Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Rodaktion and Administration: WIEN IX., TQrktastrass« Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und unverlangte Manuskripte weder zurückgesendet noch aufbewahrt. Preis• der Amigen : laut aufli«gcnd«zsa Tarif. Der Inseratenteil wird Dienstag abend» gesehloaces Einzelne Nisasseri 80 Heiter. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Fflp das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3,45, England ganzjährig Shg. 14.—," halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig «R 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten gansjährig Frcs. 17.—-, ~ " ~ "~ ' - - » - - ........ Ooll. 1.70, ' ~ " halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25» Amerika ganzjährig Doli. 3.40, balhjährig Doli. Nr. 45. Wien, 10. November 1905. — 12. Marcheschwan 5666. vierteljährif? Doli. —.85, 9. Jahrgang. Aufruf an die Zionisten I Unser Volk ist wieder von einem ungeheueren Unglück heimgesucht worden, das alle früheren Katastrophen an Grausamkeit, Härte und Tragweite fibertrifft. Russland wird frei. Tausende und abertausende Juden haben die Freiheit des russischen Reiches durch unerhörte Opfer, durch Hingabe von Blut und Leben miterobern geholfen. Wir sind dem gewaltigen Kampfe der russischen Völker um die Freiheit immer mit dem grössten Interesse gefolgt, aus unserem Freiheits- und Menschheitsideal heraus, namentlich aber auch aus dem Grunde, weil das Geschick unserer russischen Brüder aufs innigste damit verbunden ist. Wiewohl wir stets an unserem Grundsatze festhielten, dass die endgültige Lösung der Judenfrage weit über die Emanzipation der Juden der einzelnen Länder hinaus in der Befreiung der jüdischen Nation auf eigenem historischen Territorium liegt, haben wir von der grossen Umwälzung Russlands eine Stärkung unsere Volkskraft erwartet. Nach namenlosen Leiden fielen die ersten Hoffnungsstrahlen in das entsetzliche Dunkel des jüdischen Lebens. Kaum aber ertönt der erste Freiheitsruf, als schon wieder und grauenhafter denn je, die Mächte des Fanatismus und des Judenhasses, den man eben für gebändigt hielt, entfesselt wurden und unsagbares Unheil über Millionen unserer Brüder gebracht haben. In dieser schweren Stunde, da das jüdische Problem sich wieder in seiner ganzen furchtbaren Grösse vor uns aufrichtet, wollen wir indessen nur an den nächsten Augenblick denken. Tausende Juden sind in niederträchtiger und grausamer Weise hingemetzelt worden, die Existenz von Hunderttausanden ist vernichtet. Gedenken wir unserer Pflicht gegen unsere ins Elend gestürzten Brüder! Schaffen wir schleunige Hilfe! Geben und sammeln wir mit all unseren Kräften für die Geplünderten, für die Witwen und Waisen. Millionen sehen mit Bangen den furchtbar drohenden Gefahren entgegen. Denn niemand kann sagen, was die nächsten Stunden bringen werden. Jetzt, da unsere Volksgenossen nur auf sich gestellt sind, ergehe unser Ruf an alle Gesinnungsgenossen und Freunde: Gebet unseren Brüdern und Schwestern die Mittel an die Hand, sich gegen bestialische Mordbanden zu wehren. Stützet die organisierte jüdische Selbstverteidigung! Stärket die jüdische Selbstwehr! Das zionistische Aktionskomitee.