Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316171--47341-3342537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 38 „We * w^it" Seite 7 würde eine solche Abstimmung nach der Versammlung unter den Mitgliedern im allgemeinen stattfinden oder würde diese Abstimmung nur unter den hier anwesenden Aktionären erfolgen? Würde diese Abstimmung eine allgemeine Abstimmung sein? Der Vorsitzende: Ich denke wirklich, dass. Sie besser imstande sind! als ich, diese Frage zu beantworten. Wir werden nichts tun, das rechtswidrig ist. Ich kann Ihnen das nicht sagen; Sie müssen das besser wissen als ich. Herr S. L en i: ox-L ö we: Herr Vorsitzender, ich wünsche zu fragen, damit wir es ganz deutlich wissen: Können die Gründer-Aktien auf dieser Versammlung benützt werden oder vielleicht nach dieser Versammlung; mit der1 Absicht, die Entscheidung der heutigen Versammlung zu beeinflussen? Der V o r s i t z e n d e: Gründer-Aktien können nur dann benützt werden, wenn sie im den Händen von Bevollmächtigten der Gründer-Aktionäre sind. Ein Aktionär: Darf ich vorschlagen, dass diese Versammlung auf einen anderen Tag vertagt werden wird? Herr S. Lennox-Lö we: Ich unterstütze den Vorschlag des Herrn Bentwich. Herr F i n k enstein: Hinsichtlich der Tatsache, dass die Bekanntmachung bezüglich dieser Versammlung nicht so veröffentlicht werden ist, dass die Majorität der Aktionäre davon Kenntnis ■erhalten hat, da sie doch niemals die „Times44 lesen und viele derselben auch nicht die „Jewish World'4 zu lesen imstande sind, beantrage ich die Vertagung dieser Versammlung auf drei Monate. Die Bekanntmachung dieser Vertagung soll durch die jüdischen Zeitungen erfolgen, so dass allen Aktionären d;e Gelegenheit geboten wird, ihre Stimmen entweder persönlich oder durch Bevollmächtigte abzugeben. Der Vorsitzende: Dieser' Antrag ist nicht zulässig. Wir müssen die Resolutionen entweder bestätigen oder verwerfen; ich kann dksen Vorschlag nidht annehmen. (Unterbrechung.) Herr Auerbach spricht jüdisch. Der Vorsitzende: Herr Auerbach ich denke, bevor Sie weiter auf diese Dinge eingehen, sollten Sie doch unsere Lage in Betracht ziehen, in welcher wir uns leider durch die Abwesenheit des Heren Temkin befinden, und uns den Versuch machen lassen, zu bedenken, was wir zu tun haben; dann können wir uns eventuell mit den Fragen, welche Sie aufwerfen, beschäftigen. Was nun diejenigen Personen anbetrifft, welche Aktionäre der Bank sind und welche durch die unpassende Stunde der Versammlung hier nicht anwesend sein können, erlaube ich mir zu bemerken, dass diese durch Bevollmächtigte abstimmen können. Wir gehen augenblicklich auf Dinge ein, auf welche wir nicht eingehen brauchen. Ich denke, dass jeder in diesem Saaiei bemüht ist, der Bewegung, welche die Bank geschaffen hat, treu zu bleiben. (Hört! Hört!) Ich denke, das ist der Fall. Anstatt hitzige Reden und1 Angriffe von dieser oder jener Person könnten wir doch viel Besseres für unsere Bank und die Bewegung tun, welche noch viel wichtiger als die Bank ist, wenn wir hier überlegen würden, wie wir uns am allerbesten aus dieser peinlichen Lage, in welche wir durch die Krankheit des Herrn Temkin geraten, heraushelfen könnten. Herr Auerbach, ich bin sicher, dass Sie ebenso wie jeder andere in diesem Saale Ihr Möglichstes zu tun wünschen, dass hier nichts geschehen soll, welches entweder der Bank oder der Bewegung schädlich sein könnte. Dieses können wir nur erreichen, wenn wir die Lage, in welcher wir uns jetzt befinden, recht vorsichtig bedenken. Herr Lozinsky: Zur Geschäftsordnung! (Unterbrechung und grosser Lärm.) Der Vorsitzende: Unglücklicherweise muss ich mit jedem in diesem Saale besonders argumentieren. Sie sprachen nicht zur Geschäftsordnung. Ich werde mit Ihnen wohl auch bald argumentieren müssen. Wenn Herr Lozinsky mir Aufmerksamkeit geschenkt hätte, würde er wissen, dass meine Worte an Herrn Auerbach gerichtet waren, weil er wirklich diese Bemerkungen hervorgerufen hat und diese doch eigentlich an die Versammlung gerichtet sind. Ich zweifle nicht, dass eine Anzahl der Anwesenden gerne hören möchte, was ich jetzt in diesem Momente zu sagen habe. Ich wollte Ihnen besonders mitteilen, dass, wenigstens soweit es meine Person anbetrifft, ich es durchaus vermeiden möchte, dass die Abstimmung eine Zufallsabstimmung wird. (Hört! Hört!) Ich würde mich gegen ein derartiges Resultat ebenso gestellt haben, wenn es die anbetrifft, welche dagegen stimmen, als wenn es sich um die handelt, welohe für die Resolution stimmen. Wenn wir überhaupt zur Abstimmung schreiten, dann wollen wir doch diese nur ganz rechtschaffen vornehmen, und diejenigen von uns, welche dann in der Minorität sein sollten, würden dann wenigstens doch die Beruhigung haben, dass die Abstimmung in reeller Weise vor sich gegangen ist, dass es nicht gestattet wurde, dass eine Majorität durch einen geringen Zufall in eine Minorität umgewandelt worden ist. Es ist möglich, dass ich selbst mich in der Minorität befinden würde; ich wäre zehntansendmal lieber in der Minorität auf ehrenhafte Weise, als in der Majorität auf unehrenhafte Weise. (Hört! Hört!) Alles, um was ich Sie nun bitte, ist, dass Sie momentan sich mit keinem anderen Punkte beschäftigen, als damit, wie Sie diese Schwierigkeit, welche die Abwesenheit des Herrn Temkin hervorgerufen! hat, überwinden können. In dieser Beziehung würde der Rat des Herrn Bentwich von grösstem Werte sein. Er ist ein Advokat; es ist möglich, dass andere Advokaten sich im Saale befinden; oder, vielleicht kann uns Herr James H. Löwe einen guten Rat erteilen. Ich hoffe, er wird es tun; aber lassen Sie sich uns an diesen Punkt halten. Herr .1. H. Löwe: Sie bemerkten, dass die Vertagung dieser Versammlung mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Ich versichere Ihnen mit aller Hochachtung, dass nach meiner bescheidenen Meinug Sie in der Tat die Schwierigkeiten übertrieben haben. Tatsächlich wissen wir vom Resultate der Abstimmung auf der ersten Versammlung, welche in Basel stattgefunden, dass eine bedeutende Majorität der Aktionäre für die Aenderungen ist; dieserhalb ist es gleichgültig, ob die Versammlung heute oder nach einem, zwei oder drei Monaten stattfindet; wir wissen, dass es sich nur um eine Formalität handelt und dass die Resolutionen angenommen werden müssen. Darüber ist kein Zweifel. (Unterbrechung.) Sie sagten, dass, falls wir diese Versammlung vertagen, wir noch einmal Basel haben müssen. Ich bim ganz anderer Meinung. Diese Versammlung kann ganz ruhig auf solche Art, die Ihnen am besten passt, sagen wir einen Monat oder sechs Wochen, vertagt werden, und eine Versammlung kann hier in diesem Saale oder in Ihrem Bureau abgehalten werden und würde die ganze Verhandlung dann nur etwa zehn Minuten zu dauern brauchen, um die ganze Sache zu erledigen. Eine Debatte braucht nicht stattzufinden. Die zweite Versammlung findet dann vierzehn Tage später statt, und dadurch ist nichts verloren gegangen. Wenn Sie dies tun, entheben Sie sich der Verantwortlichkeit, welche jetzt auf Ihnen lastet, und auch wir ent^eh&n jeder Verantwortlichkeit in dieser Sache. Ich unterstütze deshalb den Antrag des Herrn Bentwich. Ich habe weiter nichts hinzuzufügen, meine Herren. Sobald der Antrag auf Vertagung gestellt worden ist, werde ich denselben gern unterstützen. Der Vorsitzende: Bevor Sie weiter verhandeln, hätte ich gerne, dass Herr Neumann wiederholt, was er der Versammlung in bezug auf die Frage der Vertagung bereits mitgeteilt hat; denn ich wünsche nicht, dass auch nur der geringste Zweifel oder die mindeste Unentschiedenheit obwalte, was wir Ihnen in dieser Sache angeraten. Herr Bentwich: Ich verstand, dass keine schriftliche Meinungsäusserung vorhanden war.