlichen Folgen sind, geht ihrem Ende zu, und es beginnt eine neue Aera der gesunden und fruchtbaren Kolonisation aus eigenen Mitteln und aus privater Initiative..... Es wäre deshalb zu wünschen, dass man einzelnen Personen, besonders aber ganzen Gruppen von Privatunternehmern, die über Mittel verfügen und sich dem Ackerbau, Handel oder der Industrie in Palästina zuwenden wollen, ihre Arbeit erleichtere.....Es müsste zu diesem Zweck eine Bank gegründet werden, die die Landankäufe ermöglichen und bei der Errichtung von Industrie-Unternehmungen behilflich wäre. Gleichfalls müsste ein Informationsbureau errichtet werden" usw. Es ist natürlich schwer, in dieser Richtung Ratschläge zu erteilen oder gar zur Tat zu mahnen. Eine Emigration von vermögenden und kapitalkräftigen Menschen kann weder geleitet noch geregelt werden.