Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 „bis # weit" Seite 9 Ein Aktionä r: Und dass alle Diskussion aufhört. Herr J. H. Löwe: Ich bestehe auf Abstimmung über den Antrag, zu vertagen. Der Vorsitze nd e: Meine Herren, der Sekretär teilt mir mit, dass ich nicht berechtigt bin, eine Resolution bezüglich Vertagung dieser Versammlung anzunehmen; er sagt, sie wäre nicht legal. Der Sekretär: Sie können die Versammlung nicht vertragen. Vertagen heisst, sie auf einen anderen Tag aufschieben. Das können Sie nicht tun. Die heutige Versammlung ist einberufen worden, diese Resolutionen zu bestätigen. Was Sie zu tun haben, ist entweder die Resolutionen zu bestätigen oder zu verwerfen. Sie dürfen nicht ungesetzlich handeln. Was wünschen Sie zu tun? Sie können nicht vertagen, weil, wie ich Ihnen bereits gesagt habe, heute der letzte Tag ist, an welchem diese Vertagung abgehalten werden kann. Was gedenken Sie daher zu tun? Sie, müssen klar darüber sein, dass der Antrag anf Vertagung ungesetzlich ist. Der Vorsitzende: Meine Herren, der Punkt., weichen Herr Neumann erwähnt, ist wirklich nur ein technischer, da er annimmt, dass Vertagen" meint, die Versammlung aufzuschieben; was wir aber tun könnten, wäre, die Versammlung zu schliessen. Das ist wirklich der Wunsch der grösseren Anzahl der hier anwesenden Aktionäre, und ich bin bereit, einen solchen Antrag entgegenzunehmen. Ich würde einen solchen Antrag vorziehen, weil Ihre Idee einer Vertagung die einfach technische Idee ist, die Versammlung an einem anderen Tage fortzusetzen. 1 -p.t F 1!• k e n s t e i n: Herr Vorsitzender, wir kör-nen vertage^' und werden die Verantwortlichkeit übernehmen. Herr K o p o 1 o v i t c h: Ich beantrage, dass wir die Versan n lmg schliessen, weil wir keine Anträge entgegennelmici wollen. Herr Lozinsy: Ich unterstütze das. Der Vorsitzen de: Es ist vorgeschlagen — Herr J. M o s e r: Bevor dies geschieht, kann ich vor. meiner Autorität Gebrauch machen? Mir ist gesagt worden, dass ich als Mitglied des Aufsichtsrates der Bank berechtigt bin, eine Abstimmung durch Stimmzettel zu verlangen, und dass st lehes dann geschehen nniss. Dieserhalb hat es keinen Zweck, über Schluss der Versammlung abzustimmen. Ich bestehe auf meiner Berechtigung als Mitglied des Aufsichtsrates .md verlange Abstimmung durch Stimmzettel. Der Vorsitzende: Ein Mitglied, des Aufsichtsrates kann Abstimmung durch Stimmzettel verlangen: bezüglich der Frage, ob diese Versammlung geschlossen werden soll oder nicht, sagt mir Herr Neumann, dass in der Bedeutung des Wortes „Vertagung" etwas technisch Unzulässiges ist. Wenn mir gesagt wird, dass eine Sache rechtswidrig ist, werde ich doch nicht die Verantwortlichkeit auf mich nehmen und sie dennoch durchführen. Herr Beut wich: UnglücKlicherweise stehen wir einer ganzen Anzahl unglückseliger Umstände gegenüber. Wir haben hier keinen, der berechtigt' ist, über diese Angelegenheit zu entscheiden. Wir haben, keinen Sollizitor hier oder einen seiner Gehilfen, welcher uns gewisse Aufklärungen geben könnte. Man erwartet von uns, eine mündliche Meinungsäusserung, welche uns der Sekretär, natürlich in ganz reeller Weise, wie er sich deren erinnert, wiedergegeben, anzunehmen. Wir haben jetzt schon eineinhalb Stunden diskutiert und nun wird uns vom Sekretär mitgeteilt, dass wir nicht weiter verhandeln können. Ich bin der Meinung, dass die ganze Sache unrichtig ist, und dass Sie uns erlauben sollten, nicht die Alternative anzunehmen, hingegen das Risiko zu übernehmen, in jedem Falle die Versammlung zu vertagen, was auch immer das Risiko sein mag. Herr J. Moser: Ich ziehe meine Forderung, durch Stimmzettel abzustimmen, zurück. Der Vorsitzende: Mir scheint es, dass die Abstimmung durch Stimmzettel 'bezüglich der Vertagung ganz und gar unausführbar ist. Es würde mehrere Tage dauern, die Sthnmenanzahl festzustellen. Inzwischen könnten uns unsere Aktionäre, die hier sitzen, verhungern. Alle diejenigen, welche für die Vertagung der Versammlung stimmen, bitte die Hand zu erheben. Nach Abstimmung durch Handaufheben erklärte der Vorsitzende den Antrag mit vier Gegenstimmen angenommen.' Er bemerkte weiter: Die nächste Versammlung wird als ausserordentliche Generalversammlung einberufen werden, und hat der Aufsichtsrat allein das Recht, darüber Bestimmungen zu treffen. Schluss der Versammlung. * * * Herr Präsident Wolffsohn, der in die Leitung des Aufsichtsrates berufen wurde, ist aus dem Direktorium der Rank geschieden. Letzterem gehören jetzt an: Dr. N. Katzenelsohn-Libnu (Präsident), I. Kann-Haag (Vizepräsident). Samuel Barbaseh-Odessa, Hugo Uryson- Moskau, Josef Cowen-Lonrlon (früher Governor). Rubrik für Diskussion. Die Stellungnahme der „Welt" zu allen Fragen des Zionismus ist, durch die Kongressbeschlüsse und den Aufruf des Präsidenten des A.-C. festgelegt. Sie bleibt aber weiter jeder sachlich vorgebrachten Meinung offen und gestattet selbstverständlich gerne eine Diskussion in richtigen Grenzen. Wir führen dafür diese besondere Rubrik, wo auch alle inoffiziellen Meinungen zum Ausdruck gelangen können. * * * Mr. Israel Z an er will schrieb uns. er fühle sich in zwei Artikeln der „Welt" angegriffen und erwarte. Feinen Standpunkt bei uns entwickeln zu können. Wir glauben, vom Standpunkt der Sitte und Gerechtigkeit, in diesem Falle vollste Liberalität zeigen zu sollen, und bringen über Verlangen Mr, Zangwills seine Montag in London gehaltene Rede. * * * Israel Zangwills Kongressreport vor seinen Londoner Wählern. (Abgegeben am KS. d. M. in MWonderlarid*\) Uebersetzt für „Die Weit1' von Dr. .f. M. S—d. "Meine Dnmo.ii mir] Herren. "Mitglieder der Vermne Darchoi Zinn. Aiere.-s Zion und des Zionistischen Krankenvereines! Als Ihr Delegierter zum VIT. Zionistonkop.gress habe ich nun die Ehre, Ihnen meinen Bericht über denselben zu geben. Wenn er etwas spät kommt, so ist es teilweise der Erholung, der ich nach einer fast schlaflosen Woche in Basel während des Kongresses sehr bedurfte, zuzuschreiben, tcilwoc-o aber den Reisen, die ich in Deutschland in Angelegenheiten der neuen jüdipeh-territorialistischen Bewegung, mit der ich eng verknü])ft hin, machen lnnsste. von der ich aber auf einer zionistischen "Plattform natürlich nur herzlich wenig sprechen darf. Sic beauftragten mich erstens, die Wahl der drei Führer Dr. Nordan, Herrn Wolffsohn und Professor Warburg zu inderstützen, aber, da Herr Dr. Nordan, wie ich noch vor dem Kongress voran— gesehen hnho. fdch zurückgezogen hatte, so wurde der Elan eines Triumvirats im Stich gelassen und Hein- Wolffsohn. der bereits Präsident der Jüdischen Kolonialbank ist. wurde einziger Eübror, womit ich aber nicht unzufrieden sein kann, da ich. persönlich stets ein Anbeter der Allein führcrsehaft war. Sie instruierten mich zweitens, die Herren Greenherg, Sir Francis Alontefiore, Moser und mich selbst für das Aktionskomitee zu empfehlen. Ich erfüllte Ihren