Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316176--47451-3342323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 „bie # weit" Nr. 43 sein Serum auf den Kliniken zu versuchen, dass man ihn hinterrücks verleumdet, dass man es wagt, sein Serum zu verurteilen, ohne es zu kennen. In unseren Tagen soll es keinen Semmelweis geben. Das erlauben wir nicht. Ein Mann der Wissensehaft, ein Mann, der seine Proben abgelegt hat, soll nicht von den Bonzen der Medizin hochnäsig ignoriert werden dürfen, wenn er kommt und versichert: „Mein Serum heilt die Tuberkulose!" Gegen solche Behandlung haben wir jetzt die Flucht in die Oeffentlichkeit Die Hälfte aller Menschen stirbt an der Tuberkulose, 3500 Aerzte versammeln sich zu einem feierlichen Weltkongress und verkünden, dass jede Behandlung dieser mörderischesten aller Krankheiten Schiffbruch erlitten hat und man dem Kranken, der um Heilung, wenigstens um Erleichterung fleht, nur sagen kann: „Wir werden deinen Auswurf sterilisieren, damit du andere nicht ansteckst, wir werden die Strassen verbreitern, damit die Gesunden bessere Wohnungen haben." Die hunderte Mitteilungen an den Kongress sind zum weitaus grössten Teile gelehrte Kindereien, wichtigtuende Laboratorienspielereien von einer so kläglichen Unfruchtbarkeit und Gedankenöde, dass man über diese Vergeudung von Zeit, Arbeit und technischem Können, über diesen greisenhaften Formalismus einer verdorrten, inhaltslosen Scheinwissenschaft entsetzt ist. Mitten in diesem gespreizten, aber leeren, ich möchte geradezu sagen, geistesabwesenden Getue erscheint ein gelehrter Forscher und sagt: „Hier ist ein spezifisches Serum gegen die Tuberkulose[u Zwölf Aerzte, die meisten von Stellung und Ruf, treten nach ihm hervor und bestätigen : »Wir haben das Serum versucht und es hat sich bewährt\u Und dieser Gelehrte ist nicht der Mittelpunkt des Kongresses, dieser Entdecker ist nicht der Triumphator der Tagung? Man sucht ihn im Gegenteil am Sprechen zu verhindern und, da er dennoch gesprochen, sein Wort in einem Sitzungssaale zu ersticken? Das ist eine derartige Ungeheuerlichkeit, dass sie für die Sittengeschichte festgehalten werden muss. Was Marmoreks Serum tau^t, dass sollen die Aerzte beider Welten prüfen. Es gibt schlechterdings keine Entschuldigungen, es nicht zu versuchen. Denn dass es unbedingt harmlos ist, das haben bis jetzt 12.000 Einspritzungen an mehreren hundert gesunden und kranken Manschen und an mehreren tausend Tieren bewiesen, und da es in keinem Falle schadet, ist es die Pflicht des Arztes, es in einer als absolut mit keinem bekannten Mittel heilbaien Krankheit selbst dann zu versuchen, wenn es nicht, wie Professor Dubard-Dijon und Primararzt Levin-S.ockholm angaben, 55 und 52 Prozent Heilungen, sondern nur zehn, nur einen Erfolg in hundert Fällen liefc-rte. Denn selbst eine einzige Heilung ist noch immer besser als gar keine. Einer der Redner in der Freitagssitzung, der Pariser praktische Arzt Dr. J. F. Soulier, hat schwere Worte gesprochen: „Nehmen Sie sicii in acht!" rief er dun Professoreu am Präsidententische mit der schönen Erregung eines herrlichen Mannes zu, den heimtückische Streiche empören, „wenn Sie fortfahren, das Serum Marmorekais nicht vorhanden zu betrachten, werden die Mutter aus dem Volke gebieterisch von Ihnen fordern, dass Sie ihre kranken Angehörigen damit behandeln, wie sie Ihnen das antidiphtheritische Serum aufgenötigt haben, als Sie es anfangs vernachlässigen wollten/ Dr. Soulier hat recht. Ich bin wahrhaftig kein medizinischer Demagoge. Nichts liegt mir ferner, als die Kranken gegen meine Berufsgenossen aufzuwiegeln. Aber wenn Bonzendünkel oder Geistesträgheit, Neid oder Bosheit, wenn die schwärzesten und gemeinsten Menschentriebe sich gegen eine Entdeckung verschwören, die vielleicht jährlich eine Million Menschenleben retten kann, dann ist es Pflicht, den Fachklüngel zu durchbrechen, sich an die weitesten Kreise zu wenden, mit dem grellsten Lichte der Oeffentlichkeit in die verrotteten Winkel des Betriebes der medizinischen Wissenschaft hineinzuleuchten und den Kranken zuzuschreien : „Es gibt ein Heilserum für die Tuberkulose. Es hat sich bereits vielfach bewährt. Es ist unschädlich. Ein Arzt hat nicht das Recht, euch dieses Mittel vorzuenthalten. Denn er hat nichts, was es ersetzen kann, und es ist beim heutigen Stande der Wissenschaft eure einzige Hoffnung auf Heilung." Es scheint mir, es wäre besser, die Aerzte Hessen es nicht darauf ankommen, von ihren Kranken so angeredet zu werden. Paris, 8. Oktober. Max Nordau. Briefkasten. Oesterreicher S., Szatmar. Uebersetzuug frei. An. na. Kommt; auf cUn Inhalt an. Hasmonaea. Muss in einem Jahre ausgezahlt sein. Anfang fgal. W. Heller. Die Sache ist sehr traurig. In bezug auf Ihr Verlangen bitte unseren Annoncenteil nachzulesen. S. Haber. Bei Gelegenheit. Dr. Scherlag. Bitte gefl. Inhalt in ein paar Worten skizzieren. H. Seh., Breslau. Besten Bank. Blindheit. E. Spiegel. Wie können wir denn eine so grosse Verantwortung übernehmen? Das müssen Sie mit sich ausmachen. Gwozdziec Tr otz grosser Mühe war es uns unmöglich, etwas Zutreffendes in Erfahrung zu bringen. Vielleicht wenden Sie sich mit Curriculum vitae an die Baron Hirsch- Stif.ucg. M. S., Gaya. Schon bemerkt. Nächstens. Dank. Dr. E. tö., Teplitz. Besten Dank Vorschlag weitergeleitet. Ganzes Protokoll bald erscheinen Kleine Ausgabe nicht nötig. Sind nach Information Beschlüsse, nicht Anregungen. S. Gottfried. Dankend abgelehnt. J. H. C. K. Nein. W. Redakteur beim „Weg". S. 6, Jiffa. Bitte sich an die Berlitz-Schule in Agram zu wenden. Rat bor. Paris 7, Rue de Chevalier Honorö. SPENDEN für den Nationalfonds: Hugo David, Wien. A. H. „Maccabäa........ 3.— A, H. J. „Maccabäa, Wien............ 1.— Nationalfondskornnrnssion. Pizemysl: Kaaroth, Erew Jom Kipur 5666, dur^h Lauterbach und Tag in der Hauptsynago^e rC 13 44, Reiff, Wahl, Liebenheimer in der Zasanier-Synagoge 11.20, Tuchmann. Friesel sen. bei Suheinbach 10.30, Laub gen., Schlaf im kleinen Beth- Hamidrasch 6.70, Walker, Laub jun. im grossen Beth- Hamidrasch 6.10, Brüll, Au# im V.-.rein „Jad-Charuz-m** 3.60, M. Gottlieb, Mün* im Vereius ,Tii.wat-Israel" 1.14, Scnlecdter bei Bernstein 3.—, Knopt, Gottfried im Wygodaer Bethaus 3. —, Bloch, Herschdörfer bei Blech 2 70, Fried, Friesel jun. im Kaufleute-Bethaus 4. , Schenker, Ickiewicz im Vereine „Halwuas Chein" 2.54, Kaudel, Borger in der „Talmud Tora, 3 10, Nagel, Kölner bi i Nagel 2.—, Rothenberg, J. Gottlieb bei Hirt 2 10, Gh. M. - .10, Tuchmann, Spandorf k -.20. Reiff Lwut-rba-jb Knopt ä —.10, Blatt — 44, „Poale Zion" ^ia^B2 30—, „Hadassa, rTCttftpK 15-~, „Agudatu lierzl" ^"in rVHJK man 3140 76-46 Leo Schickler, Czernowitz............ 1.— Samml ing Arnold Horn und M Frost im Hause M. Feldman. Leipzig : M. Feldman, Schwanenteid, Lipper ä Mk. 1. - , M. Dornfest, S. Dornfest, Berger, J. Schipber Friedmann und A. Hübler ä —.50 .... 6.69 M. Fleischner, Wien................. 1.20 Wien: Ungenannt K. 1.60, Platschek —.20. Gründer der „Unitas".................. 1.80

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.