Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 f|bie & reicher und aus der Wiener Schule hervorgegangen. Früh vertauschte er die Klinik mit dem Laboratorium und wurde einer der ersten Bakteriologen der Gegenwart. Sein Buch ./Versuch einer Theorie der septischen Krankheiten" lenkte die Aufmerksamkeit des Pariser Pasteur-Instituts auf ihn. Es berief ihn in seine Mitte und er wirkte acht Jahre lang als Vorsteher eines der Labroratorien der Anstalt, wo er neben seinen eigenen Forschungen Zeit für einen ausgedehnten Unterricht finden musste und hunderte von Aerzten ans beiden Welten 'in der Bakteriologie ausbildete. Früh gelang ihm die Bereitung eines Heilserums gegen die AnjtistreptokokkenkranHieiten, also liose und '.manche Kindbettfieher. Schon diese erste Entdeckung wurde mit einer wütenden Bosheit und Hartnäckigkeit geleugnet, die jedem unverständlich sein muss, der die „Liviella medi- ('oruni" („pessimal" sagte das Mittelalter) nicht kennt. .Mit dem .Namen Kindbettfieber bezeichnet der medizinische Schlendrian eine ganze Anzahl Krankheiten, deren Erreger sehr verschieden sind. Einem richtig gebildeten Mediziner braucht nicht gesagt zu werden, dass ein Aiitistreptokokkensernm eben nur die Infektion heilt, die vom Streptokokkus ausgeht, und keine andere. Gewissenlose Verlästerer aber spritzten das Serum wahllos in allen möglichen Fällen ein, bei. denen der Streptokokkus keine oder nur eine untergeordnete Holle spielte, erzielten natürlich keine Wirkung und posaunten dann in alle Windrichtungen hinaus, dass Marin oreks Serum wertlos, ja eine Windbeutelei sei. Tausende von Heilungen sind Marmoreks Eevanche und die Verurteilung oberflächlicher Diagnostiker und unfähiger Beobachter. Unvergessen dürfte noch sein, dass Marmorek es war, der zu dein an der Pest erkrankten Dr. Müller nach Wien eilte und ihn — leider zu spät ■— mit Yersins Heilserum behandelte. Für diese Tat — Marmorek verbietet zornig, dass man sie eine Heldentat nenne — zeichnete die österreichische Regierung ihn mit dem Franz Josefsorden aus, wie die französische ihm schon früher für seine Verdienste als Professor die Fhroidegion verliehen hatte. Nach dein Abschluss seiner erfolgreichen Stivptokokkenhrbeiten wendete .Marmorek sich der Tnberkellorsehung zu. Künf Jahre lang blieb er über sein Mikroskop, seine Kulturen und seine Versuchstiere gebeugt, endlich war er ans Ziel gelangt, das ihm während des »Suchens und Tastens in p fad losen Finsternissen oft unerreichbar geschienen hatte. Er besass ein Serum, das Tiere gegen die virulentesten Bazillen der Tuberkulose fest machte und erkrankte Tiere, sofern, das Uebel nicht schon zu weit vorgeschritten war, heilte. Das war im Jahre 1898. Marmorek hatte die sittliche Kraft, eine so ungeheure Entdeckung fünf Jahre lang für sich zu behalten. Fünf Jahre erlitt er. die Marter, rings um sieh blühende Leben hinschwinden zu seilen, die er erhalten zu können überzeugt war. Fünf Jahre sagte er sieh morgens und abends: „Ich lasse in Europa allein jährlich eine Million Mensehen elend umkommen, die ich retten könnte.4' Aber er überwand mit übennensehlieber Anstrengung seine wühlenden (lefühle und j'eissenden .Dränge, denn sein bis zu schmerzhafter Ueberempfindlichkeit entwickeltes Pflichtgefühl untersagte ihm streng, der Welt eine überwältigende lijoffnung zu verkünden, ehe er ganz sicher war, dass sie nicht getäuscht werden würde. Er hatte ein. berüchtigtes Beispiel vor sich, das ihn peinlichste Vorsicht lehrte. Endlich halten zahllose Versuche seine Feherzeugung so weit gefestigt, dass sein wissenschaftliches und sittliches (lewisseii ihm gestattete, ja gebot, vom Tierexperinient zur MenscheniKOiandlung überzugehen. Die Unschädlichkeit seines Serums erprobte er zuerst an sieh. Das versteht sich so sehr von selbst, dass ein Mann der Wissenschaft davon kein Aufhebens macht. Nun galt es, die Heilwirkung zu W^lt" Nfr. 42 beweisen. Hier stiess Marmorek auf die erste Schwierigkeit. Er hatte in Paris weder eine eigene Klinik noch eine Privatpraxis. Er musste sich, um Krankenmaterial zn bekommen, an Primarärzte wenden. Diese waren sehr spröde. Sie erkundigten sich zuerst vorsichtig. im Pasteur-Institut und .wurden da kalt angehaucht. Warum? Ja,. das ist eines der interessantesten Kapitel des Romans von Marmoreks Antituberkuloseserum, aber gerade dieses darf ich noch nicht erzählen.. Die abgeschreckten Krankenhausärzte lehnten meist ab, und nur einige wenige, die Marmorek persönlich kannten und würdigten, wagten trotz der unverhüllten Feindseligkeiten des Pasteur-Instituts eine kleine Anzahl zaghafter Versuche ohne Beweiskraft. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Abonnent Nr. 3971. Bitte uns gefälligst erst mitzuteilen, wo dieses Piotokoil eigentlich erschienen sein soll? A. St - g. in Z. W.*gen Ueberfüllung dankend abgelehnt. E. F., Brünn. Wollen Sie sich gefälligst an die Propagandakommission wenden (Dr. Nossig, Berlin, Ringbahnstrasse 125). Boris Sch. Besten Dank, Klischees gehen diese Woche ab. Viel Glück. N. Sa. in L. Anonyme Selbstanzeige (fc5 Zeilen) wäre uns das Liebste. Weil F., Cognac. Clarence de Sola in Montreal genügt. Emil Heischmann, Wien. Besten Dank. Wir glauben aber, dass unser Auftreten genügt. Ihren richtigen Vorschlag richten Si« gefälligst an die Kultusgemeinde. Gottfried in S. Nicht ohne Talent, jedoch teicht druckreif. K. in Jerusalem. Nein, ohne Bestätigung G. nicht. B in L. Besten Dank, Personalnachrichten nur über Gesinnungsgenossen. SPENDEN für de» Nationalfonds: Andrychau: Regine Felix erwidert dankend Gruss des Frl. Edith Esther Kober, Breslau 1.—, Wette 1.— . . 2.— Sammlung Juda Perlmutter, Podwoloczyska: S. Silhermann, J. Perlmutter, Sch. Gelbfarb a 0.50, M. Bernstein 0.30, P. Schneidermann 0.20, N. Nussbaum 0.20, N. Schreiner 0.10, Müller 0.10, B. Bieler 0.20, I. Schenkel 0.30, J. Pohorjles 0.10, i. Knipper 0 20, S. Müqz 0 2<>, W. Keisten 0 20, E. Ehrenkranz 0.20, D. Tabak 0.50. K. Bernstein 0.10, N. Nussbaum 0.10, M. Linden 0.30, ab Porto 0.10............. 4 70 Irrgang-Lauterbach, Schachspiel . . •........ 0.40 Gzernowitz: Vom Feste am 7. Tiscbri. Mittelgchülervereinigug „Her zl*....... . 2.40 Liebenthal: M. Goldblum 1.—, Wilh. Schoss 2.— . . . 3.— Adolf Peretz, Itzka iy, Synagogensammlung...... 4.60 Gwozdziec: Karesammlung ßeth Hamidrasch Wolf Sperber 2.96, Sbojaner Klaus Wolf Haspel 0.85, Sadagora Klaus S. Grimberg u. Spei her 1.21, Czortkower Klaus Juda Klug 0.81. ab Porto 0.24........ 5.63 „Zion", Hadautz, beim Vortrage 3.15, durch Art. Kohn 3.—..................... 6.15 Sammlung Adolf Peretz bei Hochzeit Benj. Peritz, Itzk.»ny-Frl. Mina Fleischer, Storozynetz .... .... 7.— Rzeszow : Sammlung Ben Zion Fett am Erew Jörn Kipur, ab Porto. „Poale Zion"......... 8.40 Krosno: Jac. Gross. Karesammiung.......... 20.— Frau Ernestine Hellmann. Mielnica.......... 1.— Kaplansky-Kaplan. „PoaleZion" Oesterreichs . 5.- Büchse im Geschäfte Salomon Pasweg, Rymanow . . . 4.60 Sammlung Eisig Schmer im Bethause Salomon Löwenkopf, Drohobycz.................. 10.— Kantor Günstig, Kojetein, wiedergefundene Wertsache . 1.— Gh. Slatner, Troppau, anlässlich Besuch des Grabes seiner Mutter Jeanette............... 1.— „B n e i Z i o n", D o 1 i n a : Karesammlung 8.54, Welte Willner 0.30................... 8.84 Baden : med. S. Deutsch 3.—, B. Freiwillig 4. -, Frau Katie Morgenstern 1.—, stud, J. Deutsch 0.40, Verkauf zionistischer Neujahrskarten 1,— ........ 9.40 Mordohe und Arie Drimmer, Stanislau, zur Ablegung der Staatsprüfung von jur. J. Finkelstein ........ 1.— Delatyn: Sammlung bei Vortrag S. Stroit im Vereine „Achwa", Podwoloczyska: F. J. Preminger, J. Zimmer