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Die Welt · 1906-01-12 · 2 (12.1.1906) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 2- DIEMELT 13 JAKOB GORDIN (New-York): „DAS GELD" DRAMA IN 4 AKTEN AUS DEM JUEDISCHEN. (Fortsetzung.) Herscheie: Und ich? Freidenju wird heute vielleicht zu guter Stunde eine . . . eine sehr gefeierte Person. Ich will ihr, Euch allen zuliebe ein wenig spielen. {Will die Geige holen) Frei de (springt auf): 0, der Onkel will spielen! (Holt die Geige von der Wand) Der Onkel ist so gut, die Hände zittern mir fast Muhmchen, nicht wahr, ich bin sogar rot geworden. {Nimmt sorgsam die Geige aas dem Futteral) Es ist hier sonst so einfach, alle Tage gleich — aber wenn der Onkel spielt, dann scheint es, dass die Klänge aus einer anderen Welt kommen. Ich fürchte, der Onkel wird mich auslachen, aber ich glaube, dass die erste Fiedel so zu den Menschen gekommen ist, dass sie ein Engel fallen gelassen hat Und dann ist sie vom Himmel heruntergefallen auf die Erde. (Reicht Herscheie die Geige) Herscheie: Ja, Freidenju, alles kommt vom Himmel. Gott legt dem Menschen Leiden auf, aber er gibt ihm auch Trost Er gibt ihm eine Stimme, den Höchsten zu loben und auch zu singen — zum eigenen Vergnügen. Er schenkt ihm die Musik, zu preisen Gott, den Schöpfer der Welten und auch zu seiner eigenen Freude. Leiser: (benutzt einen Augenblick, da der Sohn sich abwendet und leert hastig sein Glas. Herscheie stimmt die Geige und spricht verträumt). Ein schönes Gebet ist Mismor Ledowid: „Wenn Gott mein Hirt ist, was kann mir fehlen? Er wird mich ruhen lassen auf grünem Rasen, an stillen Gewässern, er wird meine Seele erquicken und mich auf den Pfaden der Tugend leiten ..." . . „Und wenn ich auch gehen sollte im Ta!e des Todes und des Satans, ich zage nicht . . Dobe (flüsternd)'. Gott bewahre uns vor ihm! Herscheie (fortfahrend): „ . . . Ich zage nicht, ich fürchte nicht, denn er, mein Gott, ist bei mir. (Spieltj alle lauschen aufmerksam, besonders Freide. — Es klopft) Pessie: Still, ich glaub', man klopft (Alle horchen, eine Stimme wird vernehmbar) Dobe: Mir scheint, ein Hund heult Man muss eine Schuhsohle umdrehen. Zippe: Die meine ist mit Werg gestopft, (läuft zur Türe) Wer da? Masik (öffnet die Tür. Er ist modern gekleidet, trägt einen guten Pelz): Verzeiht, wohnen hier Juden? Zippe: Ihr seht doch, dass keine Türken . . . Tretet ein und schliesst die Türe, seid so gut! M a s i Y (stolpert über die Schwelle): Dass doch der Teufel . .! Fast war' ich gefallen! Dobe: Um Gottes Willen! Nicht gedacht soll hier seiner werden! Gott behüte jedes jüdische Mas i k: Alle: Masik: Pessie: Masik: Pess i e: Dobe: Hersch e Masik Dobe: Zippe Chatzk el Masik Haus vor ihm! Hört, in unserer Stube nennt man nicht seinen Namen, hier hört man — der Himmel bewahre! — nie einen Fluch. Nichts für ungut! Guten Abend! Vor allem werd' ich Euch ohne Vorreden erzählen, wer ich bin und wie ich herkomme. Ich bin von Orscha und verkaufe Lotteriezettel. Was? Was ist denn das? Das sind Gewinnzettel. Man zieht ein Los, und man gewinnt Geld. Mit so einem Zettel kann man sehr leicht ein reicher Mann werden. Jetzt ist doch Chanuka, so bin ich auf ein paar Tage zu Euch nach Dubrowna gekommen. Ich weiss, jetzt sitzen abends in jeder jüdischen Stube Leute um den Tisch herum, so geh* ich denn in die Häuser und leg' meine Zettel vor. Ich habe Braunschweiger, Leipziger, Warschauer . . . (zieht aus der Brieftasche Lotteriezettel hervor) Hört Ihr, man kann mit einem Male fünfzigtausend gewinnen und man wird plötzlich reich Wieviel? Och, meine Zähne! Fünfzigtausend Rubel! Hast Du gehört, Herscheie? Hast Du gehört, Chatzkel? e: Es tut mir leid, dass Ihr Euch umsonst bemüht habt. Doch, da Ihr schon einmal hier seid, macht es Euch bequem, wir jagen ja, Gott behüte, niemand hinaus. Seid willkommen! (Reicht ihm die Hand) Setzt Euch! Wie ist Euer Name? (setzt sich): Mein Name ist Uriel Masik. *) Masik? Gott bewahre uns! (leise): Mottele, hast Du den Namen gehört? (kneift ihn) Masik! Hahaha! (Sie tuscheln und lachen) Masik, Hahaha! : Was für Geschäfte Leute haben! Handeln mit dem, was vielleicht einmal kommen wird. Nach meinem Verstand — hast du was zu verkaufen, so zeig die Ware auf dem Ladentisch. (zeigt den Lotteriezettel): Das ist die Ware. JEs ist nur ein Stückchen Papier, nicht wahr? Aber Papiergeld ist ja auch keine Ware, deswegen ist's doch Reichtum. In den grössten Banken, auf der Börse sieht man auch keine Ware. Und nur durch solche Papierstückchen werden Millionen von einer Hand in die andere gegeben. Gewiss, dieser Zettel ist kein Geld, aber stellt Euch vor: für ein paar Rubel erkauft Ihr Euch die Möglichkeit, den grossen Gewinn zu bekommen. Dazu habt Ihr noch tausend Möglichkeiten, wenigstens soviel zu bekommen, dass das Spielen Euch eigentlich gar nichts kosten wird. Ich lass *) Masik (hebräisch): Zerstörer, Schädling, aber auch Kobold, Teufel.

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