Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 2 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No.2 einstimmig angenommen. Es wurde auch ferner beschlossen, über Anregung des Rev. Dr. Horton, die von Lord Kennaird unterstützt wurde, dass man die britische Regierung ersuche, auf die russische Regierung einen den Juden günstigen Einfluss auszuüben. Mit dem üblichen Dankesvotum für den Vorsitzenden schloss diese Versammlung, die ein weit nachhallendes Echo in der englischen Presse und in der Gesellschaft gefunden hat. diemelt il REVUE DER PRESSE De loodsche Wächter/ »Veertiendaagsche Orgaan voor Groot- " J ' Nederlarids Jodendom . Holland ist eines der interessantesten Länder für den Forscher der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Schon der Name Amsterdam! Wie viele grossartige Erinnerungen des jüdischen Lebens sind mit dieser Stadt, wie auch mit so vielen anderen Städten Hollands verbunden! Spinoza, Acosta, Menasse ben Israel, eine Reihe von volltönenden, aristokratischen Namen, die nicht vergessen werden. Und auch jetzt bietet uns Holland einen höchst interessanten Anblick. Das Ghetto von Amsterdam, das seinen Darsteller in Heyermans („Diamantenstadt") gefunden hat, die holländische Judenheit, wie sie in desselben Schriftstellers „Falklandskizzen" und „Interieurs" geschildert sind, steht eigenartig da, sticht vom Typus des mitteleuropäischen Judentums ab, weil es rassiger und innerlich reicher ist. Bisher ist in neuerer Zeit von holländischen Juden nichts besonderes geleistet worden. Es beginnt aber auch dort die Renaissance des jüdischen Geistes. Es entstehen Zeitschriften, die den modern-jüdischen, zionistischen Gedanken propagieren. Eine solche Zeitung war der „Joodsche Courant" aus s'Gravenhage, und auch der „Joodsche Wächter" aus Amsterdam, dessen 1. Nummer (2. Jahrgang) uns vorliegt. Ein interessanter Artikel eröffnet diese Nummer*. ^Jüdische Weisheit". Es ist eine Übersicht der jetzigen Judenlage, der Lage des Judentums. „Haben wir denn keine Philantropen, keine genialen Gelehrte, keine grossen Künstler?", fragt der Autor. Und er antwortet: „Sicher, die Juden haben Gelehrte und Philanthropen, aber das Judentum hat bitter wenig davon." „Ich frage mich selbst und die anderen Juden allen Ernstes, was hat das Judentum in dem letzten Jahrhundert durch eigene Kraft gewonnen? Nichts". . . . Und weiter führt der Artikel eine interessante Parallele durch: zwischen dem Belgier Joris, der einen Anschlag auf den Sultan machte und von den türkischen Richtern zum Tode verurteilt wurde und dem jüdischen Volke: „Belgien ist ein Land, ein kleines Land, aber ein selbständiges Land, ünd deshalb konnte es durchsetzen, dass an Joris als Belgier das Todesurteil nicht vollzogen werde. Aber Juden sind keine Jorisse. Und dennoch dürfen Juden gemordet werden ohne Re.ht und Untersuchung, und ohne, dass ein Hahn darnach kräht. Warum? Weil sie niemand verteidigt. . , . Weil sie sich selbst nicht verteidigen können .... Weil sie in aller Welt zerstreut sind, überall ein Vaterland haben, nirgends aber ein eigenes Land." .... Die Juden, die so sprechen können, sind nicht mehr rieyerman'sche Typen, weder Rafaels noch Sacheis („Ghetto"). Eine frische Generation kommt. AUS DER BEWEGUNG In dieser Woche fanden die Land eskonferenzeri der rumänischen, bulgarischen und italienischen zionistischen Förderationen statt. Aus Rom erhalten wir über die Tagung der italienischen Gesinnungsgenossen folgendes Telegramm: Rom, 9. Januar. (Privat-Telegramm.) Der fünfte Kongress der italienischen Zionisten, der in Rom am 7. und 8. d. M. tagte, erklärte, unabänderlich am Baseler Programm festzuhalten. Die Diskussionsthemata waren die Frage des Nationalfonds, die Taktik, die die italienischen Zionisten in ihrer Propaganda einzuschlagen haben und die Umbildung der Wohltätigkeitsinstitutionen. Die Versammlung ehrte in würdigster Form das Andenken der Opfer der Judenmassaker in Russland. Es langte ein Begrüssungstelegramm vom Präsidenten des Actionskomites an, das mit Applaus aufgenommen wurde. Sorani. (Ausführlicher Bericht folgt in nächster Nummer.) Ueber die rumänische und bulgarische Landeskonferenz werden wir noch ausführliche Berichte bringen. Eine ausserordentliche Tätigkeit, die auch von, der europäischen Presse verzeichnet wird, entwickeln unsere Gesinnungsgenossen in Galizien. Wir erhalten darüber u. A. nachstehendes Telegramm: Hundert Volksversammlungen. Lemberg, 8. Januar. (Orig.-Telegr.) Auf Initiative der g a 1 i z i s c h e n Zionisten fanden gestern im ganzen Lande hundert Volksversammlungen statt, denen eine gleichlautende Resolution zu Gunsten der Anerkennung der jüdischen Nationalität und behufs Schaffung einer jüdischen Wählerkurie vorgelegt werden wird. Ausserdem liegt uns eine Reihe detaillirter Berichte aus vielen galizischen Städten vor, die von der weitgreifenden und tatkräftigen Aktion der galizischen Zionisten ein beredtes Zeugnis ablegen. Sechzig zionistische Frauen haben in Johannesburg an einem Tage eine Sammlung für die russischen Juden veranstaltet und einen Betrag, von etwa 6000 Mk. an das Hilfskomitee abgeführt. Die Organisation „Poale Zion" in Jaffa hat bei der Anglo-Pälestine Co. als Ergebnis einer Sammlung unter den Genossen 200 Francs für die jüdische Selbstwehr erlegt. Eine grosse Zahl von Ma kka b ä e rf ei e r n und Agitationsversammlungen wurde in dieser Woche abgehalten, darunter solche in grösserem Umfange in Kassa, Sambof, (Verein „Judith") Tlumacz, Bolechow, Wien („Theologischer Verein"), Press bürg („Ahawath Zion"), Suez a w a (Verein „Theodor tierzl"), Czernowitz („Poale Zion"), Kossöw (Verein „Zion"), Gwozdiec („Leseverein Zion"), T r o p p a u (Verein Jeschurun), Dombrau, M. Ostrau („Ivria"), S t r y j (Verband „Zion"), über die wir aus Raummangel nicht ausführlich berichten können. Von einer Reihe zionistischer Veranstaltungen in Deutschland erstattet die „Jüdische Rundschau" Bericht. In England sind für das Ende dieser Woche grosse Agitationsversammlungen geplant, darunter eine in Glasgow. Voranzeigen erhielten wir über eine am 27. d. M, ,in. Wien stattfindende Akademie des Vereins jüdischer Mädchen „Moria" zugunsten der russischen Juden. Gleichfalls zugunsten der durch die Massaker Geschädigten wird am 22. Januar in Berlin eine grossangelegte Gedenkfeier mit Dr. Oppen heim er als Festredner stattfinden. Aus dem reichen Programm seien hervorgehoben: Prolog von Alfred Nossig, Aufführung des Schlussaktes aus den „Makkabäern" und „Lebende Bilder" aus der Geschichte des jüdischen Volkes. Gelegentlich der Feier wird auch eine Festschrift: „Die Zukunft der Juden" erscheinen. . Wir erhalten ferner bei Schluss des Blattes nachstehendes Telegramm: Die englischen Zionisten und die Parlamentswahlen. Sir Francis Montefiore versandte im Namen der „English Zionist Federation" ein Rundschreiben an sämtliche Parlaments- Kandidaten, worin sie auf die Alien Bill und ihre Wirkungen aufmerksam gemacht werden. Zugleich wird darin das , zionistische; Programm entwickelt und auf die im Zionismus liegenden ein-: zigen Möglichkeiten zur Lösung der Judenfrage hingewiesen.,-— Wenn die Kandidaten sich für den Zionismus einzusetzen bereit erklärten, so könnte ihnen wieder Unterstützung seitens der jüdischen Wähler zuteil werden.