Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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L. Schalit bw Am 22. Januar ist Leib Schalit in Riga gestorben. Wieder ist einer t unserer Treuesten, Besten dahingegangen. L. Schaut gehörte zur Schar jener, die an der Wiege des politischen Zionismus standen. In jenen ersten Zeiten schon war er immer zu finden, wenn es galt, sich in selbstloser Weise für die Belegung zu b tätigen. In jener Zeit, wo es derzionistis< hen Bewegung sogar an den notwendigsten materiellen Fonds mangelte, war es L. Schalit, der als einer der Eisten sofort zur Gründung eines solchen Fonds beisteuerte. Sein Hauptverdienst aber erwarb er sich durch seine Tätigkeit für die Jüdische Kolonialbank, deren Governor er von ihrem Gründungstage bis zu seinem Tode war. Er hatte für das Institut stets die lebhaftes!e Fürso:ge und nahm sich aller Obliegenheiten mit nie versagender Hingebung an. Auch sonst im zionistische"! Leben war er oft zu finden, immer bereit, die Sache mit R<*t und Tat zu fördern. Ein guter Zionist, ein vortrefflicher, hilfsbereiter, ed er Mensch i^t mit ihm dahingegangen In unserer Bewegung hat er sich lür immer neben unseren verdientesten Männern ein AndenV en gesichert. AUS DER BEWEGUNG Es ist infolge des übergrossen Einlaufes an detaillierten Berichten der Redaktion zur Zeit unmöglich, die Einsendungen ungekürzt aufzunehmen. Wir wollen uns bemühen, Einrichtungen zu treffen, die über diese Schwierigkeit hinweghelfen. Vorläufig wollen wir allwöchentlich die Veranstaltungen registrieren, und allmonatlich über die wichtigsten ausführlicher referieren. Alle Einsender werden jedenfalls gebeten, sich möglichster Kürze zu befleissen. Unter dem Titel: Eine neue Ära in der zionistischen Tätigkeit berichtet der „Jewish Comment" über den Aufschwung, den die zionistische Bewegung in den letzten Zeiten in Amerika genommen hat. Die Beitritte zur zionistischen Organisation steigern sich ausserordentlich. Besonders erwähnenswert ist der Eintritt des Prof. S. Schechter (des hervorragenden jüdischen Gelehrten und Forschers und Direktors des „Jewish Theological Seminary in New-York) und des in Amerika bekannten Künstlers und Komponisten Piaton Brunoff. Oesterreich Immer lebhafter wird die Tätigkeit der Zionisten zu Gunsten einer jüdischen Autonomie. Die Zahl und der Umfang der von ihnen veranstalteten Versammlungen sind geradezu imponierend. -Hunderte von Versammlungen sind abgehalten worden. Die jüdischen Sozialdemokraten stellen sich auf die Seite des assimilatorischen Bürgertums und versuchen häufig, Versammlungen zu stören oder zu sprengen. Über einige grosse Veranstaltungen: Prag (Referent Dr. Leopold Kahn), Kolin (Dr. Kurrein), Brünn, Bielitz (Dr. Kahn), Tarnopol, Tlumacz, Stanislau, Bolechow, Nadworna, Lemberg u. s. w. werden wir in unserer Monatsschau berichten. Der moralische nnd politische Erfolg dieser grossangelegten und mit bewundernswerter Energie geführten Aktion ist schon jetzt ein bedeutender. /V\akkabäerfeiern fanden statt in Bolechow, Prossnitz, Rozniatow, Brünn (»Veritas"), Nadworna, Berlin u. A. „Warum!" betitelt sich eine mit grossem Schwung und vortrefflicher Argumentierung geschriebene Agitationsbroschüre des A.-C.-Mitgliedes Dr. Leopold Kahn aus Wien. Anknüpfend an die letzten Ereignisse in Russland beleuchtet er die Gesamtsituation der Juden und gelangt zu einer klaren Präzisierung des zionistischen Programms. Die Broschüre, die schon in über 20 000 Exemplaren verbreitet ist, sei hierdurch den Vereinen für ihre Agitation empfohlen. LETZTE NACHRICHTEN Stadthauptmann Neidhardt Der gewesene Polizeichef von Odessa, Neidhardt, wurde, wie verlautet, aufgefordert, bis zum 25. Januar in Petersburg zu erscheinen, um sich wegen der Odessaer Judenhetzen zu verant" Worten. Neue Pogrome Während des Wasserweihfestes fanden in Kischinew und in ganz Bessarabien blutige, antisemitische Exzesse statt. Viele jüdische Häuser wurden geplündert und niedergebrannt. Im Dorfe Pisetz bei Nowo-Uschitza (Podolien) fanden Exzesse gegen die Juden statt, wobei viele jüdische Familien gänzlich ruiniert wurden. Rumänische Jahres-Konferenz Das Hauptergebnis der IX. Jahres-Konferenz der rumänischen Zionisten (über die wir noch berichten wollen) war die Neugestaltung der Organisation, an deren Spitze Herr Heinrich Rosen - baum als Direktor berufen wurde. Der bisherige Präsident, Herr Samuel P i n e 1 e s, ist nach 25 jähriger ausserordentlich verdienstiichen Tätigkeit vom Präsidium zurückgetreten. Er richtete aus diesem Anlass einen herzlichen Abschiedsbrief an die Zionisten Rumäniens, den wir im Wortlaut in der nächsten Nummer bringen werden. Amerika Kürzlich fand in New-York ein Kongress der Vereine Poale- Zion (Zione-Zion) statt, der aus ganz Amerika (auch aus Kanada) beschickt war. Es wurde das Programm der P.-Z. festgelegt, und, abgesehen von Massnahmen für die Ausbreitung der Organisation, die Herausgabe eines Wochenblattes : „Der jüdische Kämpfer" beschlossen. NOTIZEN Die Zahl der Juden in Südafrika. Auf der kürzlich abgehaltenen ersten Konferenz der südafrikanischen Zionisten hielt Dr. Hertz einen Vortrag über die Zahl der Juden in Südafrika und kam dabei zu folgenden Schätzungen : Kapkolonie..........30000 Juden Natal............1700 Rhodesia........... 600 Orange River Colony..... 1520 „ Transvaal .......... 25 000 v Portugiesisch-Südafrika . . . . 300 „ Sa. 49120 Juden Vor einigen Jahrzehnten waren in Südafrika nur verschwindend wenig Juden vorhanden. Die jetzt ziemlich erhebliche jüdische Bevölkerung, die sich hauptsächlich in Kapstadt und Johannesburg konzentriert, ist der starken Einwanderung aus Europa zuzuschreiben. (Aus der „Zeitschrift für Demogr u. Stat. d. Juden" Dez. 1905).