Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 39 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 „bis # Welt" Nr. 39 Tage lang die Juden den Händen der Soldaten wie Freiwild auszuliefern. Die Deputation hatte es nicht so leicht, Garantien zu übernehmen. Es wäre ja nicht ausgeschlossen, dass ein Provokateur einen Schuss abfeure; es ist dies schon oftmal passiert. Da es aber keinen Ausweg #ab, übernahmen die Vertret.Y Oe Verantwortung, nachdem die Arbeiter versprochen hatten, sich ruhig zu-verhalten. Wie die Prozession vor sich ging, welchem Anblick der nahezu 15 OOOköpfige Leichenzug mit den 36 Leichen voran geboten hat — das zu beschreiben ist meine Feder zu schwach . Mitteilung. Bei seinem mehrtägigem Aufenthalt in Wien zwecks Uebernahme der Bureaus hielt der Präsident des A.-C. Herr Wolffsohn mehrere Sitzungen mit den Herren aus dem ehemaligen A.-C. zur Abwicklung der Geschäfte ab. Die nächste Sitzung des engeren A.-G. wird der Feiertage wegen erst Ende Oktober in Köln stattfinden. Ein Bureau für die Leitung ist in Köln bereits eingerichtet, wohin auch alle Korrespondenzen zu richten sind, und zwar an die Adresse des Herrn Präsidenten des A.-G. D. Wolffsohn, Karolingerring. Geldsendungen für zionistische Zwecke sind dagegen an die Jüdische Kolonialbank, respektive deren Zahlstellen zu richten. Ein Bureau für Administation wird in Berlin geschaffen werden, zu welchem Zwecke sich Herr Wolffsohn dorthin begab. Der Nationalfonds wird in d^n bisherigen Bureaus unter Leitung des Herrn Direktors K reme nezky bleiben. Ueber die „Welt", die verlegt wird, wird in der nächsten Sitzung des engeren A.-G. definitiv beschlossen, und zwar übsr Zeitpunkt und Ort, ' - Konkursausschreiben der Schule „Bezalei". Bekanntlich hat sich ein grösseres Komitee, dem!: neben vielen hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinschalt auch eine Reihe bedeutender Künstler, wie Jozef Israiels, Max Lieberrnann, E. M.' Lilien, Prof, Boris Schatz, Herrn.' Struck u. a. angehören, gebildet mit dem Zwecke, die Hausindustrie und das Kunstgewerbe in Palästina einzuführen. Schon jcfzt ist das Komitee in der Lage, an die Ausführung dieses;'Planes heranzutreten, und zwar begibt sich der bekannte Bildhauer; Prof. Boris Schatz in Oesellschaft des Malers E. M,.: Lilien,, noch in diesem Herbste nach Palästina, um dort die nötigen.. Ateliers und die Kuustgewerbeschule einzurichten, derem Leitung in opferwilligster Weise Boris Schatz übernommen hat.X Für diese Schule wird ein jüdischer Lehrer gesucht. Auss<er~; dem soll, eine beschränkte Anzahl besonders talentvoller Schüler vorgemerkt werden, denen in der Kunstgewerbeschule in Jerusalem unentgeltlich Unterricht erteilt werden wird und die nach Absolvierung desselben Aussicht haben, Leiter von Ateliers zu werden. (Spenden-für das Institut werden von der „Welt" angenommen und ausgewiesen.) * # * In der Kunstgewerbeschule „Bezale 1" in Jerusalem werden zehn jüdische Schüler und Schülerinnen Aufnahme finden. In der unter Leitung von Prof. Boris Schatz bleibenden Schule wird Unterricht: a) irn Zeichnen) und Malen; b) in der Plastik; c) im Entwerfen von Modellen für die in Aussicht genommenen Kunstgewerbe (Teppichknüpferei, Textil-, Holz-, Ton-, Metall-, Steinarbeit u. a.) erteilt, ferner wird für die praktische Ausbildung in den einzuführenden Ateliers gesorgt werden. . Aus den besten Schülern werden später die Lehrer der Jerusalemer wie neuer an anderen Orten Palästinas noch zu errichtender Schulen und Leiter von Ateliers entnommen werden. Bewerber, die das 15. Lebensjahr,.überschritt »en haben müssen, haben als Nachweis ihrer kunstgewerblichen und sonstigen Befähigung 1. selbstgezeichnete Entwürfe oder Reproduktionen von solchen, 2. selbstgeschriebenen Lebenslauf mit - Angaben über die absolvierten Schulen und die Vermögensverhältnisse, 3. bei Minderjährigen die Erlaubnis des Vaters; oder gesetzlichen Vormundes einzusenden. Bevorzugt werden solche talentvolle Schüler, welche Mittel zum Studium (500 'Pres, jährlich) zur Verfügung haben. Bewerbungen sind postfrei zu richten an: 1. E. M. L i 1 i e n, B e r 1 i n S. W., Grossbeerenstrasse 69 aus europäischen Ländern. Letzter Termin 1. November 1905.. 2. Prof. Boris Schatz, Jerusalem (Palästina) — aus Amerika und anderen Weltteilen. Letzter Termin 10. Dezember 1905. Berlin, September 1905. Komitee des „Ete«alel". Statistisches Jahrbuch deutscher Juden 1905. Das „Bureaü für Statistik der Juden" in Berlin hat dieses Jahrbuch im Auftrage des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes! herausgegeben, in der Vorrede mit Recht behauptend, dass „es ein Buch ist, wie es in gleicher Vollständigkeit für die jüdischen ^ngelegenhei|eh sonst in keinem Lande vorhand«p jsttt. Die 'gl.ätiken'ä^ Ärßfeit entspringt der .Initiative' döa'.'iSei'iin'e'r Verbandes für jüdische Statistik und kam unter der fachkundigen Leitung1 des verdienstvollen Statistikers Dr. Artur Ruppin zustände. Die Reichhaltigkeit des gesammelten statistischen Materiales ist geradezu frappierend. Dieser 17. Jahrgan-g des Jahrbuches ist ein verlässlicher und kenntnisreicher Führer durch das jüdische Gemeinde- und Vereinsweöen Deutschlands und bildet für sozialwissenschaffcliche Studien über deutsche Juden eine unerlässliche Informationsquellen Den Hauptteil des Buches nimmt der Abschnitt über Gemeindewesen ein. Auf Grund einer im November 1904 durch Versendung von Fragebogen an die Vorstände aller jüdischen Gemeinden veranstalteten Rundfrage werden bei jeder einzelnen Gemeinde die Namen der Vorsteher und Beamten, die Zahl der,; christlichen und jüdischen Einwohner, angeführt und über Schul-, Kultus-, Besteuerungs-, Budgefverhalfnisse , uhcTArmenpflege Angaben gemacht. Es ist wahrlich keine ' kleine Aufgabe, bei fast lSOO Judengemeinden Fragebögen " einzuholen und ihre Resultate tabellarisch so klar und '<verstaudlich zu sichten, wie es im Jahrbuche geschieht. : Der Abschnitt über Vereinswesen gibt über Zweck, 'Mitvglie^erzahl, Jahresbudget und Vereins vermögen Auskunft. Von besonderem Interesse sind die Ziffern über die grossen Verbände, welche im gesellschaftlichen und politischen lieben »der deutschen Juden eine entscheidende Rolle spielen. Der, im . Jahre 1901 gegründete „Hiltsverein .der' deutfschen Jü<fen'V dessen Zweck Förderung der sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stammesgenossen ist, zählt 8500 Mitglieder, hatte ein letztjähriges Budget yqn 295.000 ilark und ein Vermögen, von 6§'8.000 Mark. Der „Zentralverein ^deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens*- der seit 1892 /besteht .und Verteidigung der staatsbürgerlichen Rechte d$r deutschen Juden bezweckt, umfasst zirka 1600 Mitglieder, sein letztes Jahresbudget belief sich auf 51.987,Marki das Vermögen auf 42,042 Mark. Die Zionistische Vereinigung Deutschlands zählt 62 Vereine, 83 Gruppen mit Vertrauensmännern,! der jüdischen Turnersehaft Im Reiche gehören 10 Vereine an, der Grossloge des Bnei- Brith-Ordens für Deutschland 65 iLogen. Der Verband für jüdische Geschichte und Literatur umfasst 195 Verein er Sehr lehrreich und interessant sihd die tabellarischen Uebersichten über die Zahl, Dichtigkeit, Wohnorte und Bevölkerungsbewegung der Juden in.Deutschland. Nach der Volkszählung im Jahre 1900 gab es in Deutschland, 586,833 Juden, das ist 1.04%» Während die Zunahme der jüdischen1