Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316171--47348-3342544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 14 flb!t 20c W^Jt" Nr. 38 der Judenfrage entscheidend sein, welche Elemente gewiss die verhasste Judenfrage, die ganz Russland schändet, würden aus der Welt schaffen wollen. Der „Fraind" dagegen kann dieser Anschauung nicht beipflichten. Er tritt entschieden der Ansicht derjenigen entgegen, die in der Wahrung der jüdischen Sonderinteressen eine Kollision mit den allgemeinen Prinzipien des Rechtes und der Menschlichkeit erblicken. Von redaktioneller Seite wird der Standpunkt, den wir vor kurzem an dieser Stelle mitgeteilt haben, nachdrücklichst verfochten. Allein einzelne Stimmen machen sich auch in diesem Blatte geltend, die dahin auslauten, dass im Falle, die Radikalfortschrittlichen in der Duma nicht vertreten sein sollten, es für die Juden in keiner Beziehung nützlich wäre, sich am den Wahlen zu beteiligen. Beutow in seinem Brief an die Redaktion (194) befürwortet sogar von den nach den Wahlvorschriften zu erhoffenden Wahlergebnissen das Schlimmste für das jüdische Volk in seineni breiten Schichten, da nur boufgeoise Abgeordnete dazu kämen, das jüdische Volk zu vertreten, und diese hätten zur Genüge bewiesen, wie wenig sie die Volksinteressen zu wahren wissen. Ein zweiter Artikel „Ben-Chaims" (195) sucht die Ratlosigkeit nach allen Richtungen hin zu beleuchten und fordert zu ernstem Nachdenken auf. Entweder die Wahlen werden in „rein bureaukratischer Art4' gemacht werden unter den gegenwärtigen Zuständen von „Freiheit" in Wort, Presse und Versammlung, dann sei von den Wahlen überhaupt nichts zu ejwarten, denn sie würden nichts weniger als „Wahlen" sein; das wäre dann überhaupt kein Parlament. Oder aber es würde die Agitation möglich gemacht, dann würden die Juden durch ihre Abstinenz die progressiven Kräfte nur abschwächen und der Reaktion zum Siege verhelfen. Allenfalls sei die Art, wi e sich die Juden zu den Progressiven zu verhalten haben, einer reifen Erwägung wert. B. Die Einwanderung nach England hat, wie der „Jewish Chronicle" berichtet, im Monat August bedeutend ^abgenommen. 17.225 in diesem Jahre gegen 20.230 im August 1904. London allein zeigt eine Abnahme von beinahe 1000, nämlich 5023 gegen 5974 des vorigen Jahres. Die Gesamtzahl der Einwanderer in den ersten acht Monaten bis 31. August weist allerdings eine Steigerung auf (139.997 gegen 123.992), aber diese Zahlen gestatten, wie der offizielle Bericht hervorhebt, keinen Rückschluss auf die wirkliche Einwanderung, da darunter auch die im Transit befindlichen sind. Seit zwei Monaten besteht, wie wir dem „Jewish Cemment" entnehmen, im Osten von New York eine koschere Volksküche, deren starke Inanspruchnahme ein Beweis ist, wie gross das Bedürfnis nach einer billigen und gleichzeitig streng rituellen Nahrung unter der jüdischen Massenbevölkerung New Yorks ist. Bereits im ersten Monat war ein so starker Zulauf, dass man gegen 1000 Mahlzeiten täglich verabfolgte. Für die Kleinigkeit von 5 Cents wird da eine vollständige Mahlzeit, bestehend aus Suppe, 7< Pfund Fleisch, eine Tasse Tee und; Brot geboten, so dass die Volksküche für die Einwanderer, deren Familien meist noch in Europa sind, ode* für die jüdischen Arbeiter, die entweder zeitweise stellungslos sind oder einen geringen Verdienst haben, eine äusserst wohltätige Einrichtung ist. Es> ist zu hoffen, dass die Zahl der jüdischen Volksküchen bald zunehmen werde, da die jetzt bestehende zwar ohne Gewinn, aber auch ohne jeden Verlust arbeitet. Der „Comment" bringt auch die Nachricht, dass die Einwanderungsfrage in Amerika wieder einmal zur Beratung kommen soll. Die „National Cevic Föderation" hat die Anregung dazu gegeben und an die Gouverneure aller Staaten die Einladung ergehen lassen, für eine arn 6. und 7. Dezember in New York stattfindende Konferenz Delegierte zu entsenden. Jeder Staat soll durch zehn Delegierte vertreten sein und man erwartet, dass auch Präsident Roosevelt einen offiziellen Vertreter ernennen werde. Die Beschlüsse dieser Konferenz sollen dann eine Direktive für die in Aussicht genommenen Aenderungen der Einwanderungsgesetze sein. Die Liste des Komitees zeigt die hervorragendsten Philanthropen und Sozialpolitiker Amerikas, ebenso wie die Art und Zahl der Fragen, die die Konferenz zu beantworten haben wird, erwarten lässt, dass das Problem der Einwanderung im vollen Umfange erörtert werden wird. In einem Interwiev gibt Mt. Robert Watehorn:, der die Einwanderung in Ellis Island überwacht, zu, dass dje bestehenden Gesetze manche Mängel aufweisen und erwartet von den Vorschlägen der Konferenz die Behebung mancher Missstände. Trotzdem fast alle in Amerika erscheinenden jüdischen Blätter dem Zionismus freundlich gegenüberstehen, hat sich doch die Notwendigkeit herausstellt, noch ein rein zionistisches, offizielles Blatt zu gründen. Die Federation der amerikanischen Zionisten beschloss daher die Herausgabe eines Jargon-Blattes „Der Jud", als dessen Herausgeber D. Abersohw und Abraham Go'ldberg, der frühere Herausgeber der „Neuen Stimme", fungieren. Achtung! Die Nummer dor Oestern ichischen Nationalfondskommission für den Postscheckverkehr ist 885067. ffibuoe- (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Für die Feiertage. Der theologische Verein dor Hörer an der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien empfiehlt den P. T. Gemeinden seine Mitglieder als Prediger an den hohen Feiertagen. Gef. Zuschriften sind zu richten an Dr. Gustav Sicher, IL, Rembi andtstrasse 28, Mezzanin. * * * Mitteilungen des inneröäterr. Distriktskomitees. Das inneröstsrr. Distriktskomitee teilt mit, dass auch dieses Jahr in allen Räumen des Kongressbureaus (IX. Türkenstrasso Ü) an den hohen Feiertagen ein Gottesdienst stattfindet, weshalb die P. T. Gesinnungsgenossen und ihre Damen eingeladen werdec, rechtzeitig die gewünschten Platze zu belegen. Anmeldungen etc. sind zu richten an Herrn Teitelb a u m im Kongrestbureau, der auch nähere Auskünfte erteilt. Das innerösterreichische Distriktskomi t e e: Berta Herrmann Max Markus Schriftführerin. Obmann. * * *!D3^rra - mb onnpbi Brüder! Unser schönes Sukkoth-Fest naht heran, das Fest der Ernte und des Einsanmielns der Feldfrüchte, an dem wir so lebhaft an jene herrliche Zeit erinnert werden sollen, da wir noch auf der geliebtem Scholle unserer Heimat gesessen und als freies selbständiges Volk uns in Ehren unserer Arbeit freuten. Und da ziemt es sich, dass jeder Jude, dem diese Erinnerung nicht eine leere Phrase ist, dem Israels Vergangenheit auch in der Gegenwart nicht etwas Abgestorbenes, sondern ein in alle Zukunft hineinragem'.es teures und heiliges Gut ist, sich an diesem schönten Feste unseres heiligen Heimatlandes, seiner Früchte und derjenigen Pioniere erinnert, die vor uns ausgezogen sind, unseren heiligen Beden fjuchtbar zu machen und ihn aus einer Jahrhunderte dauernden Einöde in schöne blühende Gärten zu verhandeln. Kaufet trjnrK in Erez-lsrael, bei euren B r ü d e r n, den j ü d i s c h e n Kolonisten! Ihr fördert damit das Gedeihen der jüdischen Ansiedlungen im heiligen Lande und tut ein weit besseres Werk, als wenn ihr tausende „milde Gaben" nach Mf.inz-1-sraelitischer Art zwecKlos hinausspendet, während ihr euren Bedarf an einem religiösen Artikel bei unseren Feinden in Griechenland und Corfu decket. Achtet nicht auf die frommgleissnerioche Agitation gewisser „Israeliten" und erfüllet eu«r<e Pflicht euren Brüdern, eurem Heimatlan.de gegenüber! Wer einen schönen „Ethrog" ans Palästina will, wende s:c> an die Gesellschaft (der vereinigten Gärtner) „Pery Ez ftedar" in Jaffa, oder r.n den Unterzeichneten, der wie alljährlich diese Gesellschaft vertritt, und er wird sein Sukkothfest würdig und ehrenhaft, wie es einem wahren Juden geziemt, feiern. Auskünfte erteilt: Leib Koretz, Ropczyce (Galizien).