Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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tfr. 49 „bis * W^It 3«;itt U Wien. Am 22. November hielt der zionistische Frauenuud Mädchenverein von Fünfhaus im reservierten Saale des Cafe" Westend seinen ersten diesjährigen Jour ab. Se. Ehrwürden Herr Lektor Friedmann sprach in gewohnt geistvoller Weise über die Bedeutung der Frauen für die Erhaltung des Judentums. Der Saal war dicht besetzt. Nach dem Vortrage wurde für den Nationalfonds gesammelt. Prossnitz. (E i n z e l, v e r € i n des „Z i o n".) Die Prossnitzer Kultusgemeinde berief iür den 19. >d. M. eine allgemeine Protestversammlung ein, in der einstimmig nachstehende zwei Resolutionen angenommen wurden: „Die Versammlung erklärt, dass es heute die erste Pflicht eines jeden Juden ist, die durch die Judenmassakers in Russland entstandene Not unter unseren dortigen Stammes- und Glaubensgenossen sofort zu lindern. Sie drückt hierbei jedoch die Ueberzeugung aus, dass gegen solche die Menschheit schändenden. Vorfälle mit Almosen allein nicht angekämpft werden kann, dass vielmelhr nur durch Verpflanzen der Massen des jüdischen Volkes nach aufnahmefähigem und rechtlich gesicherten Wohnstätten die Wiederkehr solch schrecklicher Ereignisse unmöglich gemacht wird und dass jeder Jude die Pflicht habe, mitzuarbeiten an der Erreichung dieses Zieles." „Die Versammlung protestiert dagegen, dass keine Regierung der zivilisierten Staaten, trotz mehrfacher Präjudizfälle der jüngsten Zeit, das greuliche fünftägige Judenschlachten in Russland zu verhindern suchte. Die Versammlung erachtet es als Pflicht jeder Grossmacht, solche die Humanität und Kultur schändende Vorfälle zu verhindern, macht die hohe Regierung darauf aufmerksam, dass in jenen Teilen des russischen Reiches, wo Pogrome wüteten, eine grosse Anzahl österreichischer Staatsbürger den Räubern und Mördern preisgegeben ist und erwartet von ihr den Schutz ihrer Staatsbürger sowie die Verhinderung von Vorfällen, die eine Schmach der ganzen Menschheit bilden." An die Versammlung schloss sich ein Trauergottesdienst, in dem der Rabbiner Dr. Leop. Goldschmied eine erschütternde Trauerrede hielt. Die durch die israelitische Kultusgemeinde eingeleitete Sammlung für die Opfer der russichen Judenmassakers ergibt befriedigende Resultate. Teplitz. „Zion". Die am 19. d. M. abgehaltene Protestversammluog gegen die schauerlichen Judenmetzeleien in Russland verlief in würdiger Weise. Dr. Hans Gideon Hey mann aus Berlin trat als ernster, klarer Redner auf, der es meisterlich verstand, j^den oratorischen Schmuck zu vermeiden und die Ereignisse ihre furchtbare Sprache selbst sprechen zu lassen. Er forderte zur Selbstwehr und Selbsthilfe und im letzten Ende zur völligen Befreiung? aus der immer und immer weiter sich in schauerlichen Eruptionen entladenden Judennot durch Schaffung einer öffentlich und rechtlich gesicherten Heimstätte auf. — Die vielhundertköpfige Versammlung nahm nach einer kurzen von Gg. Bechert und Dr. M a r g u 1 i e s glänzend geführten Debatte, eine von letzteren verfasete und beantragte Resolution, in der jene Massakers'gebrandmarkt, die heldenmütige S8lbstwehr der russischen Juden gefeiert und zur Abwehr und Hilfe alle Juden aufgefordert werden, einmütig an. Der Vorsitzende, Gg. L. Steiner leitete die Versammlung. Der zur Versammlung schriftlich eingeladene Kultusvorstand, war — gegen seine klare Pflicht offiziell nicht vertreten. —i— Tachau. Im Gasthause des Herrn Leopold Steiner fand kürzlich eine Versammlung statt, die von der F. Z. V. einberufen worden war. Die gesamte jüdische Bevölkerung aus Tachau und Umgebung war anwesend. Das Referat führte Herr Dr. Artur M a h 1 e r aus Prag. Nach der sodann folgenden Debatte, in die von zionistischer Seite der Referent sowie das Mitglied des D.-K. Herr Ludwig Propper eingriffen, wurde einstimmig die Gründung eines Volksvereines „Theodor Herz)" beschlossen und ein vorbereitendes Komitee mit den nötigen Massnahmen betraut. Bolechow. Am 19. v. M. fand in der hiesigen Synagoge eine Trauerandacht für die in Russland gemordeten Juden statt. Es sprachen die Herren Chaim Krämer, N. Lothringer und Herr Jakob Grünberg. Nachmittags versammelten sich die jüdischen: Schulkinder in der Synagoge und der Schullehrer Herr Isak Dozilewski sowie Herr Salomon Neumark hielten Trauer reden. Am Schlüsse bildete sich ein Komitee aus den Herren Chaim Krämer, H. M. Ellendmann, Alter Halpern, Josef Frey und Jakob Grünberg und es wurden 700 Kronen für die unglücklichen Brüder im Ausland gesammelt. Der Verein „Choveve Zion" spricht hiermit obigen Herren den Dank aus. Podwoloczyska. Am 26. November wurde vom Vereine „Achwah" anlässlich der letzten Schreckensereignisse und Greueltaten in Russland eine Trauerandacht abgehalten, in welcher Herr L. Taubes aus> Czernowitz in beredten Worten eine schwere Anklage gegen die europäischen Mächte hervorbrachte. Alsdann sprach ein russischer Flüchtling, Herr Abrahamen aus Jekaterino'slaw, welcher Augenzeuge des Fürchterlichen war. Bojan. „Zion" Wahlen. Obmann N. Retter, Obmannstellvertreter H. Margulies, Schriftführer H. Gottesmaim. Kassier W. Kiinger, I. Metsch, A. Schajowicz, S. Reiner, D. Wiegler, N. Weiser Administratoren, A. Sonntag, C. Feuerstein, Wr. Schächter Beisitzer, als Revidenten M. Glassberg und S. Schächter. Nationalfondskomitee H. Gottesmann, H. Margulies, N. Frischmann und C. Feuerstein. Wiznitz, ,,Zionu Wahlen. Obmann Dr. Zellermayer, I. Vizepräsident Offizial Herbst, II. Vizepräsident J. Hirschhorn, Schriftführer A. Rosenrauch, Kassier J. Iwanier; F. Rosenrauch, N. Engelberg, M. Schärf jun., L. Helfgott, S. Grebler, M. Bickel und S. Ornstein Ausschussmitglieder: J. Drimmer und D. Stein Kontrollkommission; S. Hirsch und S. Morgenstern Schiedsgericht; M. Stier, H. Singer, Ch. H., A. Hdt NationalfondskommissioD. Kalusz. Sonntag den 3. November fand hier in Anwesenheit von vielen Gästen der erste Unterricht in der neugegründeten hebräischen Schule „Safah-Beruralr statt. Dieselbe erfreut sich allgemeiner Sympathie. Das Hauptverdienst um diese Gründung fällt Gg. D. Spindel und M. Mühl-tein zu. Ausschluss : Präses M. Mühlstein, Vizepräses B. Feldmann, Sekretär I. Spindel, Inspektoren J. Meiler und L. Heemann, Kassier M. Neumann. Gaya. Am 19. d. M. fand in den Lokalitäten des Hotel „Schwarzer Adler" die reorganisierende Versammlung des „Zion" statt. Begrüssung Harr Max Siebenschein. Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Julius Reach gewann in meisterhafter Rede die Anwesenden für unsere gute Sache. Nachdem noch Herr L. Pollak über die Nötigkeit des Zusammenschlusses der Gayaer Juden sprach, erfolgte die Wahl. Obmann Max Siebenschein, Vizepräsident S. Mandl, Schriftführer Rabbiner Dr. Julius Reach und Kassier H. L. Stein. Es kann nunmehr gehofft werden, dass dank den aufopfernden Bemühungen des Obmannes und insbesondere des Herrn Rabbiners der Verein, der vorläufig 55 Mitglieder zählt, eine recht segensreiche Tätigkeit entwick°lt. Chorcstkow. Als beredter Ausdruck tiefster Ergriffenheit und herzlichster Anteilnahme an den grausamen Judenpogromen darf die Trauerfeier, die hier Sonntag den 19. d .M. in der Synagoge stattfand, gelten. Die Beteiligung war sehr zahl reich. Gemeinderabbiner M. Rath hielt eine wirkungsvolle und \on tiefem Schmerz durchzitterte Trauerrede, die mächtig: auf die lautlos Lauschenden wirkte. Kantor Pecker rezit'erie ergreifend einen Psalmtext, daran schloss sich das el nmlc rachmini und mit einem Kadisch endigte die erhebende Feier Es wurden auch 130 K gesammelt, die dem Leniberger Distriktskomi tee zugeführt worden sind. Iglau, Am 3. Dezember fand in der hiesigen Synagoge ein Trauergottesdienst für die anlässlich der letzten Judenmetzeleieri in Russland hingeschlachteten Märtyrer statt. Der schwarz drappierte Tempel war von einer andächtigen Menge gefüllt. Die Trauergesänge exekutierte in würdigster Weise Oberkanten Weiss mit dem vollständigen Chore des Schir Zion, unter Leitung seines Chormeisters Herrn Kohn. Die Trauerrede hielt der greise Rabbiner der Gemeinde Herr Dr. Unger. Er rührte die Versammlung bis zu Tränen. Sammlung für die Hinterbliebenen über 3000 Kronen. Tlumacz. Sonntag den 19. d. M. hat „Zeir Zion4* gemeinschaftlich mit dem zionistischen „Genulath Chassidinr'-Vereine eine Trauerandacht für unsere ermordeten Brüder in Russland, nebst Protestversammlung gegen das Vorgehen der russischen Regierung in der grossen Synagoge abgehalten. Die Andacht eröffnete Herr F. Urmann, Leiter der Baron Hirsch-Schule. Dje Trauerreden wurden von den Herren Seh. Schader, Jur. Inlicht, M. u. B. Epstein, J. u. S. Streit gehalten. Für. die Verunglückten sowie für den, Selbstschutz wurden K 125.— gesammelt. Bemerkenswert ist, dass von den gewesenen Kultusleuten und der sogenannten Aristokratie, niemand anwesend war. Am 25. v. M. konstituierte sich unser Verein aus folgenden Herren: Streit, Obmann; H. M. H. Feuer, Kassier; H. M. Epstein, Schriftführer; die Herren L. u. J. Inslicht, H. u. B. Abend, W. Stein, J. u. B. Epstein, Schulini Streit, als Beiräte. Kolomea. In der am 12. d. M. stattgefundenen Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereines ,,Rachela" wurde dje bisherige Präsidentin Frau Rabbiner Esther Sc h rn e 1 k e s zum Ehrenmitglieds ernannt. In den Ausschluss gewählt wurden: Frau Salomea Hausknecht, Präsidentin, Frau Jeanette Schmelkes, Vizepräsidentin, Frl. Cäcilie Lachs, I. Sekretärin, Frl. Anna