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Die Welt · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 44 * weit" Seite 15 der Menschlichkeit zugunsten der verfolgten rumänischen Juden intervenierten, verhielt sich Deutschland teilnahmslos, obgleich es eine der Mächte ist, die durchT den Berliner Kongress den rumänischen Juden die Gleichstellung mit der christlichen Bevölkerung gewährleistet haben. Als es sich aber in diesem Jahre um die Anerkennung der kutzowalaehischen Bevölkerung als besondere Nation durch die Pforte handelte, unterstützte die deutsche Diplomatie uehr energisch Rumänien gegen das Patriarchat und der Siutsche Botschafter in Konstantinopel gab sich grosse Mühe, die Anerkennung der kutzowolachischen Nationalität Drchzusetzen. Warum diese verschiedenartige Behandlung, ietad die einen weniger unterstützungswürdig als die anderen? dds Kufezowalachen wurden früher sehr gut behandelt und hneten dieselben Rechte wie die anderen makedonischen Volksstämme, während die Juden in Rumänien so bedrückt werden, dass sie froh sind, wenn sie nur auswandern können/ Korrespondenz aus Jaslo. Am 11. Oktober 1. J. starb im 78. Lebensjahre zu Jaslo der allseits geehrte Bürger Naftali Tretfeld, vieljähriger Präses der israelitischen Kultusgemeinde, Gemeinderat, Delegat des Schulrates etc. etc. Mit dem Ableben dieses so vielfach verdienten Bürgers verliert unsere Gemeinde einen der tapfersten Verfechter der Interessen und Rechte des Ortsjudentums. Der Verblichene repräsentierte die hiesige Judengemeinde seit 38 Jahren, das heisst seit der Z<nt ihrer Entstehung, Er war der älteste Gemeinderat, repräsentierte die Judengemeinde beim Schulrate und bekleidete viele Ehrenposten. Er war ein Mann des reinsten Charakters, kämpfte mit Aufopferung seiner eigenen Person für das Wohl der Judengemeinde und kannte keine Hindernisse, wo es galt, jemandem mit Rat oder Tat beizustehen. Er leistete daher sehr vieles und Grosses und erlebte an der Neige seines Lebens die Erfüllung seines heissesten Wunsches, den der Grundsteinlegung zum Baue der ersten Synagoge, die jetzt schon ihrer Vollendung entgegengeht. Dem edlen Verblichenen aber war es nicht gegönnt, die Freude der Einweihung zu erleben. Die Judengemeinde wusste immer, was sie ihrem Präses zu verdanken hat und so überreichte sie dem edlen Greise zu dessen 70. Geburtstage, eingedenk seiner grossen Verdienste, eine Dankadresse und jetzt, als sie erfuhr, dass dieses grosse Herz zu schlagen aufgehört hat, versammelte sich die Repräsentanz der Judengemeinde zu einer Sitzung und beschloss für den Verblichenen ein Ehrengrab. An der Leichenbestattung, die am 13. Oktober um 9 Uhr früh stattfand, nahmen alle Mitglieder der Judengemeinde, der Magistratsrat und die hierortige Intelligenz teil. Vor dem Trauerhause pries der hierortige Rabbiner die Verdienste des edlen Verblichenen und beklagte den grossen Verlust, den unsere Judengemeinde mit dem Ableben des edlen Heimgegangenen erlitten hat. Die jüdische Kaufmannschaft sperrte — die grosse Trauer teilend — während des Laichenbegängnisses die Geschäfte. Nun liegt er, der unvergessliche edle Kämpfer für das Wohl seiner Brüder, in der kühlen Gruft gebettet! Sein Andenken aber bleibt für unsere Judengemeinde für viele, viele Jahre ein heiliges! Piiede seiner Asche! Jörn Kipur-Unruhen in London. Das East End in London war auch diesmal wieder am Versöhnungstage der Schauplatz wüster Szenen. Die jüdischen Sozialisten hatten die Taktlosigkeit begangen, in ihrem neben der Synagoge belegenen Klublokal am Jörn Kipur-Abend einen Ball zu veranstalten. Trotz dieser Provokation hatten sich die Juden vollständig ruhig demgegenüber verhalten; aber ein paar Vagabunden fingen an, das Klubhaus der Sozialisten mit Steinen zu bewerfen. An der sich nun entwickelnden Schlägerei beteiligten sich dann bedauerlicherweise auch einige der Synagogenbesucher. Die Intoleranz der jüdischen Sozialisten, die es anscheinend darauf abgesehen haben, die Juden Londons, die an der Religion ihrer Väter festhalten, in ihren Gefühlen ostentativ zu verletzen, ist allein dafür verantwortlich zu machen, dass unser hehrster Feiertag durch derartige Szenen entheiligt wurde. Der Preis im Cricket für Südengland wurde von der jüdischen Industrialschule in Hayes, der absolut kleinsten Schule, die in den Wettkampf eintrat, gewonnen. Grosse Tempelspenden. In Budapest ist es schon seit vielen Jahren Gewohnheit, dass an den grossen Feiertagen bei dem Aufrufe zur Thora grosse Summen zugunsten jüdischer Wohltätigkeitsanstalten gespendet werden. So wurden am letzten Neujahrsfest und*am Vereöhnungstage zirka 30.000 K gespendet, um einige 1000 K mehr als im Vorjahre. Feuilleton. Ein Brief. Liebe, liebste Grossmama! Wieder ist ein Jahr vergangen^ wieder kommt der Tag, den sie Versöhrmngstag nennen, der Tag, an dem sich die Gedanken, die Gefühle, die Wehmut, das Unglück eines ganzen Volkes vereinigen und dieses Unglück schreit zum Hümmel. Jeder Jude hat nur eine sanfte Bitte, jeder einzelne betet leise und verzagt; doch die stillen Gebete "werden zum lauten Schrei eines ganzen gequälten Stammes, es wird eine drohende Klage. Sie versöhnen sich -mit Gott, das heisst, sie versöhnen sich mit ihrem Schicksal, das ist ihr Trost, ein gelinder Trost für so herbes Leid. Und Du, Grossmama, Du, Grossnuama, erscheinst mir als Verkörperung des ganzen grossen Judenschmerzes in einer Person: Du, die Du in ihrem Messias Deinen.Sohn verloren und wir, die wir gleich ihnen den Führer, den Vater beweinen. Ein Jahr ist dahin, unser Schmerz bleibt ebenso tief und so frisch. Grossmama, Dir soll der Versöhnungstag auch zur Versöhnung sein, aber nicht zur Busse einer Schuld, sondern zur Versöhnung mit Gott, der Dir so Herbes auferlegte und vor allem zur Versöhnung mit Deinem Schicksal. 0, mögen alle Menschen trachten, Dir dieses Schicksal zu erleichtern, so. wie es heute und alle Tage tun will Deine P a u 1 i n e. Zum Versöhnungstag 5666. Briefkasten. M. Chartiner. Bitten gedrängten Berieht. N. Langinger. Absolut unbekannt. „Joodsclie Wächter". So bald als möglich. Makkabäa. Präsidialbur^au Köln, Karolingerring (Broschüren), Oesi Nati nalfonds - Kommission (Wien, IX., Türkenstrasse 9). Theaterstücke: „Das Neue Ghetto", .,Dr. Kohn", „Die Juden", „Der Jude von Konstanz". Bitten um Voranzeige. Lehrer S. N. Anonym ausgeschlossen. Gr. In M.-W. Zu unbedeutendes Werk. Wg. In Tw. Dankend abgelehnt. E.H. InPr Jehudo Epstein, Wien91.,Rotenturmstrasse 9. „Zion", Prag. Voranzeige zu spät gekommen. Gustav H. Ja, 60 Heller. SPENDEN für den Nationalfonds: Sammlung ,,Ahawath Zion", Pressburg : Johanna Rausnitz 1.—, Ig. Scbönfeld, Somarja 8.70, Sammlung bei Eröffnung des neuen Vereinsheims 9.31, Brüder Rausnitz am Jahrzeittage ihres sei. Vaters 4.—, Erlös für Benseben bei Kommers 10.— , Schermann 1.20, Ploni 3. 20, Rosa Grosz 0.50, Mittelmann 2.50, Kaltmann, 0.70, Mandl 1.42, S. Buchwald 2.03, Weissfisch 2.15, Wetzier 1.20» M. Hauser 0.40, Fischer 2.54, S. Bettelheim 5.91, zus. K 56.76. Dr. Niorda u. S. Weiss 1.—, Wagner 2 32, Komlossy 1.—, Steiner 1.—, L. Fischer 3.56, Dr. Fischer 3.12, Vogelmann 3.34, S. Herzog 4.11, Geiriflger 0.91, S. Reiss 1.—, M. Hauser 0.36, Adler 1. —, N. Kaufer 7.20, Gebrüder Käufer 0.60, Ntumann 2.12. S ammeibogen Nr. 14: M. Münk 1.—, R. Klein 1.—, G. H. 0.20, A. Klein 1.-, M. Köwy 0.50, V. Gero 1.— A. Grünwald 1., L, Unschuld 0.50. Löwy 2. —, Fritz Tausig 0.50, Stern 0.80, H. Unschuld 1.—, zus. 10.—. S a m m e 1 b o g e n Nr. 26 : I. Steiner und Frau K 4.—. Sammelbogen Nr. 5: S.Fuchs 10.—, cand. jur. Leo Steiner 2,—, zus. 12.—. Summa K 60.30, davon ab Verwaltungsspestn und Porto 8.49 verbleibt K 51.87. Dr. L o p. Kahn und Eppler . 108.63 M.-Oatrau: Abschiedsabend für Siegfried Wechsberg „Hessiana* K 7.—, zur Hochzeit Mitzi Feiner mit A. Löwy: W. Fuchs, Dr. R. Glücklich, Th. Klar, J. Kopold, Lehrer F. Kraus, A. OfTaer, L. Stapler, E. Wechsberg und Frau 4.80...................11.80 Dr. Brings und Dr. Freivogel anstatt Kranz für Doktor Kokesch ä 2.—................> 4.—

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