Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bi* # Weit11 Nr. 50 ausgezahlt, wovon als Betriebsbeitrag dem „Shares-Klubh sechzig Heller - in zwei Jahren! - zufallen. Bei der Generalversammlung am 18. November wurden in den Ausschuss gewählt: Dr. Krengel, Obmann, Monderer, Leser- Sandberg, Abeies. Wien. („Esperanza", Sociedad academica de judios. espanoles.) Neuwahlen: Präsident phil. Isak Alkalay, Vizepräsident med, Josef Haim, erster Schriftführer pharm. Josef Josifoff, zweiter Schriftführer med. Raphael Margulis, Kassier med. Rafael Alfandary. Bibliothekar veter. med Isidor Naehmias. Wien. (Konstituierung des Vereines .,Jüdische Kultur".) Chargenwahlen: techn.M.Stadler, Obmann, techn. J. Weissmann, Vizepräsident, phil. J. Hellmann, Schriftführer, techn. B. Meisner, Kassier, med. A. Sandberg, Bibliothekar. Kos8ow. Der hiesige Verein „Zion" veranstaltete für unsere, bloss für ihr Judentum unter bestialischen Streichen und Martern als Kedoschim gefallenen Brüder in Russland eine grosse allgemeine Trauerandacht, welche im städtischen grossen Beth-Hamidrasch Sonntag am 19. November abgehalten wurde. Den Hesped hielt der Gastredner Herr J. Rates, Rabbinatskandidat aus Kotzmann. Der Vereinsausschuss delegierte aus seiner Mitte vier Mitglieder, und zwar die Herren N. Schnapf, S. Horowitz und A. Hillmann, welche mit Spendensammlungen für die unglücklichen Hinterbliebenen sich zu befassen haben. Die Sammlung erreichte bereits eine Betragshöhe von 300 Kronen, was in unserem kleinen, armen Städtchen viel zu bedeuten hat, und noch ist die Sammlung nicht geschlossen. Von einigen sogenannten Juden, die auch bei diesem grossen Unglück ihre mitleids- und gefühllosen Herzen nicht verleugneten, muss nächstens noch öffentlich gesprochen werden. Ung.-Ostra. Auf Veranlassung des Distriktskomiteemitgliedes Leop. Sonnenfeld fand hier am 19. November ein Trauergottesdienst statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. S. Friedmann eine formvollendete, ergreifende Trauerrede hielt. Bielitz-Biala. Hier wurde dieser Tage ein Verein jüdischer Privatangestellter, welcher den Namen „Theodor Herzl" führen wird, gegründet. Die Leitung desselben wurde einem dreigliedrigen Provisorium anvertraut, bevor die Statuten von der Statthalterei genehmigt werden. Man kann in diesen Verein die besten Hoffnungen setzen, dass derselbe an flelssiger Arbeit sein Möglichstes tun wird. Czortkow. Infolge der Initiative des hierortigen Vereines „Bnei Zion" wurde Sonntag den 19. v. M. mittags in der Synagoge eine Trauerversammlung abgehalten, in der der hierortige Rabbiner Herr Jakob Landau einen ergreifenden H*sped auf unsere hingemordeten russischen Brüdern hielt. Dann wurde von Gg. A.Schwarz als Präsident des Vereines „Bnei Zion* in einem Vortrage die Lage der Juden in Russland, dann die Situation derselben in der ganzen Welt geschildert und in seinen Ausführungen hingewiesen, dass nur im Zionismus die Rettuner des Judentums möglich sei. Seinem sowie dem von Dr. Kozower an die Versammlung gerichteten warmen Appell zu Spenden für unsere unglücklichen und ausgeplünderten russischen Brüder, wurde sofort entsprochen. Von Herrn A. Schwarz und Herrn Dr. Mosler wurden K 644.81 gesammelt. Budapest. Es ist gelungen, eine akademisch-zionistische Fecbtgruppe zu gründen, die sich „Bar Kochba" nennt. Die Zahl der Mitglieder ist auf 13 beschränkt. Der Zweck ist, die Teilnehmer während einer je kürzeren Zeit zu tüchtigen Fechtern auszubilden und den jüdischen Charakter zu stählen. Es wird dremal wöchentlich in unserem Fechtsaal gefochten. Anführer: med. Moriz Künsztler. Es ist auch geplant, einen grossen akademischen Turnverein zu gründen, wo die akademische Jugend turnen und fechten wird. Diese Idee wird, dank der Mithilfe der „Makkabä* baldigst verwirklicht. Agram. Am 25. November fand die konstituierende Versammlung des „Bankbeamtenvereines" statt. Während sonst niemand den Namen des Vereines bemängelte.erhoben nur die Herren F ü r s t, Deutsch und Ruzinski die Forderung, der Name müsse auch die Bezeichnung „kroatischer" enthalten. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Die zwei Erstgenannten sind Juden, der dritte ein getaufter . . . Agram. Am 24, November veranstaltete die hiesige Kultusgemeinde einen Trauergottesdienst für die Opfer der russischen Greueltaten. Oberrabbiner Dr. Jacobi hielt eine ergreifende, tiefempfundene Rede, an deren Ende er die Anwesenden aufforderte, Herz und Hand für ihre Brüder zu öffnen. Wie wir vernehmen, wird in der Agramer Gemeinde — „wegen der anderen" — keine die russischen Greueltaten betreffende Interpellation eingebracht werden. Essegg. Hier sprach in der jüdisch-nationalen Mittelschülervereinigung „Maccabäa" Herr Journalist Otto Kraus über den VII. Kongress und den jetzigen Stand der Bewegung unter grossem Beifall. Berlin. Am 1. November fand im „König von Portugal* Burgstrasse, die Semesterantrittskneipe der Freien Verbindung „Hasmonaea41 statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Es waren unter anderen erschienen: A. H. A. H. Dr. Hantke und Dr. Leszynski, ferner Berthold Feiwel, Dr. Nossig, Dr. Citron, Dr. Julius Moses, Dr. Emil Cohn, Herr S. Hepner, Dr. Blau sowie Vertreter des V. J. St. Berlin und Charlottenburg. Bb. Kaiser begrüsste die Gäste, Bb. Liechtenstein hielt die Tendenzrede, Bb. Mausbacher die Rede auf die Alten ^Herren. Herr Dr. Nossig begrüsste die Tendenz der „Hasmonaea'*. Herr Dr. Citron wies auf die Notwendigkeit einer Einigungim Zionismus hin und toastete auf die beiden anwesenden Mitglieder des grossen Aktionskomitees, Herr Berthold Feiwel gab ein Bild der bedeutsamen historischen Ereignisse, deren Zeugen wir sind und sprach die Hoffaung aus, dass die Befreiung der russischen Juden dem Zionusmus zugute kommen werde. Zahlreiche Glückwünsche zum Semesterbeginn waren eingelaufen, u. a. von Herren Prof. Dr. O. Warburg, Prof. Dr. Rasin, Dr. F. Oppenheimer, Rabbiner Dr. Warschauer* Dr. H. Mühsam, Hermann Struck, von der neugegründeten Schwesterverbindung „Jordania"-München sowie von anderen jüdischen Vereinen, auswärtigen Bundesbrüdern usw. Mit dem Gesänge des „Hatikwoh"-Liedes schloss die Kneipe in schöner und würdiger Weise. Die Chargiertenwahl für das W.-S. 1905—1906 ergab folgendes Resultat: Präsident jur. Kaiser, Brunnenstr. 192, Vizepräsident med. Lichtenheim, Tauenzienstrasse 9, Schriftführer med. Mausbacher, Iavalidenstrasse 10. Coethen i. A. Das Präsidium des akadem. zionistischen Vereins „Tchioh* eröffnete am vergangenen Samstag die W. S.-Versammlung mit einer Trauerrede, in welcher es der für das Judentum Gefallenen gedachte. — Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung bat der Redner, alle möglichen Mittel anzuwenden und Gelder sowohl für die Witwen und Waisen als auch für die Selbstverteidigung zu sammeln. Es gelangte nun das Thema „Der Zionismus als soziale Bewegung" zur Verlesung. (Lebhafte Debatte.) Die folgende Versammlung trug einen rein geschäftlichen Charakter. Präsidium: Vorsitzender ing. P. Kaufmann, Kassenwart ing. A. Berstein und Schriftführer ing, A. Frankel. Da die Kasse des Nationalfonds im steten Zunehmen begriffen ist, so musste zur Verwaltung derselben ein Kommilitone gewählt werden. Dafür wurde Herr stud. ing. H. Kempe vorgeschlagen, dessen Wahl auch bestätigt wurde. Er nahm selbe dankend an und betonte in seiner Rede, dass er nach Möglichkeit die Kasse zu einem wirklichen Schatze zu heben bestrebt sein werde. Das Thema „Mündliche und schriftliche Agitation" wurde zur Debatte gestellt, die ihrer Wichtigkeit und Zeitmangels wegen nicht erledigt werden konnte. Als letzter offizieller Punkt der Tagesordnung wurde über Literatur verhandelt und Anträge über neu einzuführende Zeitschriften gestellt. Der grösste Teil der Anträge wurde angenommen. — Die Versammlung schloss gegen 1 Uhr mit Absingen einiger zionistischer Lieder und einer für die Selbstverteidigung und die Opfer der Gefallenen veranstalteten Sammlung. NB. Die A. H. des Vereines bitten wir, ihre Adressen umgehend mitzuteilen. Königsberg i. Pr. ProtesVersammlung 30. November im grossen Saale der Bürgerressource. Gleich zu Beginn der Versammlung, die von etwa 700 Personen, darunter namentlich auch sehr vielen Damen und vielen russischen Flüchtlingen, besucht war, gab es wieder einen Exodus der Sozialdemokraten, die etwa 80 bis 100 Köpfe stark erschienen waren. Die Genossen Crispien und prakt Arzt Gottschalk waren noch vor der Eröffnung an den Vorsitzenden Justizrat Dr. Lichtenstein mit dem Antrage herangetreten, nach den Vorträgen eine Diskussion zuzulassen. Dr. Lichtenstein erklärte ihnen, dass die Veranstalter von vornherein beschlossen hätten, keine Diskussion zu eröffnen, da eine solche dem Zweck gerade dieser Versammlung, die frei von allen parteipolitischen Gesichtspunkten zu den Greueln in Russland Stellung nehmen solle, kaum entsprechen würde. So benützten die Sozialdemokraten auch diese Gelegenheit wieder zu einer Demonstration auf ihre Weise. Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden nahm dann zunächst Redakteur Dr. Moses, Berlin das Wort,