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Die Welt · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nh 41 Jfbie & w^it Seite 13 wieder von dem einheimischen fernhält, wie das in Serajewo, in Konstantinopel, in Smyrna, in Kairo und Jerusalem der Fall ist; kennt man die Verhältnisse in Amerika, wo der deutsche Einwanderer den „Bollag" von oben herab ansieht, so muss man den Zionismus bewundern, der -es fertig, gebracht hat, dass der Spagnole aus Saloniki neben dem waschechten „Litwak" aus Wilkowischk sitzt, ohne dass der erstere glaubt, sich etwas zu vergeben, oder der letztere das Gefühl hat, dass man sich zu ihm herablässt. Neben diesen demokratischen Zügen gibt .sich aber ein gewisses Streben nach aristokratischer Erscheinung kund. Das Aktionskomitee erscheint zumeist im Frack, Sir Francis Montefiore erscheint auf der Rednertribüne im Tuxedo- und weissen Glacehandschuhen; man wohnt im Hotel aux trois rois, wo man in Soireetoilette sich zu Tische setzt, die Damen in reichem Dia-mantenschmuck, die Herren in Gala.44 Wdt'QbFonik. Aus Jerusalem, 28. September. Seit dem Regierungsantritt des neuen Paschas mehren, sich die Neueinrichtungen, die den Bewohnern der hl. Stadt zum Segen gereichen. So ist es einzig und. allein dem neuen Untersheriff zu danken, dass die Strassen nunmehr rein gehalten und des Nachts mittels Laternen, beleuchtet werden. Letzthin ist eine Allee angelegt worden, die sich die .Jaffastrasse entlang hinzieht. - - Wie er aber einerseits auf Verbesserungen der Zustände bedacht ist, so strenge ist er andrerseits gegen alles, was in die Politik eingreift. So liess er dieser Tage eine jüdische Lehrerkonferen'z auflösen, weil Anzeige erstattet wurde, dass sie sich mit politischen Fragen befasse. Wer diese bodenlose Unwahrheit erdichtete, ist nicht zu ermitteln. An Denunzianten hat es nie gefehlt. — Eine Verordnung, dass Bücher, wes Inhaltes sie auch seien, ohne Genehmigung von Stambül, hier nicht gedruckt werden dürfen, hat die hiesigen Buchdrucker schwer getroffen. Hoffentlich wird diese Verordnung, wenn nicht gänzlich aufgehoben, doch zumindest modifiziert werden. Noch nie hat hier ein Buch, das staatsgefährlich wäre, die Presse verlassen. Ein. Umstand, der gewiss in Erwägung gezogen werden wird. Schliesslich sei noch erwähnt, dass die „Haschkofa", die obenerwähnte Konferenz ankündigte, auf vier Wochen geschlossen wurde. H a z i o n i. Missionsjagd auf Judenkinder. Im East End von London zirkuliert gegenwärtig ein „Warnruf an jüdische Eltern". In diesem, hebräisch und im Jargon verfassten Aufrufe heisst es u. a.: „Viele Kinder von jüdischen East End-Familien pflegen Vorlesungen und. Unterhaltungen, die von Missionskreisen veranstaltet werden, aufzusuchen, an von Missionsleuten geleiteten Ausflügen, aufs Land teilzunehmen etc., und bei dieser Gelegenheit werden, sie veranlasst, die nichtjüdischen Gebete mitzubeten. Auf diese Weise verirren sich aber auch jüdische Männer und Frauen, manchmal zu fremden Gottesdiensten. Wir appellieren an. die jüdischen. Eltern, ihren Kindern insolange die Erlaubnis zum Besuche solcher „Unterhaltungen" zu verweigern, als sie sieb nicht genau über die Natur solcher Unterhaltungen informiert haben./4 Der „Warnruf ist von Rothschild, Chiefrabbi Adler, Chiefrabbi Gaster, Francis Montefiore, Samuel Montagu u. a. unterzeichnet. Ein Proiessurskandidat als antisemitischer Brandleger. Die gewöhnliche Annahme über die Kraft des Antisemitismus geht dahin, dass er nur dem Mob die Kraft der Uiebeirteeugun? bis zum Grade von Mord und Totschlag verleihe. Eine vielsagende und erschreckende Tatsache zeigt uns nun die schlummernde Bestie auch unter den Gebildeten, die nicht einmal von den Segnungten humaner Universitätsbildung: zurückgehalten werden konnte, ihrem fanatischen Hass gegepdie Juden nachzugeben. Im Schiffsbauetablissement Lazarus in Fiume war ein Brand ausgebrochen, der 500 000 K an Wert vernichtet hatte. Nun wurde gemeldet, dass der Brand von einem Professurskandidaten, dem absolvierten Hörer der Philosophie an der Wiener Universität Milan Popovic gelegt worden sei. Pdpovic, den man zuerst al'.s vermeintlich' Irrsinnigen auf die Beobachtungsabteilung gebracht hatte, wurde von den Aerzten als normal erklärt. Einem Journalisten hat er selbst über den merkwürdigen Beweggrund seiner Tat berichtet. Er war wegen Trunkenheit von seiner Stellung als Hilfslehrer in Dolnja Tuzla entlassen wordein. Aller Mittel entblösst, wurde er nun zum Verbrecher. Er verübte Diebstähle und lebte überhaupt von kleine rein verbrecherischen Handlungen. Auf seilen misteten Wanderungen; kam er dann nach Fiume. Er hatte sich das Schiffsbauetablissement schon lange als Opfer ausgesucht, fri einem Dünstigen Moment drang er ins Innere und. legte den Brand. Ueber das Motiv befragt, gab er an, das» den Juden schon recht geschehe. Der Hass gegen die Besitzer habe ihn dazu veranlasst. Er sei schon in Wien Mitglied eines antisemitischen Vereines gewesen. Die Frage ,oD ihm die brotlosen Arbeiter nicht leid täten, verneinte er. Das ist Jie Macht des Antisemitismus über gebildete Geister. Feuilleton. Die Ueberläufer* 0, wie seid ihr klein und schwach, Klein und schwach in Hass und Neigung. Ihr vertragt kein Ungemach, Opfert nichts der Ueberzeugung. Mit welch schönem Trotz und Mut Stritt man vormals für den Glauben! Eher liess man Gut und Blut Als sich seine Gottheit rauben. Doch jetzt zittern sie, die Armen, Vor jedwedem Hauch und Hiebe, Greifen eiligst nach dem warmen Mantel reiner Ghristenliebe. Den Gefahren bleibt man ferne, Profitiert noch beim Verkaufe, Und drum flüchtet man so gerne Aus dem Regen in die — Taufe! Dr. Jac. Adolf. Beschlüsse des VII. Kongresses. Jede Landeszentrale ist verpflichtet, ein Nationalfondsbureau einzusetzen, welches die Aufgabe hat, in jedem Orte des Landes, wo Juden wohnen, Nationalfondskommissionen, beziehungsweise Kommissäre zu bestellen, welche für den Nationalfonds die erforderliche Arbeit zu leisten haben. 9. Jeder zionistische Verein ist verpflichtet, mindestens 5% der Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen demNationalfonds abzuführen. 3. Es ist Pficht eines jeden Zionisten, sich zugunsten des Nationalfonds selbst zu besteuern; selbst die Dürftigsten sollen so im Laufe eines Jahres wenigstens 1 Krone, 40 Kopeken, respektive den entsprechenden Wert in ihrer Landes münze dem Nationalfonds zuwenden. 4. Alle jüdischen Zeitungen werden aufgefordert, aufklärende Artikel über den N a t i o n a 1 f o n d s zu bringen, ihre Leser zu Sammlungen für den Nationalfonds anzueifern, selbst Spenden entgegenzunehmen und sie auszuweisen. 5. Die zionistischen Organe haben dafür zu sorgen, dass Kultusvorstände und Rabbiner bei allen rituellen Anlässen Z u Wendungen für d e n N a ti o n a lf o n d s veranlassen. 6. Es ist Pflicht eines jeden bemittelten Zionisten, in seinem Testamente den Nationalfonds zu bedenken.

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