Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316190--47701-3342599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG KÖLN (Deutschland), UBIERRING 23 — ERSCHEINT JEDEN FREITAG — ---------------- REDAKTION:, BERTHOLD FEIWEL, A. C'ORAUNIK. ....... - - X. JAHRG. KÖLN, 19. Januar 1906 piinS lbnn"K fQB"i"3 Nr. 3 DIE BRÜSSELER KONFERENZ Die vom zionistischen Aktions-Komitee einberufene Brüsseler Konferenz wird Montag,- den 29. Januar 1906 um 9 Uhr vormittags im Grand- Hotel Mengelle, Rue Royale, eröffnet. Wahrscheinlich wird der Tagung Sonntag abends eine Vor-Konferenz vorausgehen. Die Tagesordnung für die Brüsseler Konferenz ist in ihren Grundlagen, wie folgt, festgesetzt worden: I. Berichte und Vorschläge aus Russland auf Grund von Referaten: a) Die allgemeine Lage der russischen Juden, b) Die Frage der Gleichberechtigung der russ. Juden, c) Die ökonomische Lage der russischen Juden, d) Ursachen und Folgen der Progrome, e) Die Emigration. II. Berichte und Vorschläge aus den Immigrationsländern. III. Vorschläge der bestehenden Organisationen. IV. Schaffung einer gemeinsamen Hilfsorganisation. (Die Details der Tagesordnung und die Namen der Referenten werden den Teilnehmern an der Konferenz zu Beginn der nächsten Woche mitgeteilt werden.) Die Konferenz wird voraussichtlich sehr gut beschickt sein. Was insbesondere Russland betrifft, von wo erst jetzt nach Abschluss des Poststrikes die Antworten einlaufen, so werden die grössten Gemeinden und Organisationen sich durch hervorragende Delegierte vertreten lassen. Auch die Immigrationsländer werden repräsentirt sein. Angemeldet sind u. A.: Delegierte aus Argentinien und Neu-Seeland. H \ Iv MAHNRUF EINES RUSSISCHEN JUDEN Dunkle, gewitterschwere Wolken haben sich über dem Schicksal der Juden Ost-Europas zusammengezogen. Das furchtbare Martyrium, das zweitausend Jahre jüdischer Geschichte ausmacht, wurde am Beginn des 20. Jahrhunderts um Gräuel bereichert, vor denen selbst die Schrecken des Mittelalters verblassen. Wir wollen uns nicht in Schilderungen der Tatsachen ergehen; noch leben sie zu frisch in unser aller Erinnerung. Vor den russischen Juden aber steht jetzt die Frage: was weiter? Und dazu möchten wir einiges sagen. Bis jetzt haben sich die Juden der Hoffnung hingegeben, dass mit der Freiheitsbewegung auch die Judenfrage ihre Lösung finden werde. Die Juden, die immer und überall an dem Kampf für die Freiheit der Völker teilnahmen, haben auch im russischen Befreiungskampf gegen die alte Gewalt- und Willkürherrschaft tapfer mitgefochten und ihm nicht geringe Opfer gebracht. Und nicht um sich Freiheit und Gleichberechtigung zu erwerben, haben die Juden gekämpft. Diese ewigen und unverbesserlichen Idealisten, die in den vordersten Reihen standen, wo es die russische Freiheit galt, haben an sich überhaupt nicht gedacht; und wenn die Skeptiker unter ihnen darauf hinwiesen, dass die Juden sich vor allem um sich selbst kümmern und erst einmal die elementarsten Menschenrechte für sich erringen müssen, um wenigstens auf gleicher Stufe zu stehen mit den anderen Bürgern des Landes, die nunmehr schon ihre politische Freiheit erstreben — dann haben ihnen die begeisterten Kämpfer geantwortet, das sei ja überflüssig, das alles werde von selbst kommen, wenn erst die allgemeine politische Freiheit erreicht sein werde. Anm. d. Red. Der Verfasser des vorstehenden Artikels ist eine im russisch-jüdischen politischen Leben*, bekannte Persönlichkeit. Seine Ausführungen gewinnen noch mehr im Hinblick auf die Brüsseler Konferenz an Interesse, da auch dieser vorzügliche Kenner der russischen Verhältnisse zu rdem Schlüsse kommt, dass ein Zusammenschluss aller Juden \ in diesem historischen Momente nötig ist. Wir verdanken die Überlassung dieses Artikels der Redaktion von „Ost und West", die ihn in ihrer Januar-Nummer zum Abdruck bringen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.