Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 5 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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18 die^Eelt - No. 5 Resolution aussprach, einen teilweise erregten Ton brachten, gelangte die dritte Resolution zur Annahme, in der ausgedrückt wird, dass man die Erklärungen der jüdischen Hilfsorganisationen zur Kenntnis nimmt, wonach diese eine Emigration Mittelloser gegenwärtig nicht fördern können. Rabbiner Dr. Vredenburg—Amsterdam kommt auf die Gefahren der planlosen Auswanderung zurück und bittet die russischen Delegierten in ihrer Heimat energisch vor einer unbedachten Emigration zu warnen. Hierauf wurden die auf die Emigration bezüglichen Erklärungen in modifizierter Form (siehe Wortlaut im Protokoll) von der Konferenz zur Kenntnis genommen. Der Vorsitzende Wolffsohn ergriff das Wort zur SCHLÜSSREDE Sehr geehrte Herren! Wir sind nunmehr am Ende unserer Beratungen angelangt. Wenn ich mir vor Augen ha te, was wir als Einberufer von dieser Konferenz erwarteten, so muss ich sagen, dass wir mit ihren Ergebnissen zutrieden sein können. Wir haben von vornherein an diese Konferenz keine hochgespannten Forderungen gestellt. Wir hielten es im gegenwärtigen Zeitpunkte für unbedingt erforderlich, dass sich berufene Vertreter des östlichen und westlichen Judentums über den Umfang und die Tragweite des russisch-jüdischen Problems durch eine sachgemässe, unparteiische Beratung klar werden. Ich gebe meiner grossen Genugtuung Ausdruck, dass bei dieser Konferenz von Repräsentanten verschiedener Schichten und Parteien des Judentums die Diskussion — bis auf einige scharfe Worte — niemals erbittert, vielmehr entgegenkommend, ernst und würdig war. Es entsprach dies auch der Stimmung, die unserer heutigen Konferenz zu Grunde lag. Wir haben deutlich gefühlt, wie sehr alle, die erschienen sind, von gleicher Liebe und Sorge für das Judentum erfüllt sind. Freilich gehen die Meinungen, wie man dem jüdischen Volke am besten dient, vielfach auseinander. Wir ziehen an einem Seile, aber leider nicht alle immer in einer Richtung. Vielleicht ist das im normalen Leben nicht nur unvermeidlich, sondern auch oft nützlich. Denn Kampf erzeugt auch Fortschritt, schafft neues Leben. Im Augenblicke aber können wir, müssen wir ein gut Stück in einer Richtung sehen. Wir alle haben nichts von unseren Prinzipien aufgegeben, indem wir uns heute zu gemeinsamem Rat, indem wir uns hoffentlich künftig zu gemeinsamem Tun vereinigen werden. Sie haben beschlossen und wir wollen nun versuchen, es in Wirklichkeit umzusetzen, dass eine ständige jüdische Vertretung, bestehend aus Repräsentanten aller Organisationen, geschaffen werde. Wir wollen glauben, dass der Verlauf unserer heutigen Konferenz auch diejenigen veranlassen wird, der geplanten einheitlichen Organisation beizutreten, die heute noch glaubten, abwarten oder fehlen zu sollen. Im Zeichen der Einigkeit, der „Achdus" schliesse ich die erste allgemeine jüdische Konferenz. Nunmehr nahm Herr Be rgel-Berlin das Wort und dankte dem Vorstand auf das Wärmste für die geschickte Leitung der Versammlung und insbesondere dem Vorsitzenden für ihre Einberufung. In der Einigkeit liege die Stärke des Judentums, und diese Konferenz gebe die Hoffnung, dass diese Einheit der Juden bald wieder zurückkehre. Herr Dr. J a s s i n o w s k y - Warschau schliesst sich diesen Worten an und hofft, dass alle Organisationen an der Durchführung der gefassten Beschlüsse mitwirken werden. Namens des Bureaus dankt Professor Simonsen-Kopenhagen. Er versichert den russischen Delegierten, dass die westeuropäischen Juden die Leiden ihrer Brüder voll mitfühlten und alle Kräfte anspannen würden, um ihnen eine glücklichere Zukunft zu bereiten. Herr Wolffsohn dankt allen, die an den Vorbereitungen für die Konferenz mitgeholfen haben und schliesst mit dem Wunsche, dass man sich bald in froherer Zeit wiedersehen möge, die erste allgemein-jüdische Konferenz. PRÄSENZLISTE der Teilnehmer an der Brüsseler Konferenz vom 29. Januar 1906. Name Ort Delegiert von Dr. Adler Lübeck Zion. Verein, f. Deutschi. Aleinikoff Odessa Odessaer zionist. Rayon S. Barbasch Odessa Palästina-Komitee B. J. Belisha Manchester Ingenieur Benjamin Odessa Odessaer zion. Rayon Herbert M Bentwich London London Zionist League Siegm. Bergel Berlin Hilfsverein d.deutsch.Juden Dr. Bernstein-Kohan Charkow Zionistisches A. C. Dr. Bodenheimer Köln do. Dr. Brutzkus Petersburg Verein zur Erlangung der Gleichberechtigung S. Claff Manchester D. Cohen Leiden A. Coralnik Köln Red. der „Welt" Josef Cöwen London A. C Dr. Dulberg Manchester Ito Berthold Feiwel Köln A. C M. Feldstein Warschau Jewish Colonial Trust Dr. Louis Fränkel Kopenhagen A. C. Dr. M, Friedeherger London London Zionist League Miss Carmel Goldsmid n Ito J. L. Greenberg A. C. Rechtsanw. Sanimy Zion. Verein f. Deutschi. Gronemann Hannover Name Ort Delegiert von Heinrich Grünau Antwerpen A. C. Dr. Arthur Hantke Berlin A. C S- Hepner V Zion. Verein, f. Deutschi. M. Hahn Paris Dr. Hirsch Hildesheimer Berlin Hilfsver. d. deutsch. Juden M. D. Horowitz Antwerpen Belg. zion. Landeskomite Dr. Idelsohn Petersburg A. C. Jassinowski Warschau Ito David Jochelmann Bern Ito Dr. Bernh. Kahn Berlin Centraibureau f. jüd. Auswanderungsangelegenh. Dr. Leop. Kahn Wien A. C. J. H. Kann Haag „ E. Karlin Amsterdam Auswanderungskomitee Dr. Katz Paris Dr. Katzenellsohn Libau Jewish Colonial Trust B. Kisch London Anglo Jewish Association Dr. Klee Berlin Ito Dr. Klein Paris Dr. L. Kohan Kischinew A. C. Dr. Joseph Klausner Lausanne Dr. S. Lewin Wilna A. C. Prof. Dr. Mandelstamm Kiew Ito Dr. A. Märmorek Paris A. C.