Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 „bis & W^ii Seite 11 Protestversammlung gegen die letzte Rede des Abg. Dr. Lueger. Der Erfolg für unsere Sache übertraf alle Erwartungen: 63 fixe Beitritte, 132 Bitten um weitere Einladungen, Nationalfonds 100.89 K, Selbstwehr 93.— K, Nationaliondsmarken 12.— K. Ausserdem wurden viele Broschüren verkauft. Die Rede des Herrn Felix Saiten erscheint dieser Tage in Druck. Eventuelle Bestellungen sind an das i.-ö. D.-K. erbeten. Prag. 19. Nov. Hotel Zentral grosse Protestversammlung, einberufen vom Verein jüdischer Hochschüler „Bar-Kochjba', welchem sich die hiesigen zionistischen Korporationen angeschlossen hatten. Vor mehr als tausendköpfig§m\.Publikum — auch die Kultusgemeiiide-Repräsentanz, die. Rabbiner, die Vertreter aller grossen jüdischen Vereine, - waren erschienen — sprach Dr. Heymann, Berlin,-irr trefflich klarer Weise über das nationale Unglück. Von niemandem habe der Jude Hilfe zu erhoffen, wenn nicht, von seiner eigenen Kraft. Die jüdischen Finanziers hätfen in Berlin z. B. zwar 20 000 Mark übrig für die vom Erdbeben in Kalabrien Heimgesuchten, aber nur 5000 Miark' bringen sie auf gegenüber der viel grösseren Not ihrer Stammesbrüder, die nicht durch ein Naturereignis, sondern durch Menschenhass hervorgerufen ist. Eine endgültige Lösung der Judenfrage könne nur die Begründung einer gesicherten Heimstätte in Palästina sein. Lauter Beifall. Resolution, welche die Mächte auffordert, zur endlichen Lösung der Judenfrage im Sinne des Redners, die freisinnige Presse der ganzen Welt zur Erörterung dieser Fragen, wurde einstimmig angenommen. Das Präsidium führte A. H. der „Bar-Kochba" Dr. Kohn. Aus ganz Böhmen von Vereinen und Privaten Zustimmungstelegramme und -Briefe. Zugunsten der Selbstwehr im Saale gesammelt zirka 500 K. Tarnopol. (Verbindung „Bar Kochba".) Volksversammlung im Schlosssaale. Referat des Herrn W. Landau: „Die gegenwärtige Lage der Juden in Russland". 1500 Personen. Vorsitzender: Senior der „Bar Kochba" Ingenieur B. Winkler. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden übernahm Herr Landau sein Referat. In herzergreifender Weise schilderte er die Greuel und die bestialische Grausamkeit, die am unseren Brüdern verübt wurden, teilte dem Publikum mit, dass der Verein „Bar Kochba" sich zur Aufgabe gemacht hat, Geld für die armen Opfer zu sammeln» appellierte an das jüdische Herz und forderte alle auf, ihre Pflicht zu erfüllen. Nach ihm sprach -ein russischer Gesinnungsgenosse Herr Nachmannsohn. Herr Korngrün wies in seiner längeren Rede darauf hin, dass nur -ein solidarisches, zielbewusstes Handeln dem jüdischen Volke helfen könnte. Tumult, als H. K. an die im Saale versammelten Sozialdemokraten die Frage richtete: „Wo waren diese Massen organisierter Arbeiter, mit denen die Juden um die Freiheit kämpfen, als man unsere Brüder mordete, wo waren die Millionen, vor denen der Zar gezittert?" Herr Fischer stellte zwei Resolutionen: In der ersten wurde die tiefste Verachtung jenen Flementen zum Ausdrucke gebracht, die durch die Duldung dieser Greuel als die intellektuellen Urheber dieser Schandtaten anzusehen sind. In der zweiten wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dass nur durch die Erreichung einer offentliehrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina jedwede Judenverfolgung abgewendet und die Existenz der Juden als freie selbständige Nation gesichert werden kann." Beide Resolutionen wurden einstimmig angekommen. — Montag fanden in beiden Synagogen auf Initiative der ..„Bar-Kochba 4 sehr stark besuchte Trauergottesdienste statt, an denen sich die gesamte jüdische Jugend beteiligte. Pino. Ottynia. Auf Veranlassung des hiesigen Zionvereines wurde hier eine Trauerandacht für die hingeschlachteten russischen Volksgenossen in d-er grossen Synagoge abgehalten. Die Trauerrede hielt Herr L. Taubes. Seine Ausführungen riefen unter der dicht gefüllten Menge tiefe Erschütterung hervor. Sämtliche Läden der Stadt waren während der Trauerandacht gesperrt. Die durch den Verein eingeleitete Sammlung ergab bis heute ein Resultat von zirka K 260. Radautz. (Dorsche Zion.) 26. November (28. Marcheschwan 5666) Generalversammlung. Ausschluss: Obmann Herr Dr. Bierer, Obmanustellvertreter Herr J. Menschel, Kassier Herr B. Lehrer, Hausverweser Herr B. Friedländer, 1. Schriftführer jur. S. Lecker, 2. Schriftführer jur.. B. Schärf, Bibliothekar Herr jur. M. Rath, ferner die Herren Seidner, S. Harth, J. Gottlieb, S. Hirsch, F. Frankel, ohne Funktion. Der Verein zählt zirka 200 Mitglieder und bildet das. Zentrum aller jüdischen Bestrebungen des Bezirkes. Er entfaltet eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten Jüdischen Lebens und steht strenge auf dem Boden des Baseler Programmes. Die Führer der hiesigen Zionisten werden regelmässig in die öffentlichen Vertretungskörper entsendet und haben es dahin gebracht, dass die Juden als nationale: Gruppe angesehen und geachtet werden. Von der liier früher in Blüte.-gestandenen Assimilation «ist kaum, eine Spur zu entdecken. Seit einigen Monaten ist durch die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge bewirkt worden, dass der Verein am Schlüsse eines jeden Jahres für alle Mitglieder den Scheitel bezahlen wird, so dass derselbe für den nächsten Kongress eine selbstständige Zweihundertschaft bilden wird. Für den Nationalfonds wird fleissig gesammelt und dürfte in Kürze die zweite Eintragung ins „Goldene Buchu erfolgen. Auch wurde unter Leitung des Nationalfoiidskommissärs Herrn M. Roth ein Share- "JÜub gegründet, der eine erfolgreiche Tätigkeit zu entfalten verspricht. Ebenso macht sich ein bemerkenswerter Fortschritt in der Erlernung der hebräischen Sprache geltend. Kolomea. In Anerkennung seines verdienstvollen warmen Eintretens im Parlament als Jude für sein jüdisches Volk hat der hiesige Verein „Safa Chaja" in einer für den 9. d. M. einberufenen ausserordentlichen Generalversammlung auf Antrag des Präsidenten Osias Fadeiihecht den Reichsrats-Abgeordneten Dr. Straucher aus Czernowitz zum Ehrenmitglied dieses Vereines ernannt. Brody. Der hiesige Akademikerverein „Tchijah" hat für den 18. d. in das Lokal des Vereines ,,Zion" eine Protestversammlung gegen die Jud.enmassakers in Russland einberufen. Ref. Gg. Schneider aus Lemberg wies nach, dass Fortschritt und Judenhass nebeneinander bestehen können und dass die Judenfrage nur durch die Schaffung eines jüdischen Zentrums auf historischem Boden gelöst werden könne. Eine Resolution in diesem Sinne und eine, in der unseren Repräsentanten in der Kultusstube und im Gemeinderat für ihr Nichterscheinen bei der heutigen Versammlung die- Verachtung ausgedrückt wurde, nahm man einstimmig au. Meran, 2. Dezember. Heute vormittags fand hier im zu diesem Zwecke schwarz adaptierten Tempel der Königswarter- Stirtung ein Trauergottesdienst für die Opfer der russischen Judenmetzeleien statt. Kantor Marmorstein aus Wien-Sechshaus trug einige Psalmen vor und Herr Rabbiner Dr. Tänzer hielt eine ergreifende Trauerrede, der jedoch leider jedes jüdischnationale Merkmal fehlte. Herr Dr. Tänzer sprach von einer „Glaubensgenossenschaft'". Wann werden unsere Seelsorger endlich zur Ueberzeugung gelangen, dass wir das „jüdische Volk" und nicht eine „Glaubensgenossenschaft'4 sind, und dass wir mehr nationale als religiöse Nahrung bedürfen? X. Jüdischer Volksverein „Zion", Teplitz-Schönau. Sonntag den 26. November 1905 veranstaltete der Verein zwei Wanderversammlungen, nachmittags 3 Uhr in Dux und abends 8 Uhr in Brüx. Referent Dozent Dr. Mahler aus Prag. Er sprach in Dux über das Thema: ..Das jüdische Volk am Scheidewege", in Brüx über „Das jüdische Problem'*'. Seine Ausführungen, eindringlich und vornehm, durch die neuartig« Beleuchtung, in die er die Tatsache zu stellen wusste, belehrend und anregend, machten einen ausserordentlich starken Eindruck. Der Erfolg war ein sehr guter und ist unserer Idee, besonders in dem bis dahin ganz antizionistisch gewesenen Brüx, der Weg hierdurch gebahnt worden. In Dux sprachen in der Diskussion noch Ernst Hirsch, Teplitz als Sozialdemokrat, Dr. Emil Margulies, Teplitz und Doktor Sax, Hostomitz sowie der Referent, die ihm erwiderten. Die Versammlung war ausgezeichnet besucht, sowohl aus Dux wie aus Bilin und den anderen Ortschaften der Umgebung. Ein vorbereitendes Komitee wird aus den bisher zum Teplitzer Verein gehörigen Zionisten und den zahlreich NeuangAmeldeten einen eigenen Verein Dux-Bilin organisieren. In Brüx war einige Tage vor der Versammlung von jüdischen Teutonen ein anonymcs Pamphlet niedrigster Art versandt worden, indem nebst einer verlogenen Darstellung unserer Bestrebungen vor dem Besuche der Versammlung gewarnt und an diese Warnung eine Drohung geknüpft worden war. Dieses Vorgehen, weder „deutsch noch jüdisch", grab Herrn Ernst Becher, Teplitz Anlass zu einer scharfen Charakteristik, welche die lebhafte Zustimmung der Versammlung fand. Es sprachen dann noch in der Diskussion Heinrich Feller und kais. Rat Black, Brüx. Auch hier ward ein vorbereitendes Komitee gewählt, welches die Konstituierung des Vereines, zu dem sich 30 Personen meldeten, in die Wege leiten wird. Um die Veranstaltung dieser Versammlung hat sich Herr Heinrich Feller grosse Verdienste erworben. Beide Versammlungen leitete der Vereinsobmann Ludwig Steiner, Teplitz. Zahlreiche Teplitzer Gg. hatten die Fahrt mitgemacht. Es wurden zahlreiche Brochüren verteilt, Für die russische S©lbstwehr wurde gesammelt. Krakau. Der seit einigen Jahren hier bestehende „Shares- Klub" setzt seine Tätigkeit ununterbrochen fort. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt 82 mit einem Einlagekapital von zirka 8000 Kronen. Insgesamt sind 41 Aktien der Jüdischen Kolonialbank durch Vermittlung des „Shares-Klubß" verkauft werden. Zur Information über unser System diene folgendes: Eine Aktie wird in 24 Monatsraten ä 1 K 10 ,.