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Die Welt · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bie j> wtit" Nr. 52 stellen. Dünn sprach er: „Höre mich an, alter Mann! Du musst mich retten und über die Grenze nach Bulgarien bringen. In der Este und auf dem Bücken eines Juden wird man den Komitadji nicht suchen. Gelingt es dir aber, niieh über die Grenze zu schaffen, so will ich dir diese Tal; fürstlich lohnen. Wie und womit weiss ich noch nicht, aber ein Lohn soll es sein, dessen sich deine Kindeskinder noch \reuen werden. Das schwöre ich beim Andenken an meine Altern und beim Blut der Helden, die in diesem Walde für die heilige Sache gefallen sind. Und nun noch eins: Der Wald wird von den Türken fortwährend durchsucht, und es ist möglich, dass die Späher Verdacht schöpfen und wie Bluthunde ihr Opfer wittern. In diesem Falle lege die Kiste ruhig nieder und entferne dich rasch so weit als nur möglich von der Stelle, denn ich habe Dynamitpatronen bei mir und will mein Blut schwer und teuer verkaufen.4' In diesem Augenblick vernahm man Schritte ans nächster Xähe. Die beiden Männer hielten den. Atem an. Dem Juden pochte das Herz, als wollte es ihm die Brust besprengen; seine blassen Lippen bewegten sich und jautlos betete er das „Höre Israel in sich hinein. Eine Abteilung türkischer Soldaten mit vorgestrecktem Bajonett zog an beiden vorüber, ohne sie jedoch bemerkt zu haben. Nach einer langen Pause nahm der Jude im Flüsiertön das Gespräch wieder auf: „Höre mich an, Zwetko Belt- ^hofty* sprach er, ..ich glaube, dass der himmlische Vater mich zu deiner Bettung ausersehen hat und ich erachte es für Monsehenpflieht, dir in der Xot beizustehen. Ich \vi!l dein Verlangen erfüllen, will dich auf meinem Rücken über die Grenzt' tragen. Doch tue ich das nicht auf Furcht \or deiner Drohung, noch weniger in Erwartung irgend einer Belohnung. Bei derartigen Gelegenheiten denkt man nicht kleinlich. Sollte ich dabei mein Loben einbüssen, *o wird der gütige Allerbarmer dort oben für ineine Kinderchen sorgen und sie nicht verhungern lassen. In Gottes Xamcn denn, ans Werk!u' Indem der alte Mann diese Worte sprach, entnahm er aus seiner grossen Kiste eine Unmenge von Schachteln, Paketen, Papiersäcken mit Papierbinmen, (ilasperlen. Nadeln, Medikamenten und dergl.. welche t behutsam am Fasse einer grossen Eiche auf dem Wtiidboden aufschichtete. Da im machte der junge Komitadji das Zeichen des Kreuzes und setzte sich mit einem ..Gott helfe" in die leere Kiste hinein. Der Jude schlug dem. Deckel zu. band die Kiste kreuzweise kunstvoll mir einem starken Strick. stemmte dieselbe gegen seinen Bücken und hob sie mit Anspannung aller Kraft vom .Endboden auf. X'tut wickelte er die beiden Huden des Strickes einigemal um den Brustkorb, nahm den Knüttel in die Hand und machte sich recht behutsam auf den Weg, nicht ohne vorher den einigeinzig m Gott Israels angerufen zu haben. Kach einer kurzen Stunde Weges trat er aus dem Wald ins freie Feld hinaus. In der Xähe eines von Armin ten bewohnten Dorfes kamen ihm einige türkis die Soldaten entgegen, welche auf der Suche nach dem gefiirchteten Häuptling Zwetko Boltseheff den Wald durchqueren wollten. Der „Onbaschr* oder Zugsführer kannte den Juden nicht und verlangte dessen „Teskereh" (türkischer Passierschein). Der Jude wies das Dokument vor; dasselbe» war in Ordnung und der Jude konnte unbehelligt weiterziehen. Ktwas späte]- kamen einige türkische Feldhüter auf ihn zu und wollten Zigarotlenpnpier kaufen. Buhig und bescheiden antwortete der Jude, das.- er den Vorrat von. Zigarettenpapier ausverkauft hatte. Fr schenkte ihnen ein halbes Hüchel aus seiner Tabaksdose, griisste und zog weiter. Fr wich nun vom Landweg ab und kam gegen Abend in ein wildes, einsames Tal. Hier machte er Halt, um die dunkle Nacht abzuwarien. Alses finster geworden war, zog < r weiter, durchwatete blossf'üssig einen kleinen Bach und war auf bulgarischem Boden. Kaum hatte er etliche Schritte gemacht, als er von einer bulgarischen Grenzwache mit vorgehaltenem Bajonett angehalten wurde: „Verwünschter jüdischer Schmuggler, halte still oder ich schiesse!" rief der Wiichter ihm zu. „Schiesse lieber nicht, Freundchen, sondern führe mich zum Knieten ins nächste Dorf," antwortete ruhig der Jude: ,,ich habe diesmal zollfreie Ladung mit." Vor dem erstaunten Dorfältesten entstieg Zwetko Beltscheff, der gefeierte Komitadji, der Kiste. „Das hast du brav gemacht, frommer G'ottesinann," sprach Zwetko und drückte warm die schwieligen Hände des Juden. „Ich werde dirs fürstlich lohnen. Du sollst bald erfahren, wie Zwetko Beltscheff dankbar sein kann." * * * AVochen und Monate waren seit der Errettung des kühnen Bandenführers verstrichen. Dem alten Juden in Saloniki ging es sehr schlecht. Er hatte nicht den Mut, nach dem Schauplatze seiner opfermutigen Tat zurückzukehren, um sein armseliges Hab und Gut im Wahlesdickicht wieder aufzusuchen; die Gegend war immer noch sehr unsicher und ausserdem musste der ganze Kram durch Wind und Begen völlig wertlos geworden sein. So musste der alte Mann sich ent seh Hessen, in der Hafenstadt öffentlicher Lastträger zu werden, um das trockene Brot für seine Kinder zu verdienen. Eine gar schwere, sorgenvolle Zeit war für ihn herangebrochen und er sah kummervoll einer düsteren Zukunft entgegen. o O Eines Tages erhielt er durch das österreichische Postamt von Saloniki ein rekommandiertes Schreiben aus Sofia, welches ein Viertellos der bulgarischen Klassenlotterie enthielt. Der kurze Begleitbrief in spaniolischer Sprache besagte, dass das betreffende Los bei der letzten Ziehung den Haupttreffer gemacht hat und dass der Gewinnanteil von viezigtausend Franken ihm, dein alten Juden, durch den bulgarischen Handelsagenten von Saloniki ausbezahlt werden würde. So war es auch und der alte Lastträger wurde über 2\aeht zum wohlhabenden. Mann. Er selbst erzählte mit keinem Worte von seinem Abenteuer mit Zwetko Beltscheff : erst in Sofia erfuhren Beltscheffs Freunde, wie und mit wessen Hilfe der kühne Häuptling gerettet wurde. Briefkasten. Engelstein und F. Metz. Darüber gibt es verschiedene Kombinationen. Das kann Ihnen nur ein Rechtsanwalt beantworten. ";f!f Dj'fliijJ: „Hermonia", „Massada", Theolog. Verein Komotau. Voranzeige zu spät eingelangt. L. J. Bochner, Schönlanke. Bitte sich an die Redaktion in Köln zuwenden. S. Frank, Stanislau. Rosa E. in Dr. S. Hör. Krakau. S. Balab. Dankend abgelehnt. E. E. in Ung.- Ii. Sogar der Eintritt ist nicht denkbar. L. B., Tlumacz. Uns kümmert nur die Stampiglie. Diese war vorhanden. Jon. JFischb., A. Z. Bitte sich an die Palästina-Kommission (Alt-Neuland) zu wenden. J. Hammer, Jerzyce. Das können Sie in einer der Hirsch- Shulen tun. Auf mehrere Anfragen. Dr. B. F. (f—s, Jedua) ist Herr Dr. Ber n ha rd Fuch s, Wien. SPENDEN für den Nationalfonds: S. FC. Benedikt................—.86 Disrg zur Promotion Dr. Hugo Bergmann. Gründer. . —.60 W. A. bei einem Hausball............... 7.42 Rzeszow: Sammlurjg Frau Birnbaum und H. Holoschitz bei der Makkat äerfeier...............37*17 Familie Em. Fönig, Komotau, zur Promotion Dr. Hugo Bergmann..................... 1.— Sa" mlung der Schüler des I. Jahrgangs der Gottbelfschen Handelsschule in Sambor.............. 6.—

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